Veröffentlicht am 21. September 2026 · Lesedauer: 9 Minuten
Was ist Aktienanalyse?
Aktienanalyse ist die Prüfung eines Unternehmens, bevor du eine von deren Aktien kaufst. Die Fundamentalanalyse bewertet dafür Gewinn, Cashflow, Dividende und Bewertung anhand von Kennzahlen wie dem KGV, die technische Analyse liest nur den Kursverlauf. Torsten Tiedt vom Aktienfinder zeigt, dass zwei Fundamental-Kennzahlen reichen, um langfristige Verliereraktien fast vollständig auszusortieren.
Im Supermarkt drehst du den Apfel um, bevor er in den Korb wandert. Bei Aktien kaufen die meisten, weil ein Influencer sie empfiehlt oder das Gefühl stimmt. Genau das haben wir Torsten Tiedt, Gründer des Aktienfinders, im zweiten Teil der Bildungsreihe der Börsentage gefragt. Er hat uns in Bad Homburg an seinen Bildschirm gelassen und gezeigt, wie er aus über 7.700 Aktien die Qualität herausfiltert.
⭐ Das Wichtigste auf einen Blick
1. Die Stabilität des Gewinns (Skala −1 bis +1) ist Tiedts erste Kennzahl. Ein Filter ab 0,8 sortiert fast alle Aktien aus, mit denen Anleger über 10 Jahre Verlust gemacht hätten.
2. Die zweite Kennzahl ist das Gewinnwachstum pro Jahr. Ab 10 Prozent bleiben im Aktienfinder über 1.300 Aktien übrig, ohne sichtbare Verliereraktie.
3. Auch eine Qualitätsaktie kann zu teuer sein. Beim Beispiel Allianz lag das KGV in der Corona-Zeit unter 8, zuletzt auf Allzeithoch. Tiedt rät Einmalkäufern, den Einstieg zu staffeln.
4. Der MSCI World ist laut Tiedt kein No-Brainer mehr: Rund 30 Prozent des Index stecken in 13 Unternehmen, fast alles Tech. Realistisch seien künftig 6 bis 7 Prozent Rendite pro Jahr, nicht 11.
5. Tiedts Empfehlung zum Schluss gilt dem Bestand, nicht dem nächsten Kauf: erst das eigene Depot durch die Kennzahlen schicken.
Wer ist Torsten Tiedt?
Torsten Tiedt: Vom Feierabend-Blog zum Analyse-Tool
Torsten Tiedt hat 2015 angefangen zu bloggen und einen ersten Prototyp seines Aktien-Filters auf die Seite gestellt. Seit 2017 gibt es den Aktienfinder als eigenständige Plattform, aus dem Hobby wurde ein Beruf. Der Grundgedanke ist seit damals derselbe. Such nach Unternehmen, deren Gewinn langfristig steigt, die ein gutes Geschäftsmodell haben und gut geführt werden, und investier in diese. Das gilt für Aktien und inzwischen auch für ETFs, deren Inhalt der Aktienfinder genauso durchleuchtet.
Wer Tiedt auf den Börsentagen am Stand erlebt, sieht ihn live analysieren. Besucher bringen ihre Aktien mit, er zieht sie auf den Monitor, und um den Stand bilden sich Trauben.
| Torsten Tiedt | |
|---|---|
| Rolle | Gründer des Aktienfinders |
| Hintergrund | Blogger seit 2015, Aktienfinder seit 2017, Privatanleger mit Schwerpunkt Dividendenaktien |
| Format | Analyse-Plattform für über 7.700 Aktien und ETFs, Stand auf den Börsentagen |
| Website | aktienfinder.net |
| Besonderheit | Eigene Kennzahlen für Gewinn- und Dividendenstabilität, Fundamentalanalyse auch für ETFs |
Warum kaufen die meisten Anleger Aktien aus dem Bauch?
Tiedt übersetzt Lukas' Wort „Gefühl" sofort in „Emotion". Beim Kauf ist sie positiv, ein Influencer hat die Aktie gelobt oder du kennst die Produkte, und du kaufst mit den besten Absichten. Dann fällt der Kurs, die negative Emotion übernimmt, und du verkaufst. Der Grund ist simpel: Du hast die Aktie nie so richtig angeschaut. Keine Kennzahlen, kein Blick auf das Geschäftsmodell, keine Fundamentalanalyse.
Die Deutsche Börse definiert Fundamentalanalyse in ihrem Börsenlexikon als Untersuchung und Bewertung eines Unternehmens mit dem Ziel, den inneren Wert einer Aktie zu bestimmen. Genau deshalb arbeitet Tiedt ausschließlich fundamental. Erst dabei lernst du ein Unternehmen mit seinen Stärken und Schwächen kennen.
Kurzfristig ist an der Börse laut Tiedt fast alles stimmungsgetrieben, und gerade wenn das Momentum läuft, tappen Anleger in die Falle.
„Da kann auch die beste Qualitätsaktie mal nach unten gehen. Langfristig setzt sich die Qualität durch."
— Torsten Tiedt, Gründer Aktienfinder (Quelle: Interview Bildungsreihe Börsentage)
Kennzahl 1: Was sagt die Stabilität des Gewinns?
Am Bildschirm zeigt Tiedt die Kursentwicklung aller Aktien über 10 Jahre, grün die Gewinner, rot die Verlierer, deutlich mehr Grün als Rot. Was unterscheidet die beiden Gruppen? Für Tiedt in erster Linie das langfristige Gewinnwachstum des Unternehmens.
Um das messbar zu machen, hat der Aktienfinder eine Kennzahl entwickelt, die Stabilität des Gewinns. Sie läuft von −1 bis +1. Plus 1 kannst du dir wie eine mit dem Lineal gezogene Gewinnentwicklung vorstellen, stetig und zuverlässig nach oben. Minus 1 ist das Gegenteil, davon lässt Tiedt die Finger, weil so ein Unternehmen irgendwann pleite ist.
Dann setzt er den Filter nicht einmal auf den Maximalwert, sondern auf 0,8. Im Ergebnis sind fast alle roten Aktien verschwunden, eine Handvoll bleibt übrig. Mit einer einzigen Kennzahl.
Gemessen wird am bereinigten Gewinn, der außerordentliche Ereignisse wie eine Klage oder Rückstellungen für einen Produktrückruf herausrechnet. Dieselbe Übung lässt sich mit dem operativen Cashflow machen, dem tatsächlichen Geldfluss aus dem laufenden Geschäft. Tiedt geht davon aus, dass ein Unternehmen mit steigenden Gewinnen auch seinen Cashflow steigert, deshalb reicht ihm für den ersten Filter der Gewinn.
Kennzahl 2: Wie viel Gewinnwachstum braucht eine Qualitätsaktie?
Die Stabilität sagt nichts über die Dynamik. Tiedt tippt Procter & Gamble ein, einen Konsumgüterhersteller. Die Gewinnentwicklung ist stabil, aber sie wächst nicht in den Himmel, 5 bis 6 Prozent im Jahr. Keine Aktie, mit der du innerhalb weniger Jahre reich wirst. Das ist auch nicht der Anspruch, aber hohe Kursgewinne darfst du nicht erwarten.
Dann Visa. Auch stabil, aber mit 16 bis 17 Prozent Gewinnwachstum pro Jahr, grob dreimal so viel. Diese zweite Kennzahl heißt Zuwachsrate oder auf Englisch Compound Annual Growth Rate, kurz CAGR, das durchschnittliche jährliche Wachstum über einen Zeitraum.
Setzt Tiedt den Filter auf mindestens 10 Prozent Gewinnwachstum, fällt Procter & Gamble heraus. Übrig bleiben trotzdem über 1.300 Aktien, und in der Kursübersicht ist kein Rot mehr zu sehen. Unternehmen, die ihren Gewinn 10 Jahre lang um mehr als 10 Prozent pro Jahr gesteigert haben, sind heute mehr wert als damals, entsprechend ist der Aktienkurs gestiegen. Beim Weiterscrollen fände er auch hier Verlierer, räumt Tiedt ein, etwa wenn eine Aktie vor 10 Jahren maßlos überbewertet war. Aber die Spreu vom Weizen trennen zwei Kennzahlen aus einer Welt mit Hunderten. Er nennt sie deshalb Primärkennzahlen.
„Aber wenn du 15, 20 Jahre oder noch länger investierst, dann hängt es wirklich vom Fundamentalen ab."
— Torsten Tiedt, Gründer Aktienfinder (Quelle: Interview Bildungsreihe Börsentage)
Warum 20 Prozent Wachstum kein besserer Filter sind
Naheliegend wäre, in die Vollen zu gehen. Gewinnwachstum 20 Prozent, Stabilität 0,9, nur noch Unternehmen, deren Gewinne durch die Decke gehen. Tiedt spielt das durch, und heraus kommen Aktien, die kaum Dividende zahlen, viel Technologie, hohe Volatilität, also starke Kursschwankungen, und sportliche Bewertungen. Das ist eine reinrassige Gewinnwachstumsstrategie mit Branchenfokus, so arbeitet er selbst nicht. Wer Vermögensaufbau betreibt, ist laut Tiedt gut beraten, über Branchen zu streuen, beim Wachstum einen Gang herunterzuschalten und dafür Dividendenaktien mit stabiler Ausschüttung ins Depot zu holen.
Dividende: Warum Tiedt die Stabilität der Dividende über Aristokraten stellt
Viele Anleger, die zuverlässige Dividendenzahler suchen, schauen nur auf die Historie. Die bekannteste Form sind die Dividendenaristokraten: US-Unternehmen, die ihre Ausschüttung mindestens 25 Jahre in Folge erhöht haben (S&P Dow Jones Indices). Tiedt hält diese Logik für zu grob, sie kennt nur Ja oder Nein. Ein Jahr ohne Erhöhung, und der Zähler steht auf null. Das verleitet Manager vor allem in den USA dazu, die Dividende auf Teufel komm raus zu steigern, selbst wenn es klüger wäre, in schlechten Zeiten Geld im Unternehmen zu halten.
Die Stabilität der Dividende, die der Aktienfinder misst, bewertet stattdessen die Zuverlässigkeit der Zahlung im Zeitverlauf. Ein Unternehmen, das während Corona ein Jahr vorsichtig war und nicht erhöht hat, kann trotzdem als stabil gelten. In Japan, wo Dividendensteigerungen kulturell kaum eine Rolle spielen, findet dieser Filter laut Tiedt viele zuverlässige Zahler, die ein Aristokraten-Filter übersieht.
Welche Dividendenkennzahl zählt, hängt von deiner Strategie ab. Der Aktienfinder unterscheidet drei: Gewinnwachstum, bei dem die Dividende egal ist und nur Kursgewinne zählen, Dividendenwachstum, bei dem du mit 1 Prozent Dividendenrendite einsteigst, wenn die Ausschüttung wie bei Visa um 15 bis 16 Prozent pro Jahr steigt, und Dividendenertrag, bei dem du sofort ein spürbares passives Einkommen willst und dafür weniger Wachstum akzeptierst. Zuverlässige Wachstumsunternehmen sind so hoch bewertet, dass die Rendite auf den Kurs bezogen klein bleibt. Für Tiedt gehört deshalb die eigene Anlagestrategie vor jeden Filter.
„Weil die Quadratur des Kreises gibt es halt nicht. Man muss sich immer für irgendwas entscheiden."
— Torsten Tiedt, Gründer Aktienfinder (Quelle: Interview Bildungsreihe Börsentage)
Bewertung: Wann ist eine Qualitätsaktie zu teuer?
Wer zuverlässige Qualitätsaktien kauft, macht langfristig seinen Schnitt, so Tiedt. Ob du beim Einstieg zu viel bezahlst, zählt trotzdem, vor allem bei einem größeren Einmalkauf. Dafür schaut er auf die Bewertung, allen voran das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), also den Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie. Es sagt, wie viele Jahresgewinne du mit dem Kauf bezahlst (Sparkasse: KGV einfach erklärt).
Die Allianz gilt als unspektakulär, und trotzdem schwankt ihr KGV kräftig. Mal 14, mal unter 10, im Corona-Crash sogar unter 8. Zum Zeitpunkt des Gesprächs steht es auf Allzeithoch. Die Dividendenrendite liegt bei rund 4 Prozent, im Durchschnitt der letzten Jahre waren es 4,8, zeitweise fast 7.
Würde die Allianz weiter mit ihrem mittleren KGV bewertet, wäre die Aktie laut Tiedts Rechnung erst Ende 2029 so viel wert, wie der Kurs heute schon ist. Sie ist ihrer Bewertung davongelaufen. Wer jetzt einsteigt, kann trotz Qualität erst einmal Rückschläge erleben, bis der Kurs in den fairen Wert hineingewachsen ist. Einmalkäufern rät er, wenigstens den Einstieg zu staffeln.
Rechenbeispiel: Wann verdoppelt sich deine Dividendenrendite?
Tiedts Dividendenwachstums-Logik lässt sich nachrechnen. Angenommen, du kaufst eine Aktie mit 1 Prozent Dividendenrendite, und das Unternehmen steigert die Ausschüttung jedes Jahr um 16 Prozent. Dann liegt die Dividende bezogen auf deinen Einstandskurs nach knapp 5 Jahren bei 2 Prozent und nach 10 Jahren bei rund 4,4 Prozent. Das ist eine Annahme, keine Garantie: Kaum ein Unternehmen hält 16 Prozent zehn Jahre durch, und der Kurs kann in dieser Zeit fallen. Die Rechnung zeigt nur, warum Tiedt bei stabilem Wachstum eine niedrige Einstiegsrendite akzeptiert.
Warum der MSCI World kein No-Brainer mehr ist
Der MSCI World ist ein Index mit rund 1.300 Aktien aus 23 Industrieländern, viele Anleger kaufen ihn über einen ETF und fühlen sich automatisch breit gestreut. Tiedt widerspricht. Der Index ist nach Marktkapitalisierung gewichtet, und die letzten Jahre haben wenige Technologietitel so groß gemacht, dass sie ihn dominieren.
Am Bildschirm zeigt er die Gewichtung. 8 Aktien machen 20 Prozent aus, 13 Unternehmen (Alphabet ist zweimal drin) rund 30 Prozent. Apple, Nvidia, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom, Meta, Tesla, Micron. Erst danach kommt die erste Gesundheitsaktie. Das MSCI-Factsheet vom 31. August 2026 bestätigt es: Die zehn größten Positionen wiegen 26,61 Prozent bei 1.280 Titeln, allein Nvidia, Apple und Microsoft über 14 Prozent.
Diese Verklumpung hat den Index getragen. Über 10 Jahre kommt Tiedt in seinem Tool auf 12,5 Prozent pro Jahr, das MSCI-Factsheet weist 13,56 Prozent Bruttorendite in US-Dollar aus. Für Tiedt ist genau das gefährlich, weil es eine Erwartung weckt, die er für unrealistisch hält.
Was nach dem KI-Superzyklus kommt
Den letzten Schub haben laut Tiedt nicht die Magnificent Seven gebracht, sondern die zweite Reihe: Chiphersteller wie Micron, SK Hynix oder Broadcom, früher Zykliker mit Bewertungen unter denen deutscher Autobauer, heute mit Billionen-Marktkapitalisierung. Ein Superzyklus ist trotzdem ein Zyklus. Irgendwann ist das Wachstumsfeuer weg, und Konsumgüter, Telekommunikation oder Gesundheit können ein so starkes Tech-Wachstum nicht kompensieren. Deshalb erwartet Tiedt aus dem MSCI World künftig eher 6 bis 7 Prozent pro Jahr. Wie lange die Party noch geht, weiß auch er nicht.
„Du solltest dich von der Erwartungshaltung verabschieden, dass du hier mühelos zweistellige Rendite pro Jahr machst, weil du es zum Beispiel mit dem MSCI World gemacht hast über die letzten Jahre."
— Torsten Tiedt, Gründer Aktienfinder (Quelle: Interview Bildungsreihe Börsentage)
Wie schnell so ein Klumpen fällt, hat das Frühjahr 2025 gezeigt. Nach Trumps Zollankündigung verlor der MSCI World innerhalb weniger Tage fast 12 Prozent (Deutsches Institut für Altersvorsorge, Mai 2025), gemessen am Februar-Hoch in Euro über 20 Prozent (e-fundresearch, April 2025). Wer nicht wusste, wovon sein ETF abhängt, hat genau dann verkauft.
Deshalb rät Tiedt, in den ETF hineinzuschauen, bevor du ihn kaufst. Der Aktienfinder misst dafür die Qualitätsdichte, den Anteil der Qualitätsaktien in einem ETF. Sie schwankt zwischen 79 und 10 Prozent, und je spekulativer ein Themen-ETF, desto weniger Substanz steckt laut Tiedt darin. Was das Klumpenrisiko für dein Depot bedeutet, haben wir mit Markus Jordan in Teil 1 der Bildungsreihe zur Asset Allocation durchgerechnet. Wie Tiedt selbst Einzelaktien und ETFs kombiniert, erzählt er im früheren Gespräch über ETFs vs. Aktien.
Wo die Aktienanalyse an ihre Grenzen stößt
Wirecard: Wenn die Kennzahlen selbst gelogen sind
Ob er nie auf eine Story hereingefallen ist, will Lukas wissen. Reingefallen ja, sagt Tiedt, aber nie nur wegen einer Erzählung. Sein Fall war Wirecard, der laut Untersuchungsausschuss des Bundestags größte Bilanzskandal der Bundesrepublik, bei dem 1,9 Milliarden Euro fehlten und die Wirtschaftsprüfer von EY die Abschlüsse über ein Jahrzehnt testiert hatten.
Gefälschte Kennzahlen kann keine Fundamentalanalyse erkennen. Eine Story ohne Substanz schon. SpaceX-Aktien kaufen, weil irgendwann Rechenzentren im Orbit stehen? Das wäre langfristig gedacht und trotzdem Spekulation.
Fazit: Erst das eigene Depot durchleuchten
Aktienanalyse ist für Tiedt kein Hexenwerk. Zwei Kennzahlen trennen die Spreu vom Weizen, die Bewertung entscheidet über den Einstiegspreis, und dieselbe Logik gilt für ETFs, weil auch ein Welt-Index nur so gut ist wie die Unternehmen, die ihn tragen.
Seine eine Empfehlung zum Schluss ist unspektakulär und deshalb umsetzbar. Wer schon ein Depot hat, setzt seine Aktien auf einen Merkzettel und prüft, was bei den Kennzahlen herauskommt. Sind das Qualitätsaktien oder spekulative Titel, steckt eine Strategie dahinter oder ist alles wild gewürfelt? Die Antwort nimmt dir beim nächsten Kursrutsch die Emotion aus der Entscheidung. Um genau diese Psychologie geht es im dritten Teil der Bildungsreihe.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.
Transparenz: Der Aktienfinder wird genannt, weil Torsten Tiedt die Plattform gegründet hat und als Gast der Bildungsreihe der Börsentage spricht. Zwischen Investier oder Verlier und dem Aktienfinder besteht keine Werbe-, Provisions- oder Affiliate-Beziehung. Allianz, Visa, Procter & Gamble und die genannten Technologieunternehmen sind Beispiele aus dem Gespräch, keine Kaufempfehlung. Einen neutralen Einstieg bietet der Finanztip-Ratgeber zu Aktien.
Über die Autoren
Laura Podleska
Co-Founderin und Co-Host, verantwortet SEO, Web und Social Media
Laura hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und verantwortet Webseite, Suchmaschinen-Optimierung und die Social-Media-Kanäle der Marke. Beruflich arbeitet sie als Online-Marketing-Managerin mit Schwerpunkt Suchmaschinen-Optimierung.
Lukas Beißwenger
Co-Founder und Co-Host, führt die Experten-Interviews
Lukas hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und führt die Interviews mit Fachleuten aus der Finanzbranche, unter anderem live auf den Börsen- und Anlegertagen. Er verantwortet Aufnahme und Produktion der Folgen.
Gemeinsam veröffentlichen die beiden seit Juni 2025 über 90 Podcast-Folgen. Ihre Mission: Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären.
Häufige Fragen
Welche Kennzahlen sind bei der Aktienanalyse am wichtigsten?+
Laut Torsten Tiedt reichen für die Vorauswahl zwei Primärkennzahlen aus mehreren Hundert: die Stabilität des Gewinns und das jährliche Gewinnwachstum. Dividendenkennzahlen und die Bewertung kommen erst danach, wenn die Vorauswahl steht.
Was ist der Unterschied zwischen Fundamentalanalyse und technischer Analyse?+
Die Fundamentalanalyse schaut auf das Unternehmen, die technische Analyse nur auf den Kursverlauf. Für Tiedt entscheidet über kurze Zeiträume ohnehin die Stimmung am Markt. Erst über 15 bis 20 Jahre schlägt das Fundamentale durch, deshalb investiert er ausschließlich danach.
Was sagt das KGV bei der Aktienanalyse aus?+
Es zeigt, wie teuer eine Aktie gemessen an ihrem Gewinn ist. Entscheidend ist laut Tiedt der Vergleich mit der eigenen Historie: Liegt das KGV deutlich über dem mittleren Wert der letzten Jahre, ist die Aktie ihrer Bewertung davongelaufen, auch bei guter Qualität.
Kann ich als Anfänger Aktien selbst analysieren?+
Ja, die Auswertung der Kennzahlen ist laut Tiedt intellektuell keine Hürde. Schwerer wiegt die Frage, wie viel Schwankung du aushältst und ob du laufende Ausschüttungen brauchst. Deshalb rät er, am Anfang nicht alles auf einmal zu investieren.
Ist ein Welt-ETF wirklich breit gestreut?+
Weniger als der Name verspricht. Weil der MSCI World nach Marktkapitalisierung gewichtet ist, hängt seine Rendite an wenigen sehr großen Technologiewerten. Breit gestreut ist ein Depot erst, wenn du weißt, welche Unternehmen darin wirklich schwer wiegen.
Transkript der Folge
„Da kann auch die beste Qualitätsaktie mal nach unten gehen. Langfristig setzt sich die Qualität durch."
Torsten Tiedt, Gründer Aktienfinder, über Qualität an der Börse
„Du wirst diese 10, 11% Rendite pro Jahr aus dem MSCI World nicht nachhaltig haben können."
Torsten Tiedt über die Renditeerwartung beim MSCI World
„Weil die Quadratur des Kreises gibt es halt nicht. Man muss sich immer für irgendwas entscheiden."
Torsten Tiedt über die eigene Anlagestrategie
Vollständiges Transkript anzeigen
Zweiter Teil der Bildungsreihe der Börsentage, aufgenommen in Bad Homburg. Lukas Beißwenger im Gespräch mit Torsten Tiedt, Gründer des Aktienfinders. Das Transkript gibt das Gespräch in gesprochener Sprache wieder, einzelne Versprecher und Halbsätze sind so erhalten.
Einstieg: Warum Emotionen die teuersten Ratgeber sind
Torsten Tiedt: Viele an der Börse lassen sich ja von Emotionen leiten, sowohl bezüglich Kauf als auch später dann vielleicht Verkauf.
Lukas: Aktien oder ETF?
Torsten Tiedt: Selbst wenn du in ETFs investierst, ist es mittlerweile, glaube ich, kein Selbstläufer mehr. Wir haben ja jetzt einen Wachstumstreiber, das ist die KI. Das ist ein super Zyklus, KI-getrieben. Ich bin da auch bedingt optimistisch. Aber was käme denn danach?
Lukas: Du hast eine Riesenkapitalmarkterfahrung, du kannst die Dinge gut einordnen, auch jetzt in Zyklen.
Torsten Tiedt: Du wirst diese 10, 11% Rendite pro Jahr aus dem MSCI World nicht nachhaltig haben können. Wir alle wollen ja Renditen machen und möglichst hohe Renditen machen, möglichst in kurzer Zeit. Und der Markt ist auch so ein bisschen momentumgetrieben.
Lukas: Was wollen die Leute denn? Was beschäftigt die? Was treibt die um und was gibst du denen?
Torsten Tiedt: Guck mal, was will ich eigentlich? Will ich relativ großes Risiko eingehen? Komme ich mit Kursschwankungen und so weiter klar? Was du halt wirklich machen solltest, ist wirklich meiner Meinung nach—
Lukas: Im ersten Teil der Bildungsreihe haben wir uns mit Asset Allocation beschäftigt, und jetzt haben wir hier Torsten Tiet. Wir sind bei Torsten hier in Bad Homburg zu Besuch, und heute geht's um das Thema Qualitätsaktien finden. Worauf muss ich achten? Was ist wichtig? Und da gibt's einen Fachmann im deutschsprachigen Raum, der seit Jahren Einzelaktien analysiert, der ein Tool rausgibt, mittlerweile auch für ETFs, Torsten, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast für uns.
Torsten Tiedt: Danke fürs Kommen und ich freue mich aufs Interview.
Aktien oder ETF, und warum die meisten aus dem Bauch kaufen
Lukas: Super. Grundsätzlich stellt sich ja bei, bei dem Investieren immer die Frage Aktien oder ETF, ja, was vielleicht so in eine falsche Richtung geht. Grundsätzlich geht's ja um Qualität, eine gute Auswahl. Wir kennen's alle, wenn wir in den Supermarkt gehen, wir schauen den Apfel an, wir drehen den um, ist der irgendwo verdatscht? Bei Aktien wählst du oft eine Aktie aus, weil irgendein Influencer was empfiehlt oder du hast ein gutes Gefühl, ne, ohne wirklich mal was anzuschauen. Auf was achtest du als Erstes, wenn du sagst, die Firma hört sich für mich interessant an, ich hocke mich jetzt mal hin? Wie kommst du, wie ist dein Weg, wenn du eine neue Firma kennst, du gehst rein, wie beginnst du?
Torsten Tiedt: Also ich sehe jetzt schon ein wichtiges Ding angesprochen, als du gesagt hast Gefühl, also ich übersetze das mal ein bisschen freier, Emotionen. Und viele an der Börse lassen sich ja von Emotionen leiten, sowohl bezüglich Kauf als auch später dann vielleicht Verkauf. Die Emotion beim Kauf ist meist eine positive. Das heißt, weil jetzt ein Influencer was gesagt hat, du vertraust ihm, es hat dann entsprechend die Emotion hervorgerufen, oder du kennst die Produkte von dem Unternehmen oder sonst irgendwas, und dann bist du erstmal enthusiastisch, investierst da rein mit den besten Absichten, das Ganze langfristig zu machen. Dann geht's irgendwie, läuft irgendwie an der Börse, ist ja keine Einbahnstraße kurzfristig gesehen auf jeden Fall nicht, bzw. bei Einzelaktien kann es auch immer mal anders laufen. Und dann passiert irgendwas, dass der Aktienkurs nach unten geht, und dann kommt die Emotion wieder ins Spiel, und dann aber jetzt nicht mehr von Euphorie getragen oder vom Positiven, sondern dann vom Negativen. Und dann verkaufst du. Warum? Weil du die ganze Sache nicht so angeschaut hast, wie du jetzt mit dem Apfel Du hast die Aktie nicht analysiert, also du hast im Prinzip dich nicht wirklich mit dem Unternehmen beschäftigt, nicht mit den wesentlichen Kennzahlen beschäftigt. Du hast also keine Fundamentalanalyse betrieben, so sage ich das mal. Weil im Rahmen der Fundamentalanalyse lernt man das Unternehmen wirklich kennen, die Stärken kennen, die Schwächen kennen, und deshalb ist es was ziemlich Wichtiges.
Vom Blog zum Aktienfinder: Wie das Tool entstand
Lukas: Wie hat denn dein Weg gestartet mit Aktienfinder? Sehr offensichtlich ein tolles Tool, um eine fundamentale Analyse zu machen, Aktien einzuordnen. Wie kommst du dazu, dass du sagst, hey, ich rufe so ein Tool ins Leben und wie ist das für dich jetzt auch gewachsen die letzten Jahre?
Torsten Tiedt: Also den Aktienfinder gibt es jetzt seit 2017, also wir sind jetzt im 10. Jahr. Das ist also schon in so einer schnelligen Branche mittlerweile also schon eine gefühlte Ewigkeit, in der sich natürlich auch sehr viel getan hat. Ursprünglich war das ja ein Hobbyprojekt gewesen. Ich war ja Blogger, habe 2015 angefangen zu bloggen, also vor 11, 12 Jahren habe ich gebloggt und habe dann so eine Art Prototyp auf diesen Blog gestellt. War natürlich eine extrem einfache Variante im Vergleich zu heute, aber der Grundgedanke war schon derselbe gewesen, nämlich versuchen, Aktien herauszufinden, von Unternehmen, in die man langfristig investieren kann, weil der Gewinn dieser Unternehmen langfristig steigt, was ein gutes Geschäftsmodell haben, gut gemanagt sind. Und das war immer der Grundgedanke gewesen, das ist er bis heute, sogar egal, ob es um Aktien geht oder um ETFs geht, wo ja mehrere Aktien in dem ETF drin sind, kannst du dann auch ähnlich analysieren, kommen wir wahrscheinlich noch drauf. Und aus dem Hobby dann irgendwann den Beruf gemacht, weil ich dann gesehen habe, dass es ein gewisses Interesse gibt an dem Thema bzw. an der Methodik. Und weil die Art und Weise jedenfalls, der Grundgedanke ist ja einfach: Such Unternehmen raus, die erfolgreich sind, investiere in die. Also garantiert nicht der Erste gewesen, der drauf gekommen bin. Aber dann diese Methodologie, dass du dir eben entsprechende Kennzahlen ausdenkst bzw. die berechnest, also das Ganze dann auch versuchst zu visualisieren, also relativ leicht zugänglich anzuzeigen, das Ganze dann halt Aktienuniversum dann danach analysierst, dann filterbar machst sozusagen, also diese ganze Zugänglichkeit dann auch, na, das war und ist immer noch nach 10 Jahren in dieser Art und Weise, wie wir es machen, Denke ich tatsächlich einzigartig.
Lukas: In der ersten Reihe, die wir mit Markus Jordan aufgenommen haben, haben wir festgestellt, hey, der Großteil des Anlageerfolgs kommt von einer guten Asset Allocation. Und Aktien oder ETFs, wenn man das mal als eine Gruppe bezeichnet, ist ja ein Teil der Asset Allocation. Würdest du dem zustimmen, dass die Asset Allocation jetzt wichtiger ist als welche Einzelaktie packe ich rein?
Torsten Tiedt: Kommt drauf an. Also deine Grundaussage ist ja, Wenn ich das richtig verstehe, wenn du sagst Asset Allocation, ach, jetzt entscheide ich mich für das Investieren an der Börse, also über Aktien, entweder direkt oder indirekt über Aktien oder über ETFs. Und dann habe ich damit quasi die Weichen gestellt auf Erfolg. Dann ist ja der Grundgedanke dahinter eigentlich eher, ich schneide irgendwie so ab wie die Indizes, wie die großen Indizes, und die steigen ja langfristig, also steigt mein Investment auch. Ja, das halte ich für zu einfach gedacht, tatsächlich. Wenn ich jetzt in die— da ist der Grundgedanke vielleicht eher doch ETF-getrieben. Also ich bin breit diversifiziert und dann ist der Grundgedanke vielleicht noch dahinter: Guck mal den MSCI World an oder einen ETF auf dem S&P 500 beispielsweise. Dann sehe ich doch, die steigen. Der MSCI World steigt, S&P 500 steigt. Also war ich schon auf Erfolg gestellt. Fertig. Da würde ich dann erst mal sagen, ja, prinzipiell stimmt das. Natürlich, ich gehe auch davon aus, dass wenn ich dann in einen breiten ETF investiere, dass ich dann erfolgreicher bin wie beispielsweise, wenn ich mein Geld aufs Sparbuch lege oder wenn ich jetzt wirklich über viele Jahrzehnte dann zum Beispiel in Rohstoffe, Gold, Silber investiere oder irgend so was. Was ja keine Dividenden beispielsweise abwirft und wo ich auch nicht vom Wirtschaftswachstum profitiere. Da profitiere ich eher von Phasen der Unsicherheit, wo dann die Leute in Edelmetalle oder so was flüchten. Wenn ich jetzt aber beispielsweise in Einzelaktien investiere, dann ist es was anderes. Jetzt nehmen wir dein Eingangsbeispiel. Ich analysiere fundamental nicht. Ich lasse mich inspirieren. Von dem Influencer oder den Influencern meines Vertrauens oder gerade von denen, die am meisten schreien und irgendwas am meisten anpreisen, irgendwelche Modethemen, investiert dann in hochvolatile Aktien und dann kriegt er jedes Mal, wenn es nach unten geht, weil es vielleicht auch keine Unternehmen sind, in die du investierst, die ein langfristiges Gewinnwachstum vorweisen, sondern eher spekulative Titel sind, dann kriege ich entweder kalte Füße oder die Aktie stürzt wirklich dauerhaft ab. Dann würde ich nicht sagen, dass die Weiche automatisch auf Vollgas gestellt ist, nur weil ich quasi in das Basket Aktie-ETF investiere. Dann würde ich da schon große Unterscheidungen machen. Und es gibt ja tatsächlich viele Leute auch, die an der Börse über Aktien-Einzelinvestments Geld verlieren. Das ist das Erste. Und das Zweite ist, selbst wenn du in ETFs investierst, ist es mittlerweile, glaube ich, kein Selbstläufer mehr. Du hast mit dem MSCI World über die letzten 10 Jahre eine jährliche Rendite gemacht von 11% oder so was. Also eigentlich schon sensationell mit so einer Art No-Brainer. Ich kaufe einfach den MSCI World, dann bin ich diversifiziert und brauche mich nicht mehr damit beschäftigen, dass du damit den Markt outperformst. Und zwar nicht 1, 2 Jahre, sondern über die letzten 10, 15 Jahre. Und warum ist das so? Das ist deshalb passiert, weil der MSCI World ja marktgewichtet ist und deshalb einzelne wenige Branchen und Titel, also vor allem Technologietitel, eben den MSCI World nach oben gezogen haben, dabei aber immer größeres Ungleichgewicht geschaffen haben, in dem Sinne, dass die mittlerweile stark übergewichtet sind. Ich habe jetzt die aktuellen Zahlen gerade nicht im Kopf, aber es ist ungefähr so, dass die größten 10 Titel, sagen wir mal, das sind davon, sind 8 Tech- oder 9 Tech-Aktien drinne, und die machen dann im MSCI World irgendwo 27, 28, 29% aus. Und wenn du dann guckst, was die anderen kleingewichteten Aktien ausmachen, dann haben die meistens 0,00%. Gewichtung, sondern völlig egal. Das heißt, man hat im Prinzip, wenn man in den MSCI World investiert, und das ist aber auch für den S&P 500 und viele andere Weltindizes bzw. ETFs, die dann die Indizes abbilden, gültig, du hast dann eine Schlagseite, du hast nicht mehr diese Diversifikation drin, du hast ein aufgebautes Klumpenrisiko, du investierst überproportional stark in Tech. Und es ist eigentlich nur die Frage der Zeit, bis es irgendwann nicht mehr so läuft. Und dann geht es natürlich dann entsprechend, ist dann der Vorteil, den man gehabt hat über viele Jahre, wird dann plötzlich dann zum Nachteil.
Warum der Welt-ETF kein No-Brainer mehr ist
Lukas: Da würde ich vielleicht gerne mal einhaken direkt. Warum denkst du, dass es mit ETFs jetzt die nächsten 10, 15 Jahre vielleicht nicht so gut lief wie die letzten 10, 15?
Torsten Tiedt: Habe ich nicht gesagt. Ich habe nur gesagt, mit den gebreiten Welt-ETFs, dieser vermeintliche No-Brainer, ich gehe hin, hole mir einen Welt-ETF, bin automatisch diversifiziert, was eben nicht mehr stimmt, und mache dann damit auch noch eine Rendite von 10 oder 11% pro Jahr, was die Leute ja oft als selbstverständlich annehmen, weil es in den letzten Jahren so gut gelaufen ist. Also da würde ich meine Hand ins Feuer legen, das kann nicht ewig so gehen, weil wenn du wieder 11, 10% machen wolltest. Das ging ja nur durch diese zunehmende Verklumpung, dadurch, dass diese Technologieaktien immer größer, immer größer geworden sind. Was ja bis heute der Fall ist. Haben ja schon ganz viele, die eine Million, Billionen Dollar oder Euro, beides valide Marktkapitalisierung haben. 2018, 2019 war noch die Frage, welches Unternehmen wird zuerst die Billionen-Euro- oder Dollar-Marktgrenze Grenze an Marktkapitalisierung überschreiten? Wer wird es sein? Und mittlerweile sehen wir zum Beispiel schon die Chiphersteller wie Micron, SG Hynix oder so was, sind entweder schon drüber oder sind an der Grenze. Oder wir haben ja schon IPOs im Tech-Bereich wie SpaceX, die sofort über diese Grenze kommen. Und das hat alles eben alles dazu geführt, dass eben diese No-Brainer angeblichen Welt-ETFs eben so gut performt haben. Aber Moment, es kann aber nur so weitergehen, wenn dieses Wachstum in diesem Bereich weiterhin so stark steigen würde.
KI-Superzyklus: Was passiert, wenn das Wachstumsfeuer ausgeht
Lukas: Jetzt mal ganz doof gefragt, warum steigt es nicht einfach weiter so? Warum kann die Party so nicht weitergehen?
Torsten Tiedt: Weil es überproportional stark ist. Also wir hatten ja jetzt einen Wachstumstreiber, das ist die KI. Und die hat jetzt dafür gesorgt, dass Hardwareunternehmen aus der zweiten Reihe, die eigentlich sehr günstig bewertet waren eigentlich früher, nämlich so eine Micron oder so was, waren immer früher so Boom and Bust, hieß das. Das heißt, es gibt den Schweinezyklus folgend: Zeiten, das ist gut, da kann ich viel Preise verlangen für Speicher, aber auch beispielsweise für Grafikkarten etc. CPUs, und dann gibt es Zeiten, wo die Nachfrage schwach ist. Und diese industrielle Halbleiterbranche kann sich nicht diesen Zyklen anpassen, einfach weil sie haben die Fabriken. Wenn sie dann nicht mehr ausgelastet sind, dann gehen die Margen nach unten, dann müssen sie die Preise senken, dann rutschen sie in die Verlustzone. Guck dir Micron an oder SG Hynix, wie das früher gelaufen ist. Da war das immer mal ein Hoch, mal haben sie Gewinn gemacht, mal haben sie Verlust gemacht. Deshalb waren die auch ganz niedrig bewertet. Die waren noch billiger bewertet als die deutschen Autobauer zum Beispiel. Und jetzt plötzlich haben sie halt ein 20er-, 30er-KGV oder so, was halt durch die Decke geht. Und diese Unternehmen, diese Hardwareunternehmen, Halbleiterunternehmen aus der zweiten Reihe, auch Broadcom und andere, die sind jetzt plötzlich auch eine Billion Dollar Marktkapitalisierung wert. Und die haben, das war jetzt der letzte Push, der das Ganze nach oben gedrückt hat. Die alten Magnificent Seven, vor allem Amazon, Meta, Microsoft, die tragen das schon gar nicht, die tragen das nicht mehr. Die sind jetzt eher diejenigen, die diese als Hyperscaler, diese ganzen Kosten tragen müssen für die Investitionen in Rechenzentren und so weiter und die aus der zweiten Reihe quasi befeuern. Die jetzt kommen durch ihre massiven Käufe. Also das hat sich jetzt quasi schon nach hinten verlagert und das sind eigentlich Zykliker. Es ist ein Superzyklus, KI-getrieben, der kann noch eine ganze Weile tragen. Ich bin da auch bedingt optimistisch. Aber was käme denn danach? Also irgendwann, weil auch ein Superzyklus ist ein Zyklus. Das ist das Erste. Also auch da ist dann irgendwann das Wachstumsfeuer weg. Das Erste, wenn wir langfristig investieren, dann denken wir ja an 10, 15, 20 Jahre. Und das ist ein Zyklus. Das heißt, irgendwann ist es vorbei. Und was trägt denn dann die 11, 10% Rendite pro Jahr? Was kommt denn dann? Wenn der Zyklus vorbei ist, dann werden erstmal diese Aktien von welchem Niveau auch immer fallen. Und dann, weil es halt zyklischer sind, und wenn da nichts nachkommt und das kompensiert, und was soll es denn kompensieren? Das, wir haben da ein starkes Wachstum, aber du kannst mit anderen Branchen, haben nicht dieses starke Wachstum, Konsumgüterhersteller oder Telekommunikation oder Immobilien, Gesundheit, die können das nicht kompensieren, ein so extremes Wachstum in der Technologiebranche, wie wir es die letzten Jahre hatten. Das heißt, du wirst diese 10, 11% Rendite pro Jahr aus dem MSCI World nicht nachhaltig haben können. Und vor allem hat er mittlerweile durch diese Verklumpung ja das Risiko aufgebaut, dass, wenn dieser Superzyklus, bleiben wir mal bei dem Namen, irgendwann vorbei ist und sich das Ganze normalisiert, auch im Rahmen von einer Korrektur, dann wird man auch kleinere Brötchen einfach backen müssen. Und dadurch, dass wir jetzt eben diese große Verklumpung, so nennen wir das, ja, das große Klumpenrisiko jetzt quasi in den großen Indizes hast, und wenn du willst jetzt anfangen, in den MSCI World oder so investieren, dann holst du dir eben dieses große Risiko ins Haus, weil du diese Diversifikation, die ein Weltindex eigentlich vom Namen her verspricht, nicht hast. Und deshalb ist das eben jetzt kein No-Brainer. Auch wenn du sagst, ich will es einfach nur quasi die Marktrendite mitnehmen, ist nicht mehr so einfach, wie es Anfang der, vor 10, 15 Jahren noch war.
Lukas: Man merkt, wenn man dir zuhört, du hast eine Riesenkapitalmarkterfahrung, du kannst die Dinge gut einordnen, auch jetzt in Zyklen. Du weißt ungefähr, wo wir uns befinden, wie lange die Party geht.
Torsten Tiedt: Das ist natürlich super, das weiß ich natürlich auch nicht, aber ich kenne halt den Status quo.
Die typischen Fehler neuer Anleger in dieser Marktphase
Lukas: Was sind denn in so einer Marktphase, weißt du, gerade für neue Leute, die jetzt an den Kapitalmarkt kommen, junge Leute, die das gar nicht kennen, dass es wirklich nachhaltig Krisen gibt, wo es Seitwärtsphasen gibt von 2, 3 Jahren, was sind jetzt typische Fehler, wo neue Investoren reintappen in so Marktphasen?
Torsten Tiedt: Ja gut, das haben wir ja ursprünglich schon angeteasert, mehr oder weniger. Dass du nach Emotionen die Aktien oder meinetwegen auch ETFs kaufst mit falschen Erwartungshaltungen, die vielleicht der ein oder andere Influencer oder Nachbar oder was weiß ich Artikel genährt hat und dass du das Fundamentale vernachlässigst. Ich denke auch, ein weiterer Fehler kann natürlich sein, dass die Renditen wegnehmen, also Wir alle wollen ja Renditen machen und möglichst hohe Renditen machen, möglichst kurzer Zeit.
Lukas: Und möglichst wenig Risiko auch noch.
Torsten Tiedt: Auch das Risiko wird dann meistens ausgeblendet. Ist nicht so wichtig. Geht ja eher alles nach oben. Und die großen Renditen werden eben momentan erzielt in der Technologiebranche, wenn ich das mal ganz allgemein so verallgemeinern sollte. Und da liegt es natürlich nahe, dann das Geld da reinzuinvestieren. Es gibt ja auch einzelne Influencer, die das ganz, also wirklich ins Extreme treiben. Und wenn es dann halt gerade entsprechend läuft, und man darf halt auch nicht vergessen, was es noch einfacher macht, so in die Falle zu tappen, das ist halt, wenn es halt gerade läuft. Also wenn dieses Momentum da ist, ja. Und der Markt ist auch so ein bisschen momentumgetrieben. Nichtsdestotrotz, langfristig setzt sich das Fundamentale durch. Also, es ist ein ganz großer Fehler. Was du halt wirklich machen solltest, ist wirklich meiner Meinung nach diversifizieren. Du solltest dich von der Erwartungshaltung verabschieden, dass du hier mühelos zweistellige Rendite pro Jahr machst, weil du es zum Beispiel mit dem MSCI World gemacht hast über die letzten Jahre. Verabschied dich davon. Eher so realistisch so 6, 7% pro Jahr und investiere von vornherein wirklich diversifiziert. Und da finde ich, dass die Branchen auch wichtig sind. Es ist unabhängig davon, ob du jetzt in ETF investierst oder ob du das über Einzelaktien machst, weil hier kam mittlerweile schon raus, selbst wenn du in den MSCI World investierst, dann bist du halt nicht so diversifiziert, wie du es eigentlich annehmen könntest. Das heißt, du kommst um die Frage der Diversifikation nicht rum. Ist egal, ob du in Aktien oder in ETFs investierst. Und oder, ja, also ist ja auch oder. Das heißt, das eine schließt ja das andere nicht aus. Und da musst du ein bisschen deine Hausaufgaben machen, das Fundamentale anschauen. Und was ich jetzt gerade mit Mitarbeitern von mir heute besprochen habe, da warst du auch schon, glaube ich, bin mir nicht sicher, ob du da schon im Büro warst und mitgehört hast, aber ich habe gerade über mein eigenes Privatdepot geredet. Und die Beobachtung, die ich aber auch schon länger habe, dass wenn jetzt zum Beispiel der NASDAQ, also die Technologieaktien aus den USA, die da hauptsächlich mit drin sind, wenn der NASDAQ einen schlechten Tag hat und da geht er so 1, 1,5% nach unten, dann heißt es, also früher war das so gewesen, dass wenn ein großer Index nach unten ging, dann gingen auch die anderen Indizes nach unten, weil einfach die Börsen nach unten gingen und umgekehrt. Mittlerweile ist es so, dass der NASDAQ fallen kann und andere Indizes bzw. andere Branchen, der NASDAQ fällt, weil die Technologietitel da drinnen fallen, aber andere Branchen, Konsumgüterhersteller etc., die steigen. Das heißt, und in meinem Depot sieht man das dann auch ganz krass, sehe ich das krass, ich habe hauptsächlich Einzelaktien, dass die ganzen Dividendentitel, sind das dann oft so klassische, die steigen und die Technologieaktien fallen. Und das siehst du dann wirklich ganz klar auf dem Monitor, wie wichtig Diversifikation ist. Wenn du dann denken würdest, okay, hätte ich jetzt nur Technologietitel, dann wäre das Depot richtig tiefrot. Aber nein, es ist grün, weil die ganzen anderen Aktien tendenziell eher gestiegen sind an einem Tag. Also das sieht man auch noch mal in der täglichen Beobachtung, oder ich sehe das jedenfalls. Wie krass technologielastig nicht nur die großen Indizes oft meist geworden sind, was wir jetzt schon besprochen haben, sondern auch, dass die mittlerweile, diese Technologietitel, quasi fast ein Eigenleben führen.
Wie Tiedt selbst investiert, Einzeltitel oder Themen-ETF
Lukas: Finde ich jetzt ganz spannend als Außenstehender. Du hast es eingeordnet, in welcher Marktphase wir befinden, und hast gesagt, hey, die Technologietitel sind stark gekauft, der Hoch- bewertet. Trotzdem hast du ja auch Technologietitel in deinem Depot. Das heißt, du hast ja da irgendwie einen Qualitätsfilter für dich gesetzt, weil du weißt ja, der Markt ist gerade teuer. Das heißt, wenn du einen Pick machst, wenn du dich entscheidest, musst du ja irgendeinen Filter für dich haben, richtig?
Torsten Tiedt: Ja, ja, klar. Wenn man jetzt von Technologie, so ein Überbegriff, dann können wir ja, den könnte man jetzt noch ein bisschen besser strukturieren, weil nicht alle Technologietitel sind teuer. Ich habe schon gesagt, Die Hyperscaler sind nicht mehr diejenigen, die die Kurse nach oben treiben. Und wenn du jetzt die klassischen Softwareaktien anguckst wie Salesforce und Co., die sind ja, oder Adobe, die sind ja richtig unter die Räder gekommen unter dem Etikett KI-Verlierer. Das sind ja auch Technologietitel, wenn du so willst. Also sind nicht alle teuer. Sind ja eher jetzt die Halbleiteraktien, die was ich vorhin als aus der zweiten Reihe genannt hatte, die mittlerweile eben auch Billionenmarktkapitalisierung haben, die jetzt die Indizes und so weiter nach oben pushen. Und ja, ich habe natürlich einen Qualitätsfilter, sowohl auf Einzelaktien- als auch auf ETF-Ebene. Also ich habe ja von einem Superzyklus gesprochen. Ich habe von einer Diversifikation gesprochen. Und ich habe jetzt ein Depot, meine ich, also wir reden jetzt von meinem Privatdepot, wo ich im Prinzip natürlich auch gut performen möchte und wo ich so eigentlich immer mehrere Anlagestrategien verfolge. Also in dem Sinne, dass wir haben ja auch Echtgelddepots und haben ja ganz klar eine Anlagestrategie, Dividendenwachstum, Dividendenertrag. Meinem Privatdepot habe ich Aktien unterschiedlicher Charaktere oder unterschiedlicher Art drin, aus unterschiedlichen Branchen, mit unterschiedlichem Charakter quasi. Also ich habe sehr viele Einzeltitel, die was mit Dividende zu tun haben. Glaube ich, um die 40% meines Depots besteht aus relativ klassischen Dividendenaktien aus unterschiedlichen Branchen. Und dann habe ich aber auch noch eben Halbleiteraktien zum Beispiel. Ich war auch diese typischen Hyperscaler drin. Und bei den Halbleitern, da möchte ich auch dabei sein. Aber halt in einem gewissen Rahmen, wo ich sage, ja, das Risiko-Rendite-Chance für mich okay. Das heißt, selbst wenn jetzt dann irgendwann mal schlechte Nachrichten kämen und die Halbleiterbranche fällt, dann zieht sich mein komplettes dann zerlegst du nicht mein komplettes Depot oder so, ja. Also auch im gewissen Rahmen, das muss halt jeder für sich so austarieren. Und dann bin ich bei den Halbleitertiteln aber tatsächlich hingegangen, über ETFs, über 2 ETFs da reinzugehen.
Lukas: Wollte ich gerade fragen, ob du dann mehrere Einzeltitel gewählt hast oder ein ETF.
Torsten Tiedt: Da, weil das ist schon, ja, sagen wir mal, relativ heiß, und die Bewertung ist da dann auch teilweise schon sportlich. Und da habe ich mir es dann tatsächlich einfach gemacht und bin dann auch über 2 ETFs da rein. Ist aber kein NASDAQ-ETF beispielsweise, um dann zu sagen, hey, sondern schon gezielter.
Lukas: So ein Semiconductor-ETF.
Torsten Tiedt: Ja, ja, genau. Bin dann da entsprechend einen ausgesucht, einen, der auch weltweit investiert, also nicht nur USA. Bin dann sogar noch hingegangen, weil der dann nicht in China investiert ist, aber habe dann speziell noch mal einen ETF, Technologie-ETF ausgewählt, der dann noch in China investiert ist, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist, muss auch nicht so sein. So habe ich mich dann eben persönlich für entschieden, habe dann auch noch geguckt, dass halt die Gewichtung dieser beiden ETFs mit dem Rest halt auch noch passt, für mein Empfinden.
Wo für ihn die Grenze zwischen Investieren und Spekulieren liegt
Lukas: Wo ziehst du persönlich die Grenze zwischen langfristig investieren, fundamental basiert und spekulieren? Sind die Grenzen für dich schwimmend? Machst du vielleicht auch beides? Gibt es manche Sachen, wo du ins Spekulative einordnen würdest? Oder sagst du, so wie ich investiere, ist immer fundamental begründet?
Torsten Tiedt: Es ist tatsächlich immer fundamental begründet. Spekulieren heißt ja, ich setze auf eine Story oder irgendwas und vernachlässige im Prinzip den ganzen Rest. Also in erster Linie natürlich das Fundamentale. Und spekulieren heißt nicht, ich bin kurz- oder langfristig unterwegs. Es könnte auch sein, ich investiere in die Branche, weil die kommt irgendwann so richtig und zieht irgendwann durch. Mich, oder ich kaufe jetzt konkreter SpaceX-Aktien, weil irgendwann werden dann die Rechenzentren im Orbit, und spätestens wenn man dann von irgendwelchen Asteroiden oder so Rohstoffe abbauen, dann geht die Aktie durch die Decke. Ja, das wäre ja auch langfristig gedacht, das wäre spekuliert, und so bin ich nicht drauf. Also ich gucke mir immer tatsächlich so die Charts, wie das langfristig läuft, an und so die wichtigsten Kennzahlen und gucke auch noch auf die Bewertung drauf. Ansonsten kaufe ich keine Aktien.
Wirecard: Wenn die Kennzahlen selbst gelogen sind
Lukas: Bist du noch nie auf eine Story reingefallen, wo dich gekickt hat, wo du gesagt hast, das ist mein Ding, finde ich total cool? Noch nie reingefallen auf so eine Story?
Torsten Tiedt: Also reingefallen bin ich schon natürlich an der Börse, aber nie nur wegen einer Story. Also ich bin zum Beispiel Wirecard reingefallen. Aber da hat dann tatsächlich man halt die Kennzahlen gefälscht. Also das war der größte Bilanzskandal, den Deutschland, die Bundesrepublik meines Wissens jemals gesehen hat. Wo ich mir auch nicht vorstellen kann, dass Ernst& Young hier über ein Jahrzehnt hier Sachen absegnet, die falsch sind, schlicht und einfach erfunden sind. Über ein Jahrzehnt lang. Haben sie das quasi alles attestiert. So, ja, passt, passt. Ja, ihren Willi drunter gemacht, die Partner und so. Da habe ich dann auch noch mal was bei gelernt. Also reingefallen, ja, aber nur rein jetzt wegen einer Erzählung, nein.
Was man mitbringen muss, um selbst zu analysieren
Lukas: Zu dem Punkt vielleicht abschließend noch, was muss man denn realistisch mitbringen? Man sagt, also wenn man sagt, ich habe Lust, mich mit Aktien zu beschäftigen, Ich will investieren. Wie viel Zeit muss ich denn allokieren, um mir das aneignen zu können, um dann auch und um das Depot nachhaltig führen zu können? Weil du hast ja schon gesagt, No-Brainer ETF die letzten 10, 15 Jahre, Sparplan läuft, Top-Rendite. Ob das jetzt weiterhin so läuft, stellen wir mal infrage. Und wenn ich jetzt sage, jetzt will ich spezifisch Stockpicking machen mit einer gewissen Fundamentalanalyse, das braucht ja Zeit. Wie ordnest du das ein? Kann das jeder umsetzen?
Torsten Tiedt: Vom Intellektuellen ja, es ist halt nur die Frage, ob man sich damit beschäftigen möchte oder nicht. Also jetzt eigentlich, ich bin natürlich so ein bisschen Fachidiot, deshalb unterschätze ich das vielleicht das eine oder andere, aber ich habe mittlerweile ja auch gesehen, dass unsere Mitglieder und so, das sind alles Mögliche an Leuten, ja. Das sind Handwerker, Hausfrauen auch dabei, also es ist jetzt nicht so, dass das jetzt alles Banker sind oder die haben BWL studiert oder so. Also ganz normale Leute. Und man kann sich eigentlich, wenn du jetzt jemanden hättest, der dir das Wesentliche erzählt und zeigt, dann hättest du an einem Wochenende die Basics locker drauf, glaube ich. Wenn du jetzt alleine vor einer Webseite sitzt, und dann ist es ein bisschen anders ohne Anleitung. Also du brauchst schon halt eine gute Anleitung, eine gute Webseite, eine gute Anlaufstelle, sage ich mal. Die das Ganze in einer gewissen Struktur darstellt, dann wird es halt, dann ist es sehr einfach. Also muss man sich quasi die richtige Anlaufstelle suchen, dann ist es einfach, dann noch ein bisschen Motivation mitbringen. Und dann gibt es aber halt auch noch eine Phase, die hat jetzt nichts mit Wissenserneignung zu tun, sondern da geht man quasi in sich selbst und sagt mal, was will ich eigentlich, ja, will ich relativ großes Risiko eingehen? Komme ich mit Kursschwankungen und so weiter klar? Brauche ich Dividenden? Verbrauche vielleicht keine. Ich will nur auf Kursgewinne setzen oder so. Also geht es jetzt quasi um die Anlagestrategie. Was will ich und wie ist so meine Risikoaffinität? Und dazu gehört aber dann auch noch mal dazu, im Prinzip gehe ich, wie ist die Gewichtung Einzelaktien, ETFs? Also am besten wäre es eigentlich immer, man beschäftigt sich erst mal mit der Fundamentalanalyse so ein bisschen, weil vom Fundamentalen hängt letztendlich ab, wie sich dein Investment entwickelt. Das ist einfach so. Momentum jetzt und Stories hin oder her. Aber wenn du 15, 20 Jahre oder noch länger investierst, dann hängt es wirklich vom Fundamentalen ab. Also tun die Unternehmen, in die du investierst, ihre Gewinne steigern? Wachsen sie? Oder sind es eher so spekulative Buden, so ein bisschen abwertend jetzt gesprochen, von denen dann die Hälfte nach ein paar Jahren pleite ist? Da kannst du natürlich keine Renditespanne erwarten mit so was. Im Gegenteil, da hast du eine Bauchlandung hingelegt. Und das ist erst mal unabhängig davon, ob du in Aktien oder ETFs investierst. Mag jetzt ein bisschen überraschen, weil bei ETFs, da bist du ja, so ist der Volksmund, automatisch gestreut, musst dich mit Einzeltiteln ja nicht beschäftigen etc. So sagt man das jedenfalls. Aber ich habe ja jetzt schon gesagt, dass wir, wenn wir in große ETFs investiert sind wie MSCI World etc., ja gewisse Ungleichgewichtungen haben. Und da wäre es auch nicht schlecht, wenn du dann noch vom ETF kaufst mal reinschaust in so einen ETF, mal guckst, welche Aktien sind denn da drin, von welchen Aktien hängt es denn eigentlich ab, wie sich mein ETF entwickeln wird. Dann kannst du erstens entscheiden, ob du noch in diesen ETF investieren willst oder vielleicht in einen anderen ETF investieren willst. Und du weißt auch, wenn du sagst, hey, ich will in den ETF investieren, dadurch, dass du weißt, wovon jetzt deine Renditeentwicklung abhängt, also von welchen Aktien, hast du eine gewisse Erwartungshaltung, also bezüglich Risiko-Rendite. Bist du dann nicht komplett überrascht, wenn jetzt dein MSCI World dann 20% abrauscht oder so, Was ja jetzt auch letztes Jahr passiert ist, als der Trump dann diese Zollankündigung gemacht hat. Also der MSCI ist ja, glaube ich, in kurzer Zeit gleich mal 20% nach unten gerauscht, hat sich dann wieder erholt. Aber daran sieht man halt entsprechend auch, dass es gewisse Risiken gibt. Und damit du da nicht allzu blauäugig in diese Risiken rennst und dann von Emotionen getrieben dann auf den Verkaufsbutton drückst zum ungünstigsten Zeitpunkt, ist es gut, in den ETF reinzugucken. Und dann einen Eindruck zu haben, wovon die Renditeerwartung abhängen wird, Risiko-Renditeerwartung.
Lukas: Ihr habt ja eine Riesen-Community bei euch, und auch wenn ich auf den Börsentagen bin und euren Stand sehe, der ist rege besucht, da sind 20, 30 Leute, jeder mit dem Kopf noch so oben, dass er alles sieht, was du sagst. Du begegnest ja ständig Menschen, ne, und die stellen dir ja ständig Fragen.
Torsten Tiedt: So wie jetzt, ja.
Lukas: Nervig, gehört gar nicht auf.
Torsten Tiedt: Ja, ist doch schön.
Was Privatanleger auf den Börsentagen wirklich fragen
Lukas: Was sind denn so die typischen Fragen, die so einen Privatanleger umtreiben, der jetzt auf einer Messe ist, der dich anspricht? Weil der weiß ja auch, was er kriegt von dir. Du stehst für Qualitätsaktien, Fundamentalanalyse, vielleicht einen leichten Fokus auf gute Dividendentitel. Und mit dem Hintergrundwissen geht er auf dich zu und will was von dir. Was wollen die Leute denn? Was beschäftigt die? Was treibt die um? Und was gibst du denen? Es ist ja Wahnsinn, das zu sehen auf den Börsentagen, wie voll euer Stand ist, Ja, freuen wir uns natürlich.
Torsten Tiedt: Also du hast ja jetzt schon angenommen, dass die genau wissen, wer wir sind, für was wir stehen. Das ist nicht immer der Fall. Also da kommen natürlich auch Leute, die zum ersten Mal irgendwas von Aktienfinder oder so lesen, und die wollen erstmal wissen, was wir überhaupt machen. Also der Zuschauer weiß es jetzt schon mittlerweile, aber dann müssen wir das halt auch in relativ kurzen, knappen Worten halt erklären, für was wir stehen. Also langfristig investieren, Qualitätsaktien, so diese Schlagworte. Dann gibt es natürlich auch viele, die uns bereits kennen. Das ist auch unterschiedliche Motivation fürs Gespräch. Die einen schütteln einfach nur die Hand und bedanken sich. Das ist natürlich toll. Wollen vielleicht noch ein Foto haben. Andere wiederum kommen dann mit Einzelaktien, in die sie investiert haben, die entweder gut laufen, dann ist es eher so mit stolz geschwellter Brust. Aber es gibt auch Natürlich dann eine Aktie, die nicht so gut laufen, und dann analysieren wir die dann oft. Und dann geht es natürlich um eine Einschätzung, was man von der und jener Aktie hält. Und das ist dann auch meistens der Grund, wenn sich dann anfangen Trauben zu bilden, weil wir analysieren ja dann live, haben dann auch einen Stand auf dem Monitor, den ich hinter mir habe, dass dann auch die Leute drauf gucken können. Und wenn es dann um die Fundamentalanalyse geht, dann sind es auch oft Aktien, die nicht nur in einem Depot sind vom Fragesteller, sondern vielleicht auch in anderen Depots oder Aktien halt, die jetzt gerade in aller Munde sind, wo sich viele Leute überlegen, soll ich mir die vielleicht auch ins Depot holen, eben weil sie von Influencern oder so irgendwie was gehört hat oder halt weil es dann eher so aus Spekulativem raus. Und dann sehen die plötzlich hier dieses Unternehmen, in bunten Bildchen und mit Kennzahlen und so analysiert, gibt es dann also quasi eine neue Art und Weise, wie man da plötzlich auf dieses mögliche Investment schaut. Und das ist natürlich schon interessant. Und ich versuche das dann auch noch zu erklären, meine Einschätzung dazu zu geben. Natürlich oft auch so ein bisschen aus dem Bauch raus, also ohne dass ich mich jetzt da wirklich vorbereitet habe. Aber dadurch, dass man halt schon eine mentale Analyse macht und man weiß, wie sie funktioniert, und wenn man dann die Kennzahlen und Charts und so weiter hat, kann man schon relativ viel sagen. Ja, und ja, das sind im Prinzip so die typischen Besucher, die da so kommen.
Lukas: Ist vielleicht ein ganz gutes Stichwort. Vielleicht nutzen wir das jetzt mal, indem wir mit dir zusammen euer Tool anschauen und dir mal einfach über die Schulter schauen. Wie analysierst du eine Aktie? Suchen wir uns vielleicht irgendwie einen relativ großen Titel aus, wo viele Leute auch irgendwie einen Bezug haben, und du ordnest mal ein. Gehen wir vielleicht mal spezifisch auch auf Kennzahlen ein. Welche Kennzahlen sind wichtig? Worauf achtest du?
Torsten Tiedt: Klar, können wir gerne machen. Super.
Lukas: Super. Alright.
Torsten Tiedt: Gehen wir rüber.
Lukas: Gerne.
Deep Dive: Fundamentalanalyse live im Tool
Torsten Tiedt: So, jetzt geht's los. Jetzt gibt es einen kleinen Deep Dive in die Praxis. Fundamentalanalyse. Also wir wollen nicht spekulieren, sondern wir wollen wirklich investieren mithilfe der Fundamentalanalyse. Gucken uns ein paar Kennzahlen an, gucken uns ein paar Einzelaktien an und vielleicht auch noch den ein oder anderen ETF. Und wir sind jetzt hier beim Aktienfinder auf unserer Seite. Hier geht es zum Aktienfinder. Es gibt unterschiedliche Aktienanalyseplattformen mit Fundamentalanalyse. Müsst ihr euch dann das aussuchen, was für euch passt. Wir haben den Aktienmarkt, da gibt es jetzt ganz viele Aktien. Wir analysieren jetzt beispielsweise im Aktienfinder über 7.700 Aktien aus aller Welt. Jetzt ist natürlich die Frage, in welche dieser Aktien kannst du investieren und dein Geld anvertrauen, damit es sich möglichst vermehrt? Wir investieren langfristig und hier haben wir ja die Performance über viele Jahre. 5 Jahre, 10 Jahre, 15, sogar 20 Jahre. Und hier oben ist, oder hier links ist es kurzfristig. Kurzfristig ist alles mehr oder weniger, sage ich mal, stimmungsgetrieben. Da kann auch die beste Qualitätsaktie mal nach unten gehen. Langfristig setzt sich die Qualität durch. Jetzt sieht man, wenn ich hier ein bisschen scrolle, Machen wir mal 100 Aktien auf einmal. Es gibt, das ist jetzt alphabetisch sortiert, absteigend Aktien, mit denen hast du langfristig Gewinne gemacht, das ist es in Grün. Es gibt auch Aktien, mit denen hast du langfristig Geld verloren, dann ist es entsprechend rot. Und es gibt tendenziell, ich tue mal hier noch ein bisschen weitergehen, tendenziell mehr grün als rot. Also, du hast mit den meisten Aktien Gewinne gemacht, aber es gibt auch immer mal wieder Verliereraktien. Jetzt möchte ich natürlich das Ganze noch mal anders alphabetisch sortieren, wie ich es gewohnt bin. Hier Alphabet vorne. Das ist aber im Prinzip dasselbe. Also, es ist mehr grün als rot, aber es gibt auch immer wieder Verliereraktien. Was unterscheidet die Verliereraktien von den Gewinneraktien. In erster Linie ist meine Aussage das langfristige Gewinnwachstum des Unternehmens, in das du investierst. Was wir jetzt im Aktienfinder machen können, ist, wir haben das langfristige Gewinnwachstum messbar gemacht über einzelne Kennzahlen. Eine ganz wichtige Kennzahl ist Stabilität des Gewinns. Diese Stabilität des Gewinns, die misst im Prinzip, ob das Unternehmen langfristig seinen Gewinn möglichst stabil hat steigern können oder eben nicht. Diese Kennzahl, die geht von -1 bis +1. +1 kann man sich vorstellen wie eine am Lineal gezogene Gewinnentwicklung, wo es wirklich ganz stetig, ganz zuverlässig nach oben geht. -1 wäre genau das Gegenteil. Da halten wir mal lieber die Finger davon. Da kannst du auch nicht 10, 15 Jahre lang investieren, weil es ist dann irgendwann pleite. Hast du dein Geld verloren. Wenn wir jetzt einfach nur hingehen und wir haben hier in diesem Filter relativ viele unterschiedliche Dropdown-Boxen, eine Dropdown-Box für eine Kennzahl, also wir haben schon relativ viele Kennzahlen, nach denen du filtern kannst. Wir nehmen aber nur die, erstmal ist die Kennzahl der Stabilität, nur die, nur die eine, ja. Und wir gehen noch nicht mal auf den Maximalwert, sondern sagen ab 0,8, so dass Das nehmen wir. Was wir dann vielleicht noch nehmen können, das lassen wir, nur die eine Kennzahl nehmen wir. Jetzt gehen wir wieder hier rüber und gucken uns jetzt Kursgewinne auf 10 Jahre an. Jetzt siehst du, dass hier aber in dem Bild die ganzen Verlierer schon weg sind. Ich glaube, es sind bestimmt noch irgendwelche da. Also, ich gucke mal, hier ist noch einer, hier ist noch einer, also dann 2, 3, 4 oder so. Dann gibt es noch andere, die sind noch nicht 10 Jahre börsennotiert. Deshalb gibt es noch keine Kennzahl. Aber du siehst, im Prinzip hat der Filter soweit schon funktioniert, dass du die Anzahl— mit einer einzigen Kennzahl— dass du die Anzahl der Verliereraktien, wenn du langfristig da investiert warst, also 10 Jahre, fast alles rausgefiltert hast. Mit einer einzigen Kennzahl. Jetzt kann man noch hingehen und es kombinieren mit anderen Kennzahlen, logischerweise. Du könntest zum Beispiel sagen, wie hoch das Gewinnwachstum ausgefallen sein soll. Über die letzten 10 Jahre im Schnitt jährlich. Weil was wir jetzt machen, stell dir einfach die Steigerung vor, oder ich zeige es ja auch noch mal ganz konkret. Ich gehe mal jetzt auf irgendeine Aktie, auf die allererste hier. Also wir haben jetzt bereits gefiltert nach Aktien mit einer relativ zuverlässigen Gewinnentwicklung. Wie sieht das aus? Das sieht so entsprechend aus. Also wir haben hier die Gewinnentwicklung, die hier angezeigt wird. Man sieht so, Es gibt immer mal auch wieder Rückschläge, aber im Großen und Ganzen, und das ist hier seit 1999, das sind jetzt also immerhin schon mal schlappe 26 Jahre, wo wir das Ganze hier anzeigen, und wir haben ja auch noch die Prognosen dazu, dass das Gewinnwachstum langfristig steigt. Es gibt übrigens auch noch einen Bereich Gewinn, das spielt an der Stelle aber keine Rolle. Wir messen aber nur quasi, ob das Gewinnwachstum langfristig steigt oder nicht, und in welcher Zuverlässigkeit es steigt. Wir messen aber nicht die Steigung, also wie dynamisch das Gewinnwachstum ausfällt. Das ist natürlich auch noch wichtig, weil es gibt Konsumgüterhersteller beispielsweise. Jetzt mal, wir gucken mal, ob eine Nestlé oder eine Procter Gamble den Filter überlebt hat. Also ich gebe jetzt mal hier PG ein, also jetzt Procter Gamble zum Beispiel, und dann siehst du hier das Gewinnwachstum. Hier spielt wahrscheinlich der bereinigte Gewinn auch noch eine Rolle. Das ist kleiner Deep Dive. Es gibt den bilanzierten und es gibt den bereinigten Gewinn. Der bereinigte ist um außerordentliche Geschäftsvorfälle bereinigt. Wenn man beispielsweise hier mal verklagt wurde oder sonstige Späßchen, Rückstellungen hat bilden müssen für kaputte Produkte, Rückruf oder was weiß ich. Und wenn der da ist, dann nehmen wir den bereinigten Gewinn und messen anhand dieses bereinigten Gewinns die Kennzahlen der Gewinnstabilität etc. So, wir haben ja einen Konsumgüterhersteller, ja, Procter& Gamble, und dann siehst du, ja, das Gewinnwachstum ist schon relativ stabil, ja, zuverlässig, aber es wächst nicht in den Himmel. Wir haben hier dann auch noch das Gewinnwachstum hier als Kennzahl, und das wäre jetzt hier mit um die 5-6%, je nachdem, wie weit man zurückgeht, jetzt ja die Inflation gleicht aus, sage ich mal, ein bisschen mehr auch noch. Aber das ist keine Aktie, mit der ich innerhalb weniger Jahre reich werden könnte. Ist ja eh nicht unser Anspruch, mit einer Aktie innerhalb weniger Jahre reich zu werden. Aber es ist keine Aktie, von der du hohe Kursgewinne erwarten kannst. So ein Stichwort: Ich will den Markt schlagen oder so was. Jetzt gibt es aber noch andere Aktien, die haben auch eine stabile Gewinnentwicklung. Nehmen wir jetzt zum Beispiel noch mal Visa rein. Schau mal, hier hätten wir jetzt noch Visa. Dann siehst du auch, die Gewinnentwicklung ist auch stabil, und da haben wir aber mehr Gewinndynamik drin. Also hier hätten wir jetzt ein Gewinnwachstum hier im deutlichen zweistelligen Bereich, 16, 17% pro Jahr im Vergleich zu 5, 6% pro Jahr bei Procter Gamble, also fast Pi mal Daumen dreimal so hoch. Und das ist die andere Kennzahl, die dann hier eine Rolle spielt, nämlich dann dieses Zuwachsrad oder auf Englisch Compound Annual Growth Rate. Kannst du auch noch hier nachfiltern. Dann könntest du jetzt zum Beispiel sagen, ja, mindestens 5%, hätte man jetzt noch Procter Gamble quasi drin, aber du kannst jetzt noch 10% machen und dann würde Procter Gamble rausfallen. Haben wir aber immer noch über 1.000 Aktien, über 1.300 Aktien, die jetzt die diese beiden wesentlichen Kriterien erfüllen. Und wenn du jetzt wieder hier rübergehst, müsste jetzt noch weniger rot sein. Also hier siehst du überhaupt kein Rot mehr drin, keine einzige mehr drin. Warum? Weil Unternehmen, die über 10 Jahre es geschafft haben, im Schnitt ein Gewinnwachstum von über 10% hinzulegen, das Ganze auch noch relativ zuverlässig, das haben wir gemessen anhand der Gewinnstabilität, da ist davon auszugehen, dass diese Unternehmen heute mehr wert sind als vor 10 Jahren. Entsprechend ist auch davon auszugehen, dass der Aktienkurs gestiegen ist, unabhängig von der Bewertung. Es kann natürlich sein, dass vor 10 Jahren, also unser Einstiegszeitpunkt quasi zum Messen der Kursentwicklung über 10 Jahre, dass die Aktie da extrem überbewertet war, dass sie dann erst mal korrigiert hat in der Zwischenzeit. Es kann auch heute sein, dass Aktien billig sind, weil wir gerade in einen Crash reingelaufen sind in irgendeinem Land. Wir sind ja hier weltweit drin. Da könnte es theoretisch immer noch sein, dass eine Aktie quasi im Negativen ist. Und wenn ich jetzt hier weiterscrollen würde, würde ich sicherlich auch Aktien finden, mit denen du über 10 Jahre Verlust gemacht hast. Aber im Prinzip geht es jetzt erst mal darum, dass man hier die Spreu vom Weizen relativ einfach trennen kann. Und dass es prinzipiell funktioniert, indem man hier wirklich nur sich 2 Kennzahlen nimmt von der ganzen großen Welt der Fundamentalanalyse mit Hunderten, ja Tausenden wahrscheinlich von Kennzahlen, die es gibt. Aber es gibt halt extrem wichtige Kennzahlen. Wir nennen das dann auch Primärkennzahlen, Gewinnentwicklung. Das Ganze kannst du auch noch mal mit dem operativen Cashflow machen, die ganze Übung. Einmal misst du quasi den bilanzierten Gewinn und einmal misst misst du den tatsächlichen Geldfluss. Wobei davon auszugehen ist, dass wenn ein Unternehmen seine Gewinne steigert, es auch den tatsächlichen Cashflow, den tatsächlichen Geldfluss steigert, ja, was als Unternehmen dann quasi bleibt aus der betrieblichen Geschäftstätigkeit. Und das ist schon mal jetzt ganz wichtig. Jetzt ist dann quasi naheliegend, dass man sagt, ja komm, dann gehen wir doch in die Vollen, dann machen wir 20% Gewinnwachstum und hier machen wir +0,9, also noch stabiler und so. Und dann investiere ich jetzt nur noch in die Unternehmen, deren Gewinne stabil durch die Decke gehen, und bin dann halt nach ein paar Jahren Millionär. So ein bisschen überspitzt ausgedrückt. Das wäre dann so eine reinrassige Gewinnwachstumsstrategie, sage ich mal, ja, die du dann da fährst. Da hast du dann Aktien drinne, die tendenziell eher weniger Dividende ausschütten, Ich müsste jetzt mal selber gucken. Also so arbeite ich natürlich nicht. Also ich habe das jetzt übertrieben gemacht. Also du hast erst mal Aktien hier, die keine Dividende ausschütten, aber die meisten Aktien schütten ja Dividende aus. Über 2 Drittel der Aktien weltweit schütten Dividende aus. Also kommst du um Dividende so oder so nicht rum. Aber hier hättest du dann tendenziell, ich gebe doch mal 4%, irgendwas in China, 5%, auch irgendwas in China. Aber tendenziell hättest du dann hier Aktien, die entweder keine Dividende ausschütten oder relativ wenig Dividende ausschütten. Du kannst natürlich auch noch sagen, hier China, also in China will ich nicht investieren. Da wirst du hier zum Beispiel China und Hongkong wegmachen. Dann würde es dann so aussehen, dann wäre es wahrscheinlich noch mehr in meine Richtung, die ich jetzt gerade sagen will, nämlich eher niedrige Dividendenrenditen hast bzw. gar keine Dividendenrenditen hast. Und tendenziell hast du dann wahrscheinlich auch relativ viele Technologietitel drin und tendenziell hast du dann auch relativ hohe Volatilität drin bei diesen Titeln, weil die auch wiederum tendenziell, ich muss ja auch von tendenziell reden, hoch bewertet sind, weil sie eben sportlich wachsen. Hier hättest du dann eine Gewinnwachstumsstrategie abgebildet, mit entsprechend hohen Volatilitäten und niedrigen Dividenden. Das ist jetzt nicht für jeden der Fall. Du hättest dann wahrscheinlich vermutlich auch einen relativ starken Branchenfokus auf Technologietitel und vielleicht noch andere Branchen, die relativ stark wachsen. Wenn man normalerweise aber jetzt Vermögensaufbau machen möchte, dann ist man eigentlich gut beraten, hier schön zu diversifizieren. Und wenn einem Dividenden auch noch wichtig sind, dann schaltet man einen Gang runter, was so die Gewinndynamik angeht, und holt sich dann aber dafür auch Dividendenaktien ins Haus, die Dividenden aufweisen, also schönes Dividendenwachstum aufweisen. Also das sichere Dividendenzahler, ja, ist ein Punkt, auf dem man vielleicht noch gleich getrennt eingehen, weil es relativ interessant ist, und dennoch möglichst dynamisches Dividendenwachstum. Das können wir jetzt mal kurz machen. Also wir fahren jetzt mal hier wieder ein bisschen zurück. Ja, wir machen jetzt mal Gewinnwachstum 5%, 0,8% Stabilität des Gewinns. Und man könnte jetzt hier, diese blauen Kennzahlen beschäftigen sich mit der Dividende, während diese grün hinterlegten Kennzahlen quasi bzw. Dropdown-Boxen beschäftigen sich mit der Qualität des Unternehmens, kann man so sehen. Und wir haben jetzt hier eine Kennzahl entwickelt, eine Stabilitätskennzahl auch für die Dividende. Normalerweise ist es so, dass viele Investoren gucken auf die Dividendenhistorie und blenden vielleicht alles andere aus. Auf der Suche nach guten, zuverlässigen Dividendenzahlern schauen sie ausschließlich auf die Dividendenhistorie. Gucken Sie sich beispielsweise Dividendenaristokraten an oder gucken Sie einfach an allgemein, seit wie vielen Jahren hat das Unternehmen seine Dividende gesteigert, nicht gesenkt etc. Natürlich die Dividendenrendite auch noch wichtig. Das haben wir auch alles hier, also keine Dividendensenkung seit so und so vielen Jahren, Dividendensteigerung seit so und so vielen Jahren. Es gibt aber tatsächlich was Besseres, nämlich die Stabilität der Dividende. Man muss sich das so vorstellen wie Dividendensteigerung Steigerung. Das ist im Prinzip ja oder nein. Das heißt, sobald du ein Unternehmen hast, das ein Jahr lang die Dividende nicht gesteigert hat, dann bist du bei null. Was dann auch dazu führt, dass das Management versucht, die Dividende zu steigern auf Teufel komm raus, vor allem in den USA, damit sie den Dividendenaristokratenstatus nicht verlieren. Selbst dann, wenn es Sinn machen würde, über schlechte Zeiten mal ein bisschen Geld in der Bilanz zu halten im Unternehmen und nicht aufs Maximum quasi auszuschütten. Die Stabilität der Dividende, die misst so ähnlich wie bei der Stabilität des Gewinns die Zuverlässigkeit der Dividendenzahlung im Zeitverlauf. Und das ist kein Schwarz-Weiß, kein Ja-Nein. Wenn du da einen Dividendenzahler hast, der zuverlässig ausschüttet, aber mal in einem Jahr, zum Beispiel während Corona oder so, gesagt, ich bin jetzt mal vorsichtiger, wir erhöhen mal die Dividende nicht, dann kann die immer noch extrem stabil sein. Während beim Dividendenaristokraten-Logik, sage ich mal, da wären wir wieder ganz am Anfang, müssen wieder komplett über Los gehen, ja, das fängt wieder bei null an. Und deshalb ist das Stabilität der Dividende aus meiner Sicht deutlich besser. Wir haben auch, wie in Japan, eine ganz andere Dividendenkultur, da geht es, da ist die Dividendensteigerung nicht so wichtig. Und trotzdem haben wir da sehr viele zuverlässige Dividendenzahler. Das heißt, hier können wir auch 0,9 beispielsweise gehen, und dann hätten wir jetzt hier in dem Beispiel 870 knapp Aktien drinne mit einem stabilen Gewinn, einer stabilen Gewinnentwicklung, mit einem Gewinnwachstum von mindestens 5% und mit sehr stabilen, sehr stabilen Dividenden. Also sehr stabiler, zuverlässiger Ausschütter. Dann kannst du noch hingehen natürlich und deine Dividendenrendite festlegen. Die minimale kannst du mal mit mindestens 2% machen. Es kommt auf deine Strategie drauf an. Wir unterscheiden idealtypisch, das zeige ich jetzt auch gleich, machen wir 3% oder machen wir nur, doch, ich lass mal 3%. Wir unterscheiden hier idealtypisch zwischen 3 unterschiedlichen Strategien. Gehen wir hier auf die Allianz. Hier gehen wir in die Scorecard rein, nämlich hier Dividendenertrag, Wachstum und Gewinnwachstum. Gewinnwachstum ist das, was ich vorhin so ein bisschen flapsig mal im Filter eingestellt habe, mit hier 0,9 Gewinnstabilität, aber +20% Gewinnwachstum pro Jahr. Da hast du dann die Dividenden komplett ignoriert. Deshalb sind die Dividendenkriterien hier auch komplett ausgeblendet. Diese Scorecard sagt übrigens für jede Anlagestrategie, gibt sie einen Score zwischen 1 und 10, und 10 ist Prädikat quasi, das Maximum, und 1 wäre völlig ungeeignet. Ja, so ein Scoring-System ist natürlich immer mit Vorsicht zu genießen, da, weil für ein Scoring-System muss man sich immer irgendwie irgendwelche Kriterien heraussuchen, die irgendwie Gewichten, da ist immer eine gewisse Willkür oder Ermessenserwägung quasi dann mit im Spiel. Aber eine Scorecard kann halt Transparenz noch mal bieten und den Auswahlprozess erleichtern, so als Anlaufstelle. Voraussetzung ist, so ein Scoring-System muss transparent sein, dass man weiß, wie das Score zustande kam. Und das zeigen wir auch entsprechend hier alles an, hier auch mit kleinen Tooltips etc. Wichtig ist jetzt aber jetzt fürs Verständnis erst mal, dass es idealtypisch 3 Anlagestrategien gibt. Es gibt die Anlagestrategie mit Dividende ist mir schnurzpiepegal. Ich will möglichst hohe Kursgewinne erzielen, indem ich in Qualitätsaktien investiere. Also hier geht es immer um Qualitätsaktien. Es gibt eine Strategie, 2 Strategien, wo die Dividende eine wesentliche Rolle spielt, weshalb dann auch Kriterien, Dividendenkriterien quasi einfließen. In der Ermittlung dieses Scores. Aber sie unterscheiden sich trotzdem. Nämlich einmal steht das Dividendenwachstum im Vordergrund, so nach dem Motto: Ich habe ja Zeit, und wenn sich die Dividende wie jetzt bei Visa um 15, 16% pro Jahr erhöht, kann ich gerne mal mit 1% Dividendenrendite einsteigen. Und nach, sage ich mal so, 7 Jahren oder irgendwas, bisschen nicht ausgerechnet, habe ich dann meine Dividendenrendite verdoppelt für den Einstiegspreis und dann noch mal dabei geblieben. Ich glaube sogar weniger als 7 Jahre mit 17, 16% Dividendenwachstum. Und wenn ich dann noch länger dabei bleibe, 15, 20%, dann kriege ich immer mehr Dividende auf meinen Einstandskurs bezogen. Ja, das wäre der Grundgedanke beim Dividendenwachstum. Und der Grundgedanke beim Dividendenertrag wäre, ich möchte sofort so ein passives, ich möchte ein passives, wesentliches passives Einkommen aufbauen, so schnell wie es geht. Ich möchte also in was investieren und möchte sofort so eine Art Verzinsung in Form von Dividende haben, die ich auf meinem Konto auch merke. Und dann muss ich, dann schraube ich dann quasi die Erwartungshaltung bei der Dividendenrendite nach oben, aber beim Dividendenwachstum nach unten. Weil die Quadratur des Kreises gibt es halt nicht. Man muss sich immer für irgendwas entscheiden. Also ich kann jetzt nicht, ich könnte natürlich schon sagen, aber da kommt meistens nichts Sinnvolles das bei raus, ich möchte jetzt hier 20% Gewinnwachstum, außerdem noch 20% Dividendenwachstum, die Dividendenrendite soll bei 5% starten. Ja, also da wirst du nicht so viele Aktien finden, weil das Problem ist halt, wenn du— es gibt schon sehr viele zuverlässige Dividendenzahler mit dynamischem Gewinnwachstum, die gibt es ja, aber das Problem ist, dass die sich entsprechend hoch bewerten. Und deshalb ist dann die Dividendenrendite entsprechend niedrig, weil der Aktienkurs so hoch ist. Aber man muss sich dann halt quasi, oder man sollte sich, man sollte sein Zielbild ungefähr kennen, dann halt seine Anlagestrategie daraus ableiten. Und dann hätte man hier entsprechend dann den Score, an dem man sich orientieren kann zusätzlich. Und bei Allianz sieht man dann, dass für Dividendenertrag wenig überrascht, wahrscheinlich für jeden, der sich ein bisschen auskennt an der Börse, ist die Aktie am besten geeignet und für Gewinnwachstum ist sie jetzt etwas weniger gut geeignet. Aber weil die Gewinnstabilität doch relativ hoch ist, die Bilanz, sage ich mal, relativ gut ist bezüglich Verschuldung und sie hat auch ein gewisses Momentum. Das tun wir übrigens auch einarbeiten. Hier auch so die langfristige Kursentwicklung ist auch immer noch so, na ja, ist gar relativ erträglicher. Score bei der Allianz raus. Aber es gibt natürlich deutlich bessere Aktien für Gewinnwachstumsstrategie. Und so kann man sich dann eben entsprechend hier auch ein Depot zusammenbauen aus zuverlässigen Dividendenzahlern. Genau, so viel dazu. Wichtig vielleicht auch noch, weil es den Komplex Qualität, langfristiges Gewinnwachstum, ist die Aktie geeignet für ein langfristiges Investment? Dann auch noch, haben wir jetzt gehabt, dann haben wir jetzt ganz kurz über Dividenden gesprochen. Was auch noch eine Rolle spielt, ist die Bewertung der Aktie. Also man kann davon ausgehen, erstmal, dass wenn man in zuverlässige, gute Aktien investiert, man langfristig schon seinen Schnitt macht. Das sieht man ja hier hinten, dass man dann meistens, hier haben wir jetzt einen, mit dem man quasi im Minus wäre nach 10 Jahren, aber meistens hier seinen Schnitt macht. Hier haben wir noch mal ein paar aber meistens ist es halt grün, ja, davon kann man ausgehen. Aber jetzt spielt natürlich noch eine Rolle, was die, ob die Aktie vor allem dann, wenn du größeren Einmalkauf tätigen willst oder Investment in der Aktie, ob jetzt eher günstig oder teuer ist. Das kann natürlich auch immer sein, dass an der Börse ist ja auch viel Psychologie, da hast du ja glaube ich in deinem, hast mir eingangs erwähnt, ja auch schon jemanden interviewt zu dem Thema. Psychologie führt eben dazu, dass die Leute hier nicht immer nur sich sklavisch an irgendwelchen Kennzahlen orientieren, auch bezüglich Bewertungskennzahlen, sondern sie kaufen die Aktie halt. Entweder weil sie überhaupt nichts wissen von fundamentalen Analysen, einfach nur spekulieren, weil sie vielleicht kurzfristig unterwegs sind, so Trading, dann spielt jetzt die Bewertung auch nicht unbedingt eine große Rolle, sondern eher das kurzfristige Momentum. Und wenn wir langfristig investieren, spielt aber die Bewertung schon eine Rolle. Beim Einstiegszeitpunkt insbesondere einen günstigen Einstiegszeitpunkt zu finden. Und Bewertungskennzahlen sind dann hier entsprechend unten. Jede Aktie, gucken wir uns jetzt mal, bleiben wir mal bei der Allianz. Wenn wir uns die Allianz angucken, dann ist es ja eigentlich ein relativ unspekulärer Titel, möchte man meinen. Aber dann haben wir hier auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Und dann sieht man auch, dass das tatsächlich schwankt. Also wir haben ab und zu ein KGV von 14 gehabt und ab und zu haben wir auch ein KGV gehabt von unter 10. Und wenn wir mal so einen richtigen Crash hatten, wie hier bei Corona, dann ist das KGV sogar auf unter 8 gefallen. Und jetzt ist natürlich dann die Frage, wenn ich in so eine Aktie investiere, dann kaufe ich die Aktie am besten dann, wenn sie relativ günstig bewertet ist. Man sieht, jetzt gerade ist das KGV auf Allzeithoch. Sondern so relativ interessantes Beispiel gerade gefunden. Wenn ich jetzt hier bei der Allianz einsteige, dann wäre das jetzt vielleicht nicht so der optimale Zeitpunkt. Sollte ich vielleicht wenigstens staffeln, den Einstieg, ja, falls die Aktie wieder dann runtergeht. Übrigens spielt natürlich gerade bei Aktien wie Allianz der Kurs natürlich eine Rolle, weil wenn ich jetzt sehe, dass das KGV hoch ist, wird die Dividendenrendite— das KGV ist hoch, weil ab Preis, weil der Kurs wahrscheinlich hoch ist, auf Allzeithoch, das sieht man ja hier. Und die Dividendenrendite ist dann entsprechend im Zeitverlauf, fällt die dann relativ mickrig aus, liegt jetzt momentan bei 4%, absolut gesehen immer noch okay, wenn man so will. Aber hier gab es halt auch schon mal für knapp 7% zu haben, die Aktie. Und wir haben, kannst auch so Korridore drüberlegen. Manchmal noch ein 2-Jahres-Korridor, noch ein weit länger laufender Korridor wie 5 Jahre. So die durchschnittliche Dividendenrendite, siehst du dann, lag dann halt im Durchschnitt bei 4,8% oder deutlich mehr. Und das siehst du dann auch, wie die Dividendenrendite steigen soll, weil sie erhöht wird. Und dann siehst du hier, wie die persönliche Dividendenrendite quasi wieder ansteigt, dass du dann fast 5% schon hättest hier. Anfang 2030. Aber die Bewertung spielt hier auch eine relativ große Rolle, wie gesagt, vor allem für Einmalkäufer. Und hier kann man dann auch so weit gehen, wenigstens im Aktienfinder, dass man hier sein Renditepotenzial ermitteln kann. Wenn man dann zum Beispiel auch faire Werte berechnet, sieht man hier dann zum Beispiel einmal den Aktienkurs, dann sieht man immer, wenn dieser Aktienkurs, also diese schwarze, wild durch, also relativ volatile Linie, über dieser relativ ruhig verlaufenden Linie, diese grüne, liegt, die ja den fairen Wert repräsentiert, dann ist die Aktie hier teuer. Hier oben ist sie teuer und hier unten war sie quasi günstig. Und jetzt ist sie gerade, Aktienkurs ist hier, fairer Wert ist da, also ist jetzt momentan relativ teuer und man hätte dann hier kurzfristig sogar hier, das sieht man, Rückschlagspotenzial sozusagen. Das könnte dann so laufen, wenn man hier einsteigt, dass die Aktie dann, obwohl sie Qualitätsaktie ist, erst mal nach unten geht, weil du sie halt einfach relativ teuer eingekauft hast und dann eine ganze Weile warten musst, bis der Aktienkurs quasi in den fairen Wert reingelaufen ist. Hier sieht man das, jetzt habe ich zufällig gerade ein schönes Beispiel ausgewählt. Hier siehst du dann sozusagen, dass hier Ende 2029 der Aktie wenn sie weiterhin langfristig mit dem mittleren KGV bewertet werden würde, dem durchschnittlichen, dann wäre die Aktie erst Ende 2029 so viel wert wie der Aktienkurs momentan. Also die ist quasi ein bisschen davongelaufen. Ja, also das ist dann auch quasi auch noch wichtig, wenn wir vielleicht die Welt der Einzelaktien kurz verlassen und man ganz schnell noch einen Abstecher machen in die Welt der ETFs, weil eingangs haben wir auch den MSCI World etc. erwähnt. Will ich vielleicht noch ganz kurz zeigen, damit man das auch noch mal bisschen visuell hat. Also hier ist noch mal ein MSCI World, und ich habe ja jetzt bisschen vom Klumpenrisiko etc. gesprochen, aber auch von der Performance eingängig. Und wenn ich jetzt hier mit die letzten 10 Jahre, und wenn ich jetzt einfach mal die Punkte hier ungefähr verbinde über 10 Jahre, dann kann man hier die Performance anschauen, dann kommt man sogar auf 12,5% pro Jahr. Mit so einem No-Brainer quasi, mit einem Welt-ETF, der vermeintlich diversifiziert ist. Und das ist halt gefährlich, weil so was kann halt eine Erwartungshaltung wecken, die, das habe ich am Anfang ausgeführt, aus meiner Sicht unrealistisch ist. Warum ist sie unrealistisch? Das haben wir hier, weil du hier schön sehen kannst, hier haben wir die Gewichtung, wir haben ja den marktkapitalisiert, hier siehst du das. Also insgesamt hat der MSCI World hier knapp 1300 Aktien, aus denen er besteht. Können wir ja sagen, dann bin ich automatisch gut diversifiziert. Ist nicht so, weil du siehst hier jetzt noch interessanter, wenn wir mal hier reinzoomen, dann siehst du, dass hier 20 20% der Gewichtung wird hier schon mit 8 Aktien gemacht. Und Alphabet ist sogar zweimal drin, also eigentlich mit 7 Unternehmen nur 20% der Gewichtung. Du hast hier 30% der Gewichtung hier mit 13 Unternehmen, 14 Aktien, aber 13 Unternehmen, schon 30% der Gewichtung. Und das ist fast alles Tech, alles Tech, also Apple, Nvidia, Microsoft, Amazon, dann haben wir hier zweimal Alphabet, Broadcom, Meta, Tesla. Micron, von dem wir vorhin auch gesprochen haben. Und hier kommt endlich mal Gesundheit. Aber vorher, also fast 30% der Gewichtung, einfach nur ein paar Tech-Aktien, nur 9 Technologietitel oder so. Und das ist eben diese Verklumpung, von der ich geredet habe, die eben die Wachstumstreiber gewesen sind beim MSCI World. Hier siehst du es auch noch mal anders. Hier siehst du noch mal quasi so eine Art Map mit auch noch mal einer Gewichtung. Dann siehst du, dass hier ganz viele kleine Rechtecke sind. Die eigentlich völlig irrelevant sind bezüglich der Entwicklung vom MSCI World. Dann siehst du aber hier relativ große Rechtecke, und das sind eben diese Technologietitel. Und das sind die Technologietitel, was wir eingangs auch erwähnt hatten, aus der zweiten Reihe. Hier AMD, ASML, haben wir Micron, Broadcom, Intel, Applied Materials, Lam Research, die hervorragend gelaufen sind. Das siehst du hier ja auch. Die Performance, die jetzt dann dafür gesorgt haben, dass der MSCI World auch noch mal weiter steigen kann. Ja, und das wird natürlich nicht ewig so gehen. Genau, und da ist dann eben ganz wichtig, was wir hier auch noch machen, ist dieses, dieser Grundgedanke, dass du in Qualitätsaktien investieren solltest, der trägt sowohl, wenn du in Einzelaktien investierst, auch wenn du in ETF investierst. Natürlich, weil ein ETF viele Aktien hat, verbessert sich das ein bisschen, aber nichtsdestotrotz kannst du die Aktien, die im ETF sind, anschauen und kannst dadurch ebenfalls Kennzahlen ermitteln, wie beispielsweise die Qualitätsdichte, die dir dann sagt, wie viel Qualitätsaktien sind denn in dem ETF enthalten. Und das kann massiv schwanken, also jetzt einfach mal sortiert zwischen 79% und 10% schwankt es. Natürlich ist es so, dass bei Themen-ETFs oder Branchen-ETFs, wo du dann quasi noch mal spezifischer reingehst in den Aktienmarkt und nur einen kleinen Teilaspekt von dem Aktienmarkt abdeckst, da ist dann die Qualität, die Fundamentale noch mal entscheidender sozusagen. Und das ist ein wichtiger Aspekt und wir visualisieren das Ganze natürlich auch. Dass du, indem du hier, das glaube ich auch der MSCI World, den wir jetzt hier haben, siehst du dann quasi, wie die Aktien, die da drin sind, aufgeteilt werden bezüglich der Qualitätsdichte, wieder von 1 bis 10, weil die abgeleitet ist vom Qualitätsscore, wie wir vorhin kurz kennengelernt haben. Wenn du dann hier in ETFs reingehst, die hier dann irgendwie total spekulativ sind, siehst du, dass dann ja quasi nur fundamentaler fundamental nicht so erfolgversprechendes drin ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ja, also bist du also dann nämlich sehr spekulativ unterwegs. Was auch noch wichtig ist, ist die Verklumpung, die man auch sozusagen messen kann, die wir ja jetzt auch im MSCI World Kurs gezeigt haben als Beispiel, aber ebenfalls grafisch angezeigt. Und sogar die Bewertung kannst du dann machen, wenn ich jetzt noch mal ganz kurz in den MSCI World da das zeige, gehe ich noch mal in MSCI World rein. Kannst du sogar dafür noch mal Bewertung machen, kannst also gucken, welche Aktien sind da drin, alle analysieren, Gewichte dann hochaggregieren und kannst dann sagen, wie hoch das gewichtete KGV quasi ist. Und dann siehst du hier, auf welche Bereiche Gewinn machen sie, nicht ganz so krass, dass wir relativ teuer sind momentan. Du siehst auch, dass Analysten optimistisch sind, dass sich das schnell wieder abbaut. Natürlich in erster Linie, weil die übergewichtigen Unternehmen im MSCI World ihre Gewinne stark steigern sollen. Gibt also auch Anlass zur Hoffnung. Also nicht, dass man jetzt alle hier verkaufen müsste oder so. Auch wer jetzt im MSCI World investiert ist und der sagt, ich kann mit der Ungleichgewichtung leben, mit dem Klumpenrisiko und so, ja, ist natürlich dann auch okay. Aber wichtig ist erstmal, dass man halt weiß, wo die Chancen und Risiken sind. Und viele Leute wissen es halt nicht, die in so einen MSCI World investieren. Kannst du auch quasi den fairen Wert quasi ausrechnen etc. Sieht man auch, dass der momentan gerade etwas teuer ist. Gut, also lange Rede, kurzer Sinn: Investieren in Qualitätsaktien, unabhängig davon, ob ich jetzt in Einzelaktien investiere, unabhängig von meiner Anlagestrategie. Und dann sollte das Ganze hoffentlich langfristig renditebringend sein. Wir haben auch schon sehr viele Sachen, die kostenlos sind. Man kann sich auch kostenlos registrieren als Mitglied, kann dann auch noch mehr sehen und es bleibt auch noch kostenlos. Also kann sich jeder quasi so das Beste von der Plattform ziehen, was er halt möchte. Als Gast, kostenloses Mitglied oder auch als Premiummitglied.
Lukas: Also Torsten, danke, dass du uns jetzt mal alle mitgenommen hast in eurem Tool, das mal gezeigt hast. Mir ist klar geworden, das ist alles gar nicht so komplex. Zumindest in der Form, wie ihr es aufgedröselt habt. Was ich mir rausziehe, es geht um wenige wichtige Kennzahlen, als jetzt über die ganzen Kennzahlen irgendwie Bescheid zu wissen. Was wäre denn so das Wichtigste, wenn ich jetzt sage, hey, ich habe dir hier zugeschaut, ich habe ein Grundverständnis bekommen, wenn ich jetzt ins Handeln kommen will, wie kriege ich das hin privat zu Hause?
Torsten Tiedt: Bisschen Selbstmotivation. Und dann halt die richtige Anlaufstelle. Wie ich schon sagte, es gibt ja unterschiedliche Plattformen, die alle ihre Stärken, Schwächen bzw. bisschen ihren eigenen Fokus haben. Wenn man sich jetzt für den Aktienfinder entscheiden sollte, ich habe ja auch ein Buch geschrieben, wo es um die Fundamentalanalyse von Aktien und ETFs geht. ETFs, Fundamentalanalyse von ETFs ist übrigens Neuland. Also das, da sind wir schon ziemlich, ziemlich weit vorne, würde ich mal sagen. Da hat man nicht viel Auswahl. Kann sein, dass wir sogar so ziemlich die einzigen sind, die das überhaupt machen. Und dann einfach dabei bleiben, nicht alles auf einmal investieren in seinem Enthusiasmus. Man ist ja dann auch noch am Anfang der Lernkurve. Die Psychologie ist ja auch noch wichtig. Und je länger man an der Börse ist, umso mehr Erfahrungen man sammelt, umso psychologisch standfester wird man auch, wenn mal was nicht so läuft, beispielsweise weil es halt allgemein an der Börse gerade nach unten geht. Lässt sich im Investorendasein leider nicht vermeiden. Ja, aber wie schon eingangs erwähnt, das ist alles kein Hexenwerk.
Die eine Empfehlung: Erst das eigene Depot durchleuchten
Lukas: Wenn du nur eine Sache weitergeben könntest an jemand zu Hause, der uns zuschaut, der vielleicht auch schon investiert ist, die eine Sache, die jetzt hängen bleiben soll bei der Person, oder vielleicht einen konkreten Handlungsvorschlag. Was würdest du sagen, was liegt dir am meisten am Herzen?
Torsten Tiedt: Also was sehr zielführend ist und nützlich ist, ist erst mal den Status quo zu ermitteln, nachdem man die Erkenntnis hat, dass das Investieren in Qualitätsaktien Sinn macht und dass es auch letztendlich langfristig aufs langfristige Gewinnwachstum ankommt, man hat schon ein Depot, dann wäre es eine gute Idee, sein Depot mal zu durchleuchten nach eben diesem Qualitätsaspekt. Also im Aktienfinder würde das dann heißen, man macht zum Beispiel so einen kleinen Merkzettel mit seinen Aktien drinne und guckt mal an, was da bei den Kennzahlen quasi rauspurzelt, ob man in Qualitätsaktien investiert ist oder ob man doch eher in spekulative oder auf spekulative Aktien gesetzt hat. Und dann kann man noch gucken, ob man daraus eine Anlagestrategie erkennen kann, ja, z.B. anhand des Scores, ob man sagt, ja, oh ja, ich habe tendenziell jetzt eher Aktien drinne mit Dividendenertrag, z.B., da haben die eher einen hohen Score, oder ob das alles so wild gewürfelt ist, tendenziell eher mit niedrigen Risikos, was auch noch mal eher ein Indiz wäre, dass man sich vielleicht noch mal die Gedanken über die Zusammensetzung seines Depots macht.
Lukas: Wenn du zu Hause dem Torsten auch so gern zuhörst wie ich, Link findest du unten in der Beschreibung zum Aktienfinder. Torsten, ich danke dir für deine Zeit. Und für dich zu Hause, die nächste Reihe, die nächste Folge dieser Bildungsreihe, da geht es ums Thema Psychologie mit einem echten Experten. Nachdem wir jetzt wissen, wie macht man Asset Allocation, wie findet man Qualitätsaktien, geht's jetzt um die Psychologie, die du ja heute auch schon angeschnitten hast. Ich danke dir für deine Zeit und wir sehen uns auf dem nächsten Börsentag.
Torsten Tiedt: Hat Spaß gemacht, genau, bis bald in Düsseldorf.
Lukas: Bis bald, danke, ciao.

