Unabhängige Finanzberatung: Finanzmakler vs. Strukturvertrieb – Wer hilft dir wirklich?

Stell dir vor, du gehst in einen Adidas-Store und fragst den Verkäufer, welcher Laufschuh der beste auf der Welt ist. Was wird er sagen? Richtig: Ein Adidas-Schuh. Nicht, weil er dich anlügen will, sondern weil er dafür bezahlt wird.

Willkommen in der Realität der deutschen Finanzberatung.

In der aktuellen Folge von „Investier oder Verlier“ haben wir einen Gast, der genau dieses System aufbricht: Luca Touon, auf Instagram besser bekannt als der Finanzjedi. Luca ist kein typischer Anzugträger, der dir Bausparverträge andrehen will. Er ist ehemaliger Kickbox-Weltmeister, hat Rassismus und persönliche Krisen durchlebt und betreut heute über 250 Kunden als unabhängiger Makler.

Warum du das lesen solltest? Weil jeder fünfte Deutsche von Altersarmut bedroht ist – und die meisten von uns blind Verträgen vertrauen, die sie nicht verstehen. Luca packt aus: Über die Lügen der Branche, warum „unabhängig“ oft nur ein Marketing-Gag ist und wie du dein Geld so aufstellst, dass du am Ende nicht der Verlierer bist.

Finanzmakler, Mehrfachagent oder Versicherungsvertreter: Der Unterschied einfach erklärt

 

Hand aufs Herz: Kennst du den Unterschied zwischen einem Versicherungsmakler und einem Versicherungsvertreter? Wenn nicht, kostet dich dieses Unwissen wahrscheinlich gerade bares Geld. In Deutschland gibt es drei Lager, und es ist essenziell, dass du verstehst, wer in welchem Trikot spielt.

  1. Der gebundene Vertreter: Er arbeitet für eine Gesellschaft (z. B. Allianz, Sparkasse). Er muss dir deren Produkte verkaufen, egal ob sie gut sind oder nicht.
  2. Der Mehrfachagent (Strukturvertrieb): Er arbeitet mit mehreren Gesellschaften zusammen, ist aber vertraglich oft an bestimmte Partner gebunden (dazu gleich mehr).
  3. Der Finanzmakler: Er ist der „Anwalt des Kunden“. Er ist an keine Gesellschaft gebunden und hat Zugriff auf fast den gesamten Markt.

Haftung & Unabhängigkeit: Warum der Makler auf deiner Seite steht

 

Hier kommt der absolute Gamechanger, den dir in der Bankfiliale niemand verrät, weil er das Geschäftsmodell gefährdet. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im schicken Anzug oder dem kostenlosen Kaffee, sondern in der rechtlichen Haftung. Während Vertreter und Mehrfachagenten im Auftrag der Versicherungsgesellschaften handeln, wechselt der Makler die Spielseite:

  • Rechtliches Lager: Wenn ein Vertreter Mist baut, steht er rechtlich gesehen im Lager der Versicherung. Er vertritt deren Interessen, nicht primär deine.
  • Sachwalter des Kunden: Ein Finanzmakler steht rechtlich in deinem Lager. Er ist per Gesetz verpflichtet, das für dich beste Produkt zu finden.
  • Persönliche Haftung: Baut ein Makler Mist oder berät dich falsch, haftet er persönlich dafür. Das ist deine eingebauter Qualitäts-Garantie.

„Als Makler bin ich rein rechtlich auf deiner Seite. Gebe ich dir schwarz auf weiß eine Zusage und die Anlage passiert nicht so, kannst du mich vor Gericht schleifen. Das ist der Unterschied.“

Der „Reebok-Effekt“: Warum Markentreue dich blind macht

 

Luca erzählt im Podcast eine Story, die das Problem der Branche perfekt auf den Punkt bringt. Er nannte es seinen „Reebok-Moment“. Als er früher im Sportmarketing arbeitete, musste er Reebok tragen und predigen, dass Reebok das Beste sei. Wäre er zu Puma gewechselt, wäre plötzlich Puma das Beste gewesen.

Das Problem: Wie glaubwürdig bist du, wenn du heute sagst „Produkt A ist der Heilige Gral“ und morgen – nur weil du den Arbeitgeber wechselst – plötzlich „Produkt B“ in den Himmel lobst?

Genau das passiert in Strukturvertrieben und Banken täglich. Ein echter unabhängiger Finanzberater muss nicht das Lied einer Marke singen. Er vergleicht den Markt und pickt die Rosinen für dich raus.

Check24 Kritik: Warum Vergleichsportale nicht so objektiv sind

 

Du denkst jetzt vielleicht: „Okay, dann spare ich mir den Berater und geh einfach zu Check24, die sind ja neutral.“ Doch Vorsicht, auch hier trügt der Schein gewaltig. Vergleichsportale sind am Ende des Tages nichts anderes als riesige Online-Makler, die Geld verdienen wollen – und das beeinflusst, was du siehst:

  • Der Algorithmus: Oft werden die Tarife ganz oben angezeigt, die dem Portal die beste Provision bringen oder wo „Premium-Partner“ draufsteht.
  • Die Lücke: Manche Versicherer (wie z.B. oft die HUK oder regionale Anbieter) tauchen dort gar nicht auf, weil sie keine Provision an das Portal zahlen wollen.

Fazit: Check24 ist super für einen ersten Überblick bei Strom oder KFZ. Aber für deine Lebensplanung? Da brauchst du jemanden, der haftet, wenn es schiefgeht.

Geldanlage Strategie: Investieren statt Zocken

 

Viele junge Leute lassen sich von schnellem Reichtum blenden. Auf Instagram und TikTok wimmelt es von Trading-Coaches, die dir das Blaue vom Himmel versprechen. Luca hat dazu eine klare Meinung – und die wird einigen nicht schmecken.

 

Trading vs. Investieren: Warum „5% Rendite im Monat“ ein Märchen ist

 

Wenn dir jemand erzählt, er macht konstant 5% Rendite im Monat, sollten bei dir alle Alarmglocken schrillen. Das wären aufs Jahr hochgerechnet über 60% Rendite. Selbst Warren Buffett schafft das nicht dauerhaft.

  • Trading ist ein Business: Wer tradet, muss das als Vollzeit-Job sehen. Es kostet Zeit, Nerven und meistens Lehrgeld.
  • Die Statistik lügt nicht: 90% aller Trader verlieren Geld.
  • Opportunitätskosten: In der Zeit, die du vor Charts verbringst, könntest du dir ein echtes Business aufbauen oder deine Karriere pushen – was langfristig oft viel mehr einbringt.

Notgroschen & 3-Töpfe-Modell: So baust du dein Vermögen sicher auf

 

Statt zu zocken, empfiehlt der Finanzjedi eine simple, aber bombensichere Struktur. Teile dein Geld in drei zeitliche Töpfe ein:

  1. Kurzfristig (0–10 Jahre): Hier liegt dein Notgroschen. Ziel: 3 Nettogehälter oder 10.000–20.000 Euro. Das Geld muss sofort verfügbar sein (Tagesgeld), falls das Auto kaputt geht oder du spontan eine Immobilie kaufen willst (Kaufnebenkosten!).
  2. Mittelfristig (10–20 Jahre): Hier arbeiten ETFs, Aktienfonds oder der Start in Immobilien. Ziel: Vermögensaufbau und Flexibilität.
  3. Langfristig (Rente): Das ist dein Geld fürs Alter. Hier kommen steueroptimierte Lösungen wie Netto-Policen oder vermietete Immobilien ins Spiel.

Immobilien als Kapitalanlage: Strategien für Fortgeschrittene

 

„Kaufen oder Mieten?“ – an dieser Frage scheiden sich die Geister. Luca bringt eine spannende Perspektive rein, die über das übliche Stammtisch-Gerede hinausgeht.

 

Immobilien vs. Aktien (Gerd Kommer): Warum Betongold nicht immer glänzt

 

Selbst Immobilien-Fans müssen zugeben: Rein von der Rendite her schlägt der Aktienmarkt (z.B. MSCI World) die Immobilie fast immer. Historisch gesehen sind Immobilien oft kaum mehr als ein Inflationsausgleich.

Warum Luca trotzdem auf Immobilien setzt? Wegen des Hebels (Leverage-Effekt).
Du kannst eine 200.000 Euro Wohnung kaufen, obwohl du nur 20.000 Euro Eigenkapital hast. Die Bank gibt dir den Rest. Wenn die Immobilie im Wert steigt, steigt sie auf die vollen 200.000 Euro – deine Eigenkapitalrendite explodiert. Das geht mit Aktien nicht so einfach.

 

Tilgungsaussetzung: Der Pro-Tipp „Depot statt Tilgung“

 

Hier ein Strategie-Nugget für Fortgeschrittene, das Luca im Podcast droppt:
Statt deinen Kredit bei der Bank brav Monat für Monat zu tilgen, kannst du versuchen, eine Tilgungsaussetzung zu vereinbaren.

  • Wie es funktioniert: Du zahlst an die Bank nur die Zinsen. Den Tilgungsanteil (das Geld, mit dem du den Kredit abbezahlst) steckst du stattdessen in ein breit gestreutes ETF-Depot oder eine Police.
  • Der Vorteil: Da der Aktienmarkt langfristig oft mehr Rendite bringt als der Kreditzins kostet, machst du einen Gewinn (Zinsdifferenzgeschäft).
  • Die Sicherheit: Das Depot wird an die Bank verpfändet. Am Ende der Laufzeit löst du den Kredit mit dem Depot ab – und hast im Idealfall noch einen fetten Batzen Geld übrig.

Vorsicht vor Immotomy & Co.: Woran du unseriöse Immobilien-Vertriebe erkennst

 

Der Markt ist voll von Haien. Skandale wie S&K oder fragwürdige Praktiken bei modernen Vertriebsmodellen wie Immotomy zeigen: Blindes Vertrauen ist tödlich.

  • Red Flag: Wenn Immobilien mit Margen von 30, 40 oder 50% verkauft werden, zahlst du viel zu viel.
  • Red Flag: Wenn dir versprochen wird, dass sich die Immobilie „von alleine trägt“ und du „gar nichts tun musst“.
  • Tipp: Kaufe nie eine Immobilie, die du nicht gesehen hast oder deren Marktpreis du nicht unabhängig geprüft hast.

Sinnvolle Versicherungen: Diese 3 Policen sind Pflicht

Deutschland ist Weltmeister im Versichern. Wir versichern unsere Handys und Brillen, vergessen aber oft das Wichtigste. Laut Luca brauchst du eigentlich nur drei Dinge zwingend:

  1. Privathaftpflicht: Wenn du jemandem einen Schaden zufügst, haftest du mit deinem gesamten Vermögen – bis ans Lebensende. Diese Versicherung kostet fast nichts und rettet dir im Ernstfall den Arsch.
  2. Krankenversicherung: Ein No-Brainer. Aber: Vergleiche die Zusatzbeiträge! Hier kannst du oft hunderte Euro im Jahr sparen.
  3. Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Deine Arbeitskraft ist dein größtes Kapital. Wenn du mit 30 wegen Burnout oder Rücken nicht mehr arbeiten kannst, fällst du ohne BU ins Bodenlose. Der Staat hilft dir kaum.

Warnung: Lass dir keine unnötigen Kombi-Produkte andrehen. Eine „Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr“ ist meistens Quatsch – wie Luca sagt: „Eine BMW mit Geld-zurück-Garantie gibt es nicht.“ Trenne Versichern und Sparen!

Money Mindset: Warum Angst manchmal ein guter Ratgeber ist

 

Zum Schluss wurde es im Podcast fast philosophisch. Luca gibt zu, dass er im Vertrieb manchmal bewusst mit Angst arbeitet. Nicht, um zu manipulieren, sondern um wachzurütteln.

 

Future Pacing: Der Blick in eine Zukunft mit Altersarmut

 

Wir verdrängen gerne, wie unser Leben mit 70 aussieht. Aber wenn du heute nichts tust, ist das Bild düster: Flaschensammeln, jeden Cent umdrehen, Abhängigkeit von den Kindern.
Dieses Szenario (Future Pacing) jetzt einmal durchzuspielen, tut weh – aber es ist der Tritt in den Hintern, den viele von uns brauchen, um endlich den ETF-Sparplan einzurichten.

 

Fazit: Dein Geld, deine Verantwortung

 

Niemand kümmert sich so gut um dein Geld wie du selbst. Aber du musst es nicht alleine machen. Ein guter, unabhängiger Makler kann dein Sparringspartner sein.

Die Key-Takeaways der Folge:

 

  • Suche dir einen Makler, keinen Vertreter (Stichwort: Haftung!).
  • Baue dir einen Notgroschen auf, bevor du investierst.
  • Nutze Immobilien als Hebel, aber unterschätze nicht den Aktienmarkt.
  • Lass dich nicht von Trading-Versprechen blenden.

Du willst mehr von Luca? Check ihn auf Instagram unter @finanzjedi ab oder vernetze dich auf LinkedIn. Und vergiss nicht: Wer nicht investiert, verliert.

Häufige Fragen

Ein Finanzmakler ist rechtlich unabhängig und dem Kunden verpflichtet (er haftet für Falschberatung). Ein Vermögensberater (oft in Strukturvertrieben) ist meist an bestimmte Produktpartner gebunden und vertritt deren Interessen.

Die Faustregel lautet: 3 bis 6 Nettomonatsgehälter. Luca empfiehlt konkret zwischen 10.000 und 20.000 Euro, um auch für größere Anschaffungen (z.B. Immobilien-Kaufnebenkosten) liquide zu sein.

Ja, aber nicht wegen der reinen Rendite (die ist bei Aktien oft höher), sondern wegen des Fremdkapital-Hebels und steuerlicher Vorteile. Es ist jedoch kein passives Investment, sondern unternehmerisches Handeln.

Für 90% der Menschen: Nein. Trading ist ein harter Vollzeit-Job mit hohem Risiko. Langfristiges Investieren (Buy & Hold) schlägt Trading fast immer.

Disclaimer:

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.

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