Altersvorsorgedepot 2027: Warum gerade kleine Sparer die größte Förderung bekommen

Lukas Beißwenger und Christian Pellis, CEO Amundi Deutschland, zum Altersvorsorgedepot 2027: 540 Euro Zulage im Jahr

Veröffentlicht am 2. Oktober 2026 · Lesedauer: 9 Minuten

Wer 30 Euro im Monat zurücklegt, bekommt vom Staat 50 Prozent obendrauf. Wer 150 Euro zurücklegt, bekommt nur noch 30 Prozent. Genau über diese Rechnung haben wir mit Christian Pellis gesprochen, CEO von Amundi Deutschland, auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee. Er hat sich bei der Politik dafür eingesetzt, dass dieses Produkt überhaupt kommt, und er beantwortet auch die unbequeme Frage, was ein Fondsanbieter davon hat.

⭐ Das Wichtigste auf einen Blick

1. Das Altersvorsorgedepot 2027 ist beschlossene Sache und keine Ankündigung mehr. Anbieter dürfen es ab dem 1. Januar auf den Markt bringen.
2. Die Förderquote sinkt, je mehr du einzahlst. Kleine Sparbeträge werden prozentual am stärksten belohnt, große am schwächsten.
3. Zehn Euro im Monat genügen bereits, um überhaupt gefördert zu werden.
4. Anders als die Riester-Rente kommt das Depot ohne Beitragsgarantie. Mehr Renditechance, dafür trägst du die Kursschwankungen selbst.
5. Konto eröffnen, Fonds auswählen und Steuererklärung ausfüllen bleiben deine Aufgabe. Ohne diese drei Schritte fließt keine Förderung.
Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge, das ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden darf. Anders als bei der Riester-Rente fließt das Geld direkt in Aktien, ETFs, Fonds oder Anleihen, und es gibt keine Beitragsgarantie. Dafür gibt es staatliche Zulagen, einen Steuervorteil und eine steuerfreie Ansparphase.

Wer Christian Pellis ist und warum er sich für dieses Thema einsetzt

Der Niederländer, der Deutschland das Investieren beibringen will

Pellis führt seit Januar 2021 die Amundi Deutschland GmbH, den deutschen Arm des größten europäischen Vermögensverwalters. Gebürtig stammt er aus den Niederlanden, gearbeitet hat er unter anderem in Luxemburg. Dieser Blick von außen prägt das Gespräch, denn er misst Deutschland an Ländern, in denen Aktienvorsorge längst Alltag ist.

Auf die Frage, wie Deutschland international dasteht, antwortet er ohne Umschweife.

„Deutschland schläft, aber ist, glaube ich, aufgewacht.“
— Christian Pellis (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel 2026)
Name Christian Pellis
Rolle CEO, Amundi Deutschland GmbH (seit Januar 2021)
Unternehmen Amundi, in über 35 Ländern aktiv
Website amundi.de
Besonderheit Hat sich gemeinsam mit DAI und BVI bei der Politik für das Altersvorsorgedepot eingesetzt

Vor seiner CEO-Rolle verantwortete Pellis ab 2013 den Vertrieb über externe Partner bei Amundi. Davor saß er im Management von LGT Capital Management und arbeitete elf Jahre bei Threadneedle, zuletzt als Head of European Sales. Für das Altersvorsorgedepot hat er sich gemeinsam mit dem Deutschen Aktieninstitut, dem Fondsverband BVI und anderen Fondsgesellschaften bei Politikern eingesetzt. Als Speaker war er damit auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel vom 28. bis 30. April 2026 am Tegernsee.

Vom Tiefschlaf zum Gesetz: Was zwischen Lindner und heute passiert ist

Die Vorgängerregierung aus SPD, Grünen und FDP wollte bereits ein solches Depot. Durchgesetzt wurde es nicht mehr, kurz bevor Christian Lindner als Finanzminister ging. Pellis beschreibt den weiteren Weg nüchtern. Die heutige Regierung hat den Entwurf genommen, nachgebessert und umgesetzt.

Wichtig für die Einordnung: Unser Gespräch fand Ende April 2026 statt. Pellis sagte damals, die Regelung müsse noch „100 Prozent approved“ werden. Dieser Vorbehalt hat sich inzwischen erledigt. Der Bundestag beschloss die Reform am 27. März 2026, der Bundesrat zog am 8. Mai 2026 nach, seit Ende Mai 2026 ist sie in Kraft. Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus den FAQ des Bundesfinanzministeriums zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (Stand 05.05.2026).

Was Frankreich und die Niederlande längst anders machen

Pellis verweist auf zwei Nachbarn. In Frankreich sind die zweite und die dritte Säule verbunden, also die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitgeber und die private Vorsorge, die du selbst aufbaust. Der Betrieb zahlt einen Betrag ein, der Mitarbeiter kann aufstocken, und ein großer Teil davon bleibt steuerfrei.

In den Niederlanden hat nach seiner Schilderung nahezu jeder Erwerbstätige eine betriebliche Altersvorsorge. Damit ist fast die gesamte arbeitende Bevölkerung automatisch am Aktienmarkt beteiligt, ohne dass jemand aktiv eine Entscheidung treffen müsste. Genau dieser Automatismus fehlt in Deutschland bis heute.

Warum das drängt, fasst Pellis in einem Halbsatz zusammen. Die staatliche Altersvorsorge wird immer weniger. Wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, kalkuliert also mit einer Größe, die schrumpft. Das Altersvorsorgedepot 2027 soll die entstehende Lücke schließen helfen, abnehmen wird es sie dir nicht.

Was das Altersvorsorgedepot 2027 konkret auf dein Konto bringt

Drei Fördertöpfe greifen ineinander. Die Grundzulage ist beitragsproportional gestaffelt, du bekommst also Geld im Verhältnis zu dem, was du selbst einzahlst. Auf die ersten 360 Euro im Jahr gibt der Staat 50 Cent pro Euro, auf alles zwischen 361 und 1.800 Euro noch 25 Cent pro Euro. Mehr als 540 Euro Grundzulage sind nicht drin.

Dazu kommt die Kinderzulage von einem Euro je eingezahltem Euro, gedeckelt bei 300 Euro pro kindergeldberechtigtem Kind. Und wer vor dem 25. Geburtstag abschließt, kassiert einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus. Diesen Bonus erwähnt Pellis im Interview nicht. Wer noch keine 25 ist, sollte ihn aber kennen, denn er ist der stärkste Startvorteil im ganzen Paket.

Die Untergrenze liegt bei 120 Euro im Jahr, also zehn Euro im Monat. Wer weniger einzahlt, bekommt keine Zulage.

Der Kreis der Förderberechtigten ist dabei deutlich weiter gezogen als bei der klassischen Riester-Förderung. Anspruch haben laut BMF neben rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern und Beamten auch Landwirte, Künstler und Minijobber. Neu dabei sind Selbstständige, die Einkünfte nach § 15 oder § 18 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 EStG erzielen und eine Steuererklärung abgeben, sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Wer bisher nur über eine Rürup-Rente vorsorgen konnte, hat damit erstmals eine geförderte Alternative.

Die 6.840 Euro sind nicht das, wonach sie klingen

Pellis nennt im Interview die Summe von 6.840 Euro, die man „steuerfrei sparen“ könne. Diese Zahl stimmt, sie wird aber oft falsch verstanden, deshalb hier sauber getrennt.

6.840 Euro ist der Betrag, den du pro Jahr maximal in ein Altersvorsorgedepot einzahlen darfst. Gefördert und steuerlich absetzbar sind davon nur 1.800 Euro zuzüglich deiner Zulagen. Die restlichen 5.040 Euro laufen ungefördert mit.

Ihr Vorteil liegt woanders. In der Ansparphase, also der Zeit bis zur Auszahlung, fällt keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne und Dividenden an. Dein Kapital bleibt vollständig investiert und arbeitet weiter.

Pellis' Nebensatz „zweimal auf zwei verschiedene Konten“ wird an dieser Stelle verständlich. Du darfst zwei Verträge parallel führen, und damit verdoppelt sich das maximale Einzahlungsvolumen laut justETF auf 13.680 Euro im Jahr. Gefördert werden auch dann insgesamt nur 1.800 Euro.

Kassiert wird am Ende trotzdem. Die Auszahlung unterliegt der nachgelagerten Besteuerung, soweit sie auf geförderten Beiträgen beruht. Du versteuerst sie also erst im Ruhestand, meist zu einem niedrigeren persönlichen Steuersatz.

Auch der ungeförderte Teil ist nicht dauerhaft steuerfrei, Leistungen daraus werden laut BMF in der Regel mit dem Ertragsanteil besteuert. Ob sich Einzahlungen über 1.800 Euro lohnen, hängt deshalb von deinem späteren Steuersatz ab.

Auszahlen lassen kannst du dir das Geld entweder als lebenslange Leibrente oder über einen befristeten Auszahlplan, der mindestens bis zu deinem 85. Geburtstag läuft. Bis zu 30 Prozent darfst du dir auf einen Schlag auszahlen lassen.

„Nicht nur für die Reichen“: Die Rechnung, die das belegt

Lukas erzählte im Gespräch von einem Freund, der abgewunken hatte, weil da ja wieder nur etwas für die Reichen gemacht worden sei. Pellis widerspricht deutlich.

„Also es ist ja nicht nur für die Reichen gedacht.“
— Christian Pellis (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel 2026)

Pellis begründet das damit, dass auch unterhalb der 1.800 Euro noch ein großer Teil der Förderung fließt. Rechnet man die Staffelung des Bundesfinanzministeriums aus, zeigt sich etwas Stärkeres: Die Förderquote ist umso höher, je weniger du einzahlst.

Eigenbeitrag/Jahr pro Monat Grundzulage Förderquote
120 € 10 € 60 € 50 %
360 € 30 € 180 € 50 %
600 € 50 € 240 € 40 %
1.200 € 100 € 390 € 32,5 %
1.800 € 150 € 540 € 30 %

Eigene Berechnung nach der Zulagenstaffel des BMF, ohne Kinderzulage und Berufseinsteigerbonus.

Wer 30 Euro im Monat aufbringt, bekommt auf jeden eigenen Euro 50 Cent vom Staat. Wer das Fünffache einzahlt, bekommt anteilig nur noch 30 Cent. Das Altersvorsorgedepot 2027 belohnt also ausgerechnet die kleinen Beträge am stärksten.

Ein Rechenbeispiel, damit die Größenordnung greifbar wird

Nimm 50 Euro im Monat, also 600 Euro im Jahr. Dazu kommen 240 Euro Grundzulage, macht 840 Euro, die tatsächlich für dich investiert werden. Bei einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr stehen daraus nach 30 Jahren rund 70.300 Euro. Ohne Zulage wären es bei gleicher Eigenleistung nur etwa 50.200 Euro.

Aus eigener Tasche gezahlt hast du in beiden Fällen 18.000 Euro. Die sechs Prozent sind eine Annahme vor Kosten und Steuern und keine Zusage, Kapitalmärkte schwanken und liefern keine garantierte Rendite. Vereinfachend ist die Zulage auf die Monate verteilt. Der Abstand von rund 20.000 Euro zeigt aber, was die Zulage über lange Zeiträume bewirkt.

Der Haken am Altersvorsorgedepot 2027: Es kommt nicht von allein

Hier wird es unbequem. Pellis macht klar, dass dir niemand die Arbeit abnimmt. Du musst das Konto selbst eröffnen, du musst entscheiden, welche Fonds oder ETFs hineinkommen, und du musst den Steuervorteil über deine Steuererklärung selbst zurückholen. Ein ETF ist dabei ein Fonds, der einen ganzen Index nachbildet, etwa den MSCI World mit rund 1.300 Aktien aus 23 Industrieländern.

Wer diese drei Schritte nicht geht, lässt die Förderung liegen. Wie eine Depoteröffnung praktisch abläuft, haben wir in unserer Anleitung zum Depot eröffnen für Einsteiger Schritt für Schritt aufgeschrieben.

Abgrenzung: Altersvorsorgedepot, Standarddepot und Riester-Vertrag

Neben dem geförderten Altersvorsorgedepot sieht die Reform ein Standarddepot vor, also eine schlanke Basisvariante mit vorgegebener, kostengünstiger Anlage für alle, die keine eigene Fondsauswahl treffen wollen. Und dann ist da noch dein alter Riester-Vertrag, falls du einen hast.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Garantie. Klassische Riester-Verträge mussten dir zum Rentenbeginn mindestens deine eingezahlten Beiträge und Zulagen garantieren. Diese Kapitalgarantie zwang die Anbieter in sichere, aber renditeschwache Anlagen. Beim neuen Depot fällt sie weg.

Wer Sicherheit will, kann nach der Reform weiterhin geförderte Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie wählen.

Zu Riester hält sich Pellis bewusst zurück. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt für ihn vom Alter ab, vom konkreten Produkt und davon, welche Nachteile eine Kündigung mit sich bringt. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

„Da sollte man nicht selbst rangehen, wenn man nicht viel Ahnung hat. Bitte sprecht mit dem Berater, es gibt viele davon.“
— Christian Pellis (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel 2026)

Bestehende Riester-Verträge genießen laut BMF Bestandsschutz, ein Wechsel ist ohne Rückzahlung der Förderung möglich, und daneben darfst du bis zu zwei neue Verträge führen. Eine unabhängige Einordnung zu bestehenden Verträgen liefert der Ratgeber zum Altersvorsorgedepot bei Finanztip.

Ein großes Hindernis bleibt für Pellis die Komplexität. Die betriebliche Altersvorsorge existiert längst, ist aber zu kompliziert, und auch beim neuen Depot hat Deutschland aus seiner Sicht wieder die komplexere Variante gewählt.

„Es kann noch einfacher, und einfacher wird nur dazu bringen, dass mehr Menschen es verstehen und mehr Menschen es schneller annehmen werden.“
— Christian Pellis (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel 2026)

Warum ausgerechnet ein Fondsanbieter dafür wirbt

Diese Frage muss man stellen, und Lukas hat sie im Interview direkt gestellt. Amundi verdient mit, wenn mehr Menschen investieren. Ist Pellis dann der richtige Mann, um das Thema zu treiben?

Pellis weicht nicht aus. Ja, es gibt Eigeninteresse, Amundi hat genau die günstigen Produkte, die jetzt gebraucht werden: ETFs und monatliche Sparpläne. Gleichzeitig verweist er auf die Erfahrung aus über 35 Ländern, in denen Amundi aktiv ist, und auf eine hauseigene Studie aus dem Vorjahr. Danach legen 37 Prozent derjenigen, die ganz ohne Förderung und ohne Steuervorteile investieren, ihr Geld bereits für die Altersvorsorge an.

Was du daraus machst, bleibt dir überlassen. Die Zahlen zur Förderung stammen nicht von Amundi, sondern vom Gesetzgeber, und die kannst du beim Bundesfinanzministerium selbst nachlesen. Die Empfehlung, ausgerechnet bei einem bestimmten Anbieter abzuschließen, folgt daraus nicht.

Fazit: Warten ist die teuerste Variante

Auf die Frage, ob ein 25-Jähriger jetzt lieber bis 2027 wartet, antwortet Pellis mit vier Wörtern.

„Nie warten, immer anfangen.“
— Christian Pellis (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel 2026)

Die Börse kann übermorgen einbrechen, das räumt Pellis ein. Über einen Anlagezeitraum von 30 Jahren mit einer festen monatlichen Summe verringert sich dieses Risiko aber, und genau deshalb lohnt sich der frühe Start.

Drei Dinge nimmst du aus diesem Gespräch mit. Das Altersvorsorgedepot 2027 ist beschlossen und startet am 1. Januar, es fördert kleine Beträge prozentual am stärksten, und es verlangt dir Eigeninitiative ab, weil Konto, Fondsauswahl und Steuererklärung deine Aufgabe bleiben.

Wer heute schon spart, hört deswegen nicht auf und wartet auch nicht. Wer noch nicht angefangen hat, hat jetzt einen sehr konkreten Anlass. Wie ein solcher Vermögensaufbau über Jahrzehnte aussehen kann, zeigt unser Gespräch über Altersvorsorge mit ETFs.

Die beruhigende Nachricht zum Schluss ist, dass du dafür nicht reich sein musst. Nach der Zulagenstaffel des Gesetzgebers reichen zehn Euro im Monat, um überhaupt gefördert zu werden.


Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.

Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.

Transparenz: Christian Pellis ist CEO von Amundi Deutschland und damit Vertreter eines Anbieters, der von einer stärkeren Verbreitung von Fonds- und ETF-Sparplänen wirtschaftlich profitiert. Er legt dieses Eigeninteresse im Interview selbst offen. Für Amundi besteht keine Werbe- oder Provisionsbeziehung zu Investier oder Verlier. Einen anbieterneutralen Überblick zum Thema bietet der Ratgeber von Finanztip.

Über die Autoren

Laura Podleska, Co-Founderin und Co-Host von Investier oder Verlier

Laura Podleska

Co-Founderin und Co-Host, verantwortet Website und Social Media

Laura hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und verantwortet die Website und die Social-Media-Kanäle der Marke. Beruflich arbeitet sie als Online-Marketing-Managerin.

Lukas Beißwenger, Co-Founder und Co-Host von Investier oder Verlier

Lukas Beißwenger

Co-Founder und Co-Host, führt die Experten-Interviews

Lukas hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und führt die Interviews mit Fachleuten aus der Finanzbranche, unter anderem live auf den Börsen- und Anlegertagen. Er verantwortet Aufnahme und Produktion der Folgen.

Gemeinsam veröffentlichen die beiden seit Juni 2025 über 90 Podcast-Folgen. Ihre Mission: Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären.

Häufige Fragen

Kann ich schon vor 2027 ein Altersvorsorgedepot eröffnen?+

Nein. Anbieter dürfen diese Produkte erst ab dem 1. Januar 2027 anbieten, vorher gibt es sie schlicht nicht zu kaufen. Ein gewöhnliches Wertpapierdepot kannst du dagegen jederzeit eröffnen und bespielen, es ist nur eben nicht staatlich gefördert.

Wie viel Förderung bekomme ich beim Altersvorsorgedepot?+

Bei voller Ausschöpfung sind 540 Euro Grundzulage im Jahr möglich. Familien kommen auf bis zu 300 Euro je kindergeldberechtigtem Kind, junge Leute zusätzlich auf einen einmaligen Bonus von 200 Euro. Wie sich die Grundzulage staffelt, zeigt die Tabelle weiter oben im Artikel.

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot auch für Geringverdiener?+

Prozentual sogar besonders, weil die unterste Beitragsstufe am stärksten bezuschusst wird. Wer nur einen kleinen Betrag aufbringt, holt damit auf jeden eigenen Euro mehr heraus als jemand, der den Höchstbetrag ausreizt. Schon 120 Euro im Jahr reichen für einen Anspruch.

Was genau ist beim Altersvorsorgedepot steuerfrei?+

Nicht das Geld, das du einzahlst, sondern das, was dein Depot erwirtschaftet. Solange du ansparst, kassiert der Fiskus weder auf Kursgewinne noch auf Dividenden Abgeltungsteuer. Fällig wird die Steuer erst, wenn du dir im Ruhestand etwas auszahlen lässt.

Soll ich meinen Riester-Vertrag kündigen und wechseln?+

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Entscheidend sind dein Alter, die Konditionen deines konkreten Vertrags und die Frage, was dich eine Kündigung kostet. Christian Pellis rät in solchen Fällen ausdrücklich zu professioneller Beratung statt zum Alleingang.

Transkript der Folge

„Deutschland schläft, aber ist, glaube ich, aufgewacht."
Christian Pellis
„Also es ist ja nicht nur für die Reichen gedacht."
Christian Pellis
„Nie warten, immer anfangen."
Christian Pellis
Vollständiges Transkript anzeigen

Interview vom Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 am Tegernsee. Lukas Beißwenger im Gespräch mit Christian Pellis, CEO von Amundi Deutschland. Das Transkript gibt das Gespräch in gesprochener Sprache wieder, einzelne Versprecher und Halbsätze sind so erhalten.

Anriss zu Beginn der Folge

Anriss: Worum es in dieser Folge geht

Christian Pellis: Deutschland schläft, aber ist, glaube ich, aufgewacht. Also Ende März haben wir im Bundestag gehört, dass sie beschlossen haben, dass sie ein Altersvorsorgedepot bekommen werden ab dem 1.1.2027. Also ich glaube, aus diesem Tiefschlaf sind wir so langsam rausgekommen jetzt. Mit der BVI, mit anderen Asset Managern, mit unseren Banken, unseren Kunden haben wir versucht, den Politikern zu erklären, warum es wichtig ist, dass die Menschen für sich selber in Aktien oder Aktienfonds oder ETFs investieren. Und die heutige Regierung hat es dann genommen, verbessert noch mal und das jetzt umgesetzt. Und das schafft eigentlich große Hoffnung für uns. Also betriebliche Altersvorsorge soll sicher kommen, aber es ist en masse. 37% der Menschen, die ohne Förderungen, ohne steuerliche Vorteile investieren, machen das für ihre Altersvorsorge. Und das sollte eigentlich noch viel mehr sein, weil diese staatliche Altersvorsorge, die wird immer weniger.

Lukas: Was bedeutet das, dass jetzt das Altersvorsorgedepot kommt? Sollte ich jetzt noch gar nicht anfangen zu investieren? Muss ich jetzt warten? Warum ist das gerade für Leute, die weniger verdienen, jetzt so interessant, diese Förderung mitzunehmen? Was das Thema Altersvorsorge angeht, schläft Deutschland auch im internationalen Vergleich. Warum das so ist und wie wir diesen Weg in die richtige Richtung bringen können, Darüber sprechen wir heute mit Chris Pilis. Chris, du bist CEO von Amundi Deutschland. Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast für uns.

Christian Pellis: Ja, gerne, Lukas.

Deutschland im internationalen Vergleich

Lukas: Wenn du auf Deutschland schaust als gebürtiger Niederländer, der auch schon in Belgien oder Luxemburg gearbeitet hat.

Christian Pellis: Luxemburg.

Lukas: Luxemburg. Wie steht Deutschland denn da im internationalen Vergleich?

Christian Pellis: Was betrifft Deutschland, schläft, aber ist, glaube ich, aufgewacht. Also Ende März haben wir im Bundestag gehört, dass sie beschlossen haben, dass sie ein Altersvorsorgedepot bekommen werden ab dem 1.1.2027. Also ich glaube, auch dieser Tiefschlaf sind wir so langsam rausgekommen jetzt.

Der Weg zum Altersvorsorgedepot

Lukas: Du warst maßgeblich daran beteiligt, dieses Thema mit nach vorne zu bringen. Wie war der Weg für dich?

Christian Pellis: Maßgeblich ist ganz nett natürlich, aber ich habe mein Bestes gegeben natürlich. Mit dem Deutschen Aktieninstitut, mit der BVI, mit anderen Asset Managern, mit unserer Bank, unseren Kunden haben wir versucht, den Politikern zu erklären, warum es wichtig ist, dass die Menschen für sich selber in Aktien oder Aktienfonds oder ETFs investieren.

Lukas: Wie hat die Politik darauf reagiert? War die direkt offen, hat gesagt, hey Chris, cool, dass du kommst, toll, oder Oder war da erstmal ein bisschen Arbeit auch notwendig, aufzuzeigen, warum?

Christian Pellis: Wir hatten natürlich eine vorherige Regierung, FDP-SPD-Kombination, die wollte was machen und es ist leider dann nicht durchgesetzt worden von Herrn Lindner, kurz bevor er dann den Hut genommen hat. Und die heutige Regierung hat es dann genommen, verbessert nochmal und das jetzt umgesetzt. Und das schafft eigentlich große Hoffnung für uns.

Was ihm auf dem Gipfel auffällt

Lukas: Du bist ja auch hier auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel als Speaker gewesen. Auch mit dem Thema Altersvorsorgedepot. Was sind da so, was hast du an Stimmen bekommen von den Zuschauern? Da sind bestimmt auch Leute auf dich zugekommen im Nachgang. Welche Themen beschäftigen die Menschen hier?

Christian Pellis: Also was mir immer auffällt, ist, dass viele Menschen sagen, das ist gut, wir wollen das. Aber auch, dass viele Menschen sagen, ach, ich habe davon gehört, ich weiß nicht ganz genau, was das bedeutet. Und das hat nichts mit Bildung zu tun. Es sind auch Leute aus der Finanzindustrie einfach. Also es sind verschiedene Menschen, die trotzdem nicht unbedingt verstehen, was jetzt kommt am 1.1.2027 und was es auch bedeutet auf Dauer.

Was das Depot konkret bringt

Lukas: Was bedeutet es denn konkret? Was bedeutet das Altersvorsorgedepot für jemand, der uns zuhört, zuschaut, aber gar nicht weiß, was ist das eigentlich?

Christian Pellis: Also man kann eine bestimmte Summe steuerfrei investieren. Das ist momentan, soll noch 100% approved werden, aber 6.840€ steuerfrei sparen. Anleger, zweimal auf zwei verschiedene Konten. Wenn man 1.800 €, das ist die Maximalsumme, investiert hat, dann kann man noch die Förderung bekommen, also 540 € und pro Kind noch mal 300 €. Das heißt, bei 1.800 € Selbsteinlage bekommt man 540 € Förderung plus pro Kind noch mal 300 € und man hat einen Teil, also bis zu 6.840 €, die ich steuerfrei anlegen kann. Allerdings, man muss selbst das Konto eröffnen, man muss die Wahl treffen, welche Fonds will ich drin haben, und man muss natürlich letztendlich bei der Steuererklärung diesen Steuervorteil, den man da hat, wieder zurückfordern und zwar Steuererklärung ausfüllen.

Lukas: Jetzt habe ich letztens einem Freund erzählt, hey, fang doch mal an mit dem Investieren, 2027 die große Chance. Dann sagt er, ja, da wurde jetzt nur für die Reichen wieder was verändert. Und dann sage ich, na genau, das Gegenteil ist ja der Fall. Warum ist das gerade für Leute, die weniger verdienen, jetzt so interessant, diese Förderung mitzunehmen?

Christian Pellis: Weil wenn man weniger wie diese 1.800 € pro Jahr investieren kann, aber etwas weniger investiert, dann kriegt man etwas weniger Förderung, aber man kriegt trotzdem noch einen großen Teil der Förderung. Das heißt, auch wenn man nicht 150 € pro Monat investieren kann, gibt es trotzdem noch Förderungen und steuerliche Vorteile von der Stadt. Also es ist ja nicht nur für die Reichen gedacht.

Beispiele aus anderen Ländern

Lukas: In anderen Ländern gibt es so was in der Art ja auch schon. Gibt es da positive Beispiele die letzten Jahre, Jahrzehnte? Wie lief das?

Christian Pellis: Zu viele Beispiele natürlich, aber nehmen wir mal ein Beispiel in Frankreich. Da ist die zweite Säule und die dritte Säule miteinander verbunden. Also die zweite Säule ist die betriebliche Altersvorsorge, die dritte ist die private Altersvorsorge. Die ist da zusammengelegt. Das heißt, die Firma gibt dem Mitarbeiter eine bestimmte Summe, die man anlegen kann, und man kann selbst noch was dazu sparen, wenn man will. Und das ist dann für einen großen Teil steuerfrei. In Holland hat man betriebliche Altersvorsorge. Jeder Erwerbstätige hat, oder fast jeder Erwerbstätige, nicht alle, fast jeder hat eine betriebliche Altersvorsorge in Holland und damit natürlich automatisch Partizipiertheit an den Aktienmärkten.

Betriebliche Altersvorsorge und Riester

Lukas: Ich habe im Vorfeld ein bisschen recherchiert und dann von dir rausgefunden, ein Zitat so sinngemäß: Hey, das Altersvorsorgedepot ist jetzt erst der Start, danach sollte noch mehr passieren. Ja, das ist noch nicht die finale Lösung hier irgendwie. Um das Thema Altersvorsorge in Deutschland auf das Level zu bringen, wo es hinkommen soll. Was schwebt dir da im Kopf? Auch so berufliche Altersvorsorge zum Beispiel?

Christian Pellis: Betriebliche Altersvorsorge soll sicher kommen, aber es ist ein Muss. Also die ist schon da, aber die ist zu komplex, die muss einfacher werden, an der einen Seite. Dann könnte man sich überlegen, ob man die zusammenlegt mit der privaten Altersvorsorge, weil mit dem deutschen Bundesbürger, der hier verarbeitet sieht, wie viel Altersvorsorge er selbst angespart hat. Und man könnte es natürlich noch einfacher machen. Ja, wir haben es natürlich, das machen wir immer bei uns in Deutschland, das Komplexere gemacht. Es kann noch einfacher, und einfacher wird nur dazu bringen, dass mehr Menschen es verstehen und mehr Menschen es schneller annehmen werden.

Lukas: Einfachheit ist wichtig. Das Thema Komplexität von so Produkten wie einer Riester-Rente ist in meinen Augen auch ein Problem einfach für den Nutzer. Oder ja, für den Investor. Solche Produkte sollen ja vielleicht geändert werden, da kann man anpassen lassen. Wie stehst du gegenüber solchen Produkten, Riester-Produkten zum Beispiel?

Christian Pellis: Ja, das ist ganz individuell. Also kann ich keine Aussage treffen, was Leute mit einer alten Riester-Rente machen müssen. Ich glaube, es hängt vom Alter ab, es hängt von dem Produkt ab, was man gekauft hat, welche Nachteile es gibt, wenn man das jetzt aufhört. Aber da sollte man unbedingt mit einem Berater sprechen. Da sollte man nicht selbst rangehen, wenn man nicht viel Ahnung hat. Bitte sprecht mit dem Berater, es gibt viele davon. Können auch sehr professionelle Auskünfte erteilen. Das kann ja freie Finanzmärkte sein, das kann ja auch bei einer Bank sein.

Der Interessenkonflikt eines Fondsanbieters

Lukas: Ja, wir sind uns ja einig, dass das Thema wichtig ist. So ein gewisser Interessenskonflikt ist ja aber schon da, ne? Amundi, ihr profitiert ja natürlich auch davon, wenn mehr Leute ins Investieren kommen. Bist du dann der richtige Mann, der das Thema nach vorne treibt, oder ist es so viel Eigeninteresse von dir? Muss ich an der Stelle einfach mal fragen.

Christian Pellis: Natürlich ist Eigeninteresse da, weil wir haben die Produkte, die man gerade braucht, weil man braucht etwas preiswertere Produkte, die haben die mit den ETFs, wir bieten das an, dass man monatlich sparen kann und so weiter. Also ja klar, da ist auch Eigeninteresse da, darum machen wir das auch, aber wir haben auch gesehen, in allen Ländern, wo Amundi aktiv ist, das sind über 35 Länder, überall gibt es verschiedene Modelle, aber die meisten Menschen und auch in Deutschland sparen die Menschen für ihre Altersvorsorge und das ist letztendlich das erste Ziel. Wir haben ein Digitalstudium gemacht letztes Jahr, 37% der Menschen, die ohne Förderungen, ohne steuerliche Vorteile investieren, machen das für ihre Altersvorsorge. Und das sollte eigentlich noch viel mehr sein, weil diese staatliche Altersvorsorge, die wird immer weniger.

Warten oder anfangen?

Lukas: Ja, die Menschen werden immer älter, es kommen aber weniger Junge nach, es kommt KI, also viel passiert irgendwie am Markt. Was bedeutet denn jetzt das für mich als 25-Jähriger, der jetzt an den Kapitalmarkt ran will, der für seine Altersvorsorge starten möchte? Was bedeutet das, dass jetzt das Altersvorsorgedepot kommt? Sollte ich jetzt noch gar nicht anfangen zu investieren? Muss ich jetzt warten? Was würdest du sagen?

Christian Pellis: Nie warten, immer anfangen. Natürlich könnte es sein, wenn man morgen anfängt, dass übermorgen die Börse abstürzt. Aber ich habe heute auch mal ein Slide gezeigt, wo man über 30 Jahre in die MSCI World investiert, monatlich eine feste Summe. Das Risiko verringert sich über den Zeitraum. Darum muss man das 25-jährige früh anfangen, damit man dann auf Dauer diese Vorteile mitnimmt.

Sein Tipp für den Einstieg

Lukas: Ich glaube, es gibt keinen 15-Jahres-Zeitraum, wo der MSCI World negativ ist. Also vielleicht von dir ein Tipp an unsere Zuschauer zu Hause: Mit welchem Thema muss man sich als Erstes beschäftigen, wenn man ein Gespür bekommen will? Was ist eine gute Quelle? Wo kann ich mir die Infos holen, um fundiert Entscheidungen zu treffen, um ins Investieren, ins Handeln zu kommen?

Christian Pellis: Ja, es gibt vieles natürlich. Man kann am besten über Internet, Influencer, sie reden darüber, andere Leute reden darüber, das ist natürlich eine Informationsquelle. Es gibt bei uns direkt auf unserer Webseite ganz viele Informationen über die Produkte, die wir führen, warum wir das machen, wie wir das machen, und ich glaube, man soll sich da reinlesen über einen bestimmten Zeitraum. Und wenn man zweifelt, dann sollte man professionelle Hilfe holen. Das geht, wie gesagt vorhin, bei Bankberatern oder bei unabhängigen Finanzberatern.

Lukas: Das war Christian Pellis. Wenn euch Amundi interessiert, findet ihr natürlich den ersten Link in der Beschreibung. Christian, vielen Dank für deine Zeit. Bis zum nächsten Mal.

Christian Pellis: Dankeschön.

Andere Beiträge