Veröffentlicht am 21. September 2026 · Lesedauer: 7 Minuten
Was ist mit Arbeitsmoral gemeint?
Mit Arbeitsmoral ist die Leistungsbereitschaft und Arbeitseinstellung einer Gruppe gemeint. Bei der Generation Z, je nach Definition die Jahrgänge 1996 oder 1997 bis 2012, gilt sie als niedrig. Die Daten sagen etwas anderes. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen 2023 bei 75,9 Prozent, dem höchsten Stand seit Mitte der 1990er-Jahre.
„Die faulste Generation, die es je gab." Diesen Satz hört Anastasia Barner ständig, und sie hat aufgehört, ihn persönlich zu nehmen. Genau darüber haben wir mit Anastasia Barner, Business Content Creatorin und Gründerin der Reverse-Mentoring-Plattform FeMentor, auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel gesprochen. Ihre Antwort auf das Klischee hat wenig mit Gefühl und viel mit Zahlen zu tun, und am Ende landet sie beim Geld.
⭐ Das Wichtigste auf einen Blick
1. Die Generation Z Arbeitsmoral ist höher, als das Klischee behauptet. Die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen ist laut IAB so hoch wie seit Mitte der 1990er-Jahre nicht.
2. Anastasia Barner nennt drei Gründe für das Vorurteil. Die Gen Z ist klein, muss rechnerisch den Job für zwei Personen machen und stellt Forderungen, die ihre Eltern nicht kannten.
3. Faule gibt es in jeder Generation, sagt Barner. Heute heißen sie „Low Performer".
4. Die Forderung nach mehr Geld ist laut Barner Rechnung, nicht Ego. Wenig Rente, längeres Arbeiten, eine Lebenserwartung von 80 bis 90 Jahren und die Inflation.
5. Beim Investieren rät Barner, mit einem einzigen Thema zu starten, etwa Festgeld oder ETFs, und erst danach das Portfolio zu erweitern.
Wer ist Anastasia Barner?
Anastasia Barner ist Keynote-Speakerin, Business Content Creatorin und Autorin aus Berlin. Mit 14 Jahren begann sie als Jugendjournalistin, aus der Generation über die Generation zu schreiben, für verschiedene Medienhäuser, wie sie im Interview erzählt. Mit 15 bekam sie einen Preis vom Spiegel als eine der fünf besten Jugendmacherinnen Deutschlands.
2019 gründete sie mit 20 Jahren FeMentor, nach eigenen Angaben die erste Reverse-Mentoring-Plattform in Europa. Reverse Mentoring heißt, dass junge Menschen erfahrene Führungskräfte beraten, nicht umgekehrt. 2023 erschien ihr Buch „(Ge)Gründet! Start-up-Szene uncovered" im Haufe Verlag, 2025 zählte die Financial Times sie zu den „Women of the Future – Rising Stars".
| Anastasia Barner | |
|---|---|
| Rolle | Keynote-Speakerin, Business Content Creatorin, Autorin |
| Gründung | FeMentor (2019), Reverse-Mentoring-Plattform |
| Hintergrund | Jugendjournalistin ab 14, Spiegel-Preis mit 15 |
| Themen | Generation Z, New Work, Social Media, Talentgewinnung |
| Auftritte | TEDx, über 300 Bühnen, u. a. Ludwig-Erhard-Gipfel, re:publica |
| Kanal | LinkedIn, Instagram (bewusst kein TikTok) |
Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel, dem Treffen von Wirtschaft und Politik am Tegernsee, das gern als „deutsches Davos" bezeichnet wird, stand sie in diesem Jahr auf der Bühne. Seit 2022 stand das auf ihrer Bucketlist. Ihr Argument für die Einladung ist schlicht. In solchen Räumen fehlen junge Menschen, und über die Gen Z wird viel geredet, aber selten mit ihr.
Ist die Generation Z wirklich faul?
Nein, jedenfalls nicht, wenn man die Erwerbsquote als Maßstab nimmt. Die Erwerbsquote ist der Anteil einer Altersgruppe, der arbeitet oder Arbeit sucht. Laut IAB-Presseinfo vom 17. Februar 2025 stieg sie bei den 20- bis 24-Jährigen von 2015 bis 2023 um 6,2 Prozentpunkte auf 75,9 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Mitte der 1990er-Jahre.
Den größten Anteil daran haben Studierende mit Nebenjob. Ihre Erwerbsquote kletterte im selben Zeitraum um 19,3 Prozentpunkte auf 56 Prozent. Bei den Nicht-Studierenden liegt sie bei 85,9 Prozent. IAB-Forscher Enzo Weber bringt es in der Presseinfo auf den Satz, die jungen Leute seien „fleißig wie lange nicht mehr". Jobwechsel sind laut IAB nicht häufiger als bei früheren Generationen, und die Arbeitszeitwünsche unterscheiden sich kaum.
Was Barner an diesen Zahlen wichtig ist
Barner verweist im Gespräch auf genau diese Studienlage und ergänzt einen Punkt, der in der Debatte meist fehlt. Viele ihrer Generation haben das Abitur nach 12 statt 13 Jahren gemacht und das Studium entsprechend früher beendet.
„Und tatsächlich kann man sich Studien anschauen, dass die Generation Z, vor allem die Zielgruppe zwischen 20- und 24-Jährigen, mehr arbeiten als die Generation vor ihnen, weil wir auch viel länger oder viel früher in den Arbeitsmarkt eintreten."
— Anastasia Barner (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)
Warum gilt die Gen Z trotzdem als Low Performer?
Weil sie klein ist und laut spricht. Die Generation Z ist laut Barner eine sehr kleine Generation. Sie rechnet vor, dass ihre Generation „rein theoretisch, rechnerisch den Job für zwei Personen machen" muss. Daraus entsteht eine Erwartungshaltung der Arbeitgeber, auf die die Gen Z mit eigenen Forderungen antwortet.
Diese Forderungen haben einen Ursprung. Barner beschreibt, dass ihre Generation gesehen hat, wie die Eltern gearbeitet haben, „und wir das nicht für uns wollen". Dazu kommt die Unsicherheit in Zeiten von KI und eine Schulzeit, die für viele in der Corona-Zeit im Bett zu Hause stattfand. Wer so sozialisiert ist, kommuniziert anders und tritt selbstbewusster auf. In der Arbeitswelt wird das schnell als Wunsch nach Work-Life-Balance gelesen, also mehr Freizeit und weniger Job, und für manche Personalabteilung wirkt das Auftreten wie mangelnde Arbeitsmoral.
Faule gab es in jeder Generation
Den Begriff „Low Performer", also Beschäftigte, die dauerhaft unter der erwarteten Leistung bleiben, hält Barner für ein Etikett, das jede Generation nur anders nennt. Sie winkt ab, dass es sich um ein Gen-Z-Phänomen handelt.
„Und das Lustige ist, es gab in jeder Generation Faule, und ich glaube, bei uns heißt es einfach anders."
— Anastasia Barner (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)
Ihr Fazit zum Klischee ist kürzer als jede Studie. „Ich würde nicht sagen, dass wir faul sind. Ich würde sagen, wir sind effizient." Wer KI für Aufgaben nutzt, bei denen sie Sinn ergibt, arbeitet für Barner nicht weniger, sondern klüger.
Was macht die Generation Z aus?
Die Generation Z umfasst laut Barner die Jahrgänge 1996 bis 2012, andere Definitionen setzen den Start bei 1995 oder 1997. Gemeinsam ist allen, dass sie im Zeitalter von Google aufgewachsen sind. Wer nach September 1998 geboren ist, kennt keine Welt ohne die Suchmaschine. Barner nennt weitere Merkmale. Ihre Generation ist in der breiten Masse ethisch und nachhaltig im Denken, strebt aber trotzdem nach Erfolg.
Sie warnt zugleich vor dem Kastendenken. Jede Person der Generation hat andere Gedanken und Wünsche, politisch wie beruflich. Was sie verbindet, sind ähnliche Formate, eine ähnliche Sprache und ein ähnlicher Algorithmus, der Trends in die Feeds spült. Und die Gen Z ist längst nicht die jüngste Gruppe. Nach ihr kommen die Generation Alpha (2012 bis 2024) und seit 2025 die Generation Beta.
Warum will die Gen Z mehr Geld?
Weil die Rechnung anders ausgeht als bei ihren Eltern. Barner sagt es ohne Umschweife. Ihre Generation bekomme „keine Rente mehr oder zumindest wenig", muss daher länger arbeiten und wird gleichzeitig älter. Viele Unternehmen verzweifelten ein bisschen, wenn sie mit ihrer Generation reden, weil diese Forderungen stellt. Die Forderung nach mehr Gehalt sei deshalb kein Ausdruck von Selbstüberschätzung. „Wir wollen mehr Geld, nicht weil wir sagen, wir sind es wert, sondern einfach verstehen müssen, wir müssen mehr Geld verdienen, auch gerade angesichts der Inflation."
Die Zahlen dahinter sind öffentlich. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Lebenserwartung bei Geburt 2025 bei 83,6 Jahren für Frauen und 79,1 Jahren für Männer, Tendenz weiter steigend. Das Rentenniveau, also das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittslohn, ist mit dem Rentenpaket 2025 bis 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben. Was danach kommt, ist offen. Barner schiebt einen Nebensatz hinterher, der die Lage zusammenfasst. Da seien wir beim Finanzthema.
Was ein früher Start in Euro bedeutet
Ein Rechenbeispiel zeigt, warum Barners Rat zum frühen Anfangen mehr ist als ein Motivationsspruch. Angenommen, du legst ab 25 monatlich 50 Euro in einen breit gestreuten ETF-Sparplan und erzielst im Schnitt 6 Prozent Rendite pro Jahr. Das ist eine Annahme, keine Garantie, Aktienmärkte können über Jahre fallen. Nach 40 Jahren stünden rechnerisch rund 99.600 Euro im Depot, eingezahlt hättest du 24.000 Euro.
Mit 150 Euro im Monat wären es unter denselben Annahmen rund 298.700 Euro bei 72.000 Euro Einzahlung. Der Rest ist Zinseszins, also Rendite auf bereits erwirtschaftete Rendite. Genau dieser Effekt ist der Grund, warum die Gen Z beim Vermögensaufbau einen Vorteil hat, den keine ältere Generation mehr bekommt. Zeit.
Wie fängt die Gen Z mit dem Investieren an?
Mit einem Thema, nicht mit zehn. Auf Lukas' Frage nach dem ersten Schritt antwortet Barner zunächst mit drei Wörtern, „ETFs, Leute, ETFs", und schiebt dann eine Regel nach. Vermögensaufbau funktioniere vor allem dann, wenn man nicht nur auf Influencer und Finfluencer, also Finanz-Influencer in sozialen Medien, hört, sondern sich selbst mit der Materie beschäftigt und ein Themenfeld auswählt.
Das kann ein Festgeldkonto sein, bei dem du dein Geld für eine feste Laufzeit zu einem festen Zinssatz anlegst. Oder ein ETF, ein börsengehandelter Fonds, der einen ganzen Index wie den MSCI World abbildet. Was ein ETF genau ist, erklären wir in unserem Grundlagen-Guide zu ETFs. Wichtig ist Barner, dass du dich am Anfang nicht zu breit aufstellst.
„Also natürlich sagt jeder, du musst in Kunst investieren, Immobilien, aber bevor man groß denkt, muss man klein anfangen. Und deswegen finde ich es ganz wichtig, beim Investieren erstmal den ersten Schritt zu gehen und sich da Wissen anzueignen und dann das Feld aufzumachen."
— Anastasia Barner (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)
Wie dieser erste Schritt in der Praxis aussieht, haben wir in unserer Folge Investieren für Anfänger durchgespielt, und wer noch kein Depot hat, findet in unserer Anleitung zum Depot eröffnen den Einstieg.
Fazit: Nicht faul, sondern früh dran
Die Generation Z Arbeitsmoral hält dem Faktencheck stand. Was bleibt, ist eine Generation, die anders kommuniziert und ihre Forderungen mit einer Rechnung begründet, die für sie schlechter ausgeht als für ihre Eltern.
Aus dieser Rechnung folgt für Barner kein Jammern, sondern ein Handlungsauftrag. Wer weniger Rente erwartet und länger lebt, muss früher anfangen, Vermögen aufzubauen. Der Weg dahin ist unspektakulär. Ein Thema aussuchen, verstehen, anfangen. Das Z in Generation Z steht für Barner für Zukunft, und die beginnt mit dem ersten Sparplan, nicht mit dem perfekten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.
Transparenz: Das Rechenbeispiel beruht auf einer angenommenen Rendite von 6 Prozent pro Jahr und dient nur der Veranschaulichung des Zinseszinseffekts. Zwischen Investier oder Verlier und Anastasia Barner oder FeMentor besteht keine Werbe-, Provisions- oder Affiliate-Beziehung.
Über die Autoren
Laura Podleska
Co-Founderin und Co-Host, verantwortet SEO, Web und Social Media
Laura hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und verantwortet Webseite, Suchmaschinen-Optimierung und die Social-Media-Kanäle der Marke. Beruflich arbeitet sie als Online-Marketing-Managerin mit Schwerpunkt Suchmaschinen-Optimierung.
Lukas Beißwenger
Co-Founder und Co-Host, führt die Experten-Interviews
Lukas hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und führt die Interviews mit Fachleuten aus der Finanzbranche, unter anderem live auf den Börsen- und Anlegertagen. Er verantwortet Aufnahme und Produktion der Folgen.
Gemeinsam veröffentlichen die beiden seit Juni 2025 über 90 Podcast-Folgen. Ihre Mission: Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären.
Häufige Fragen
Ist die Generation Z faul?+
Nein. Die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen ist laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) so hoch wie seit Mitte der 1990er-Jahre nicht. Anastasia Barner nennt ihre Generation nicht faul, sondern effizient.
Welche Jahrgänge gehören zur Generation Z?+
Anastasia Barner zählt die Jahrgänge 1996 bis 2012 zur Generation Z. Danach folgen die Generation Alpha (2012 bis 2024) und seit 2025 die Generation Beta.
Warum gilt die Gen Z als Low Performer?+
Weil sie eine kleine Generation ist, die anders kommuniziert und selbstbewusster auftritt, sagt Anastasia Barner. Den Begriff hält sie für ein Etikett, das jede Generation nur anders nennt.
Warum fordert die Generation Z mehr Geld?+
Laut Barner, weil ihre Generation wenig Rente erwartet, länger arbeiten muss und zugleich älter wird, bei steigender Inflation. Das Rentenniveau ist bis 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben, was danach kommt, ist offen.
Wie sollte die Generation Z mit dem Investieren anfangen?+
Mit einem einzigen Thema, rät Anastasia Barner, etwa einem Festgeldkonto oder ETFs. Erst Wissen aufbauen, dann investieren, dann das Portfolio erweitern, und sich dabei nicht allein auf Finfluencer verlassen.
Transkript der Folge
„Ich würde nicht sagen, dass wir faul sind. Ich würde sagen, wir sind effizient."
Anastasia Barner über das Klischee der faulen Gen Z
„Wir wollen mehr Geld, nicht weil wir sagen, wir sind es wert, sondern einfach verstehen müssen, wir müssen mehr Geld verdienen, auch gerade angesichts der Inflation."
Anastasia Barner über die Forderung nach mehr Gehalt
„Also natürlich sagt jeder, du musst in Kunst investieren, Immobilien, aber bevor man groß denkt, muss man klein anfangen."
Anastasia Barner über den ersten Schritt beim Investieren
Vollständiges Transkript anzeigen
Interview vom Ludwig-Erhard-Gipfel 2026. Lukas Beißwenger im Gespräch mit Anastasia Barner, Business Content Creatorin und Gründerin von FeMentor. Das Transkript gibt das Gespräch in gesprochener Sprache wieder, einzelne Versprecher und Halbsätze sind so erhalten.
Einstieg: Faul oder effizient?
Anastasia Barner: Und tatsächlich kann man sich Studien anschauen, dass die Generation Z mehr arbeiten als die Generation vor ihnen, weil wir auch viel früher in den Arbeitsmarkt eintreten. Wir machen viel schneller Abitur, wir machen viel schneller unser Studium, wir spüren natürlich viel schneller auf dem Arbeitsmarkt. Uns gegenüber ist eine ganz andere Erwartungshaltung und wir kommunizieren auch unsere Themen anders. Wir bekommen keine Rente mehr oder zumindest wenig, müssen länger arbeiten, aber werden auch älter. Das ist ein Faktor, warum auch viele Unternehmen ein bisschen verzweifeln, wenn sie mit uns reden, weil wir natürlich Forderungen stellen. Wir wollen mehr Geld. Unsere Perspektive zählt, unsere Perspektive ist wichtig in solchen Räumen und wir müssen gehört werden. Wir sind eine sehr ethische Generation, wir sind nachhaltig, aber wir haben trotzdem auch ein Streben nach Erfolg. Wir wollen arbeiten, aber wir wollen arbeiten zu den Bedingungen, die unsere Eltern vielleicht nicht gekannt haben. Ich würde nicht sagen, dass wir faul sind. Ich würde sagen, wir sind effizient.
Lukas: Wie muss man unsere Generation bestmöglich einbringen für Unternehmen? Was ist uns wichtig? Wie bekommt man den ersten Schritt hin, um langfristig sich Vermögen aufzubauen. Generation Z ist die faulste Generation, die es jemals gab. Das hat bestimmt der ein oder die andere von euch auch schon mal gehört. Ob das wirklich der Wahrheit entspricht oder ob das vielleicht sogar genau das Gegenteil der Fall ist, das besprechen wir heute mit Anastasia Barner. Danke, dass du dir Zeit genommen hast für uns heute. Sehr gerne.
Anastasia Barner: Ich freue mich sehr, hier zu sein.
Das Klischee und was die Studien zeigen
Lukas: Was macht es mit dir, wenn ich dir so eine Aussage um die Ohren haue? Was denkst du dir?
Anastasia Barner: Dann denke ich mir, genau dieses Klischee kennen wir, dieses Klischee hören wir, dieses Klischee lesen wir ständig in den Medien oder sehen es im Fernsehen. Wir werden diskutiert, aber kaum. Man redet eigentlich mit der Generation, obwohl viel über uns gesprochen wird. Und tatsächlich kann man sich Studien anschauen, dass die Generation Z, vor allem die Zielgruppe zwischen 20- und 24-Jährigen, mehr arbeiten als die Generation vor ihnen, weil wir auch viel länger oder viel früher in den Arbeitsmarkt eintreten. Wir machen viel schneller Abitur, wir machen viel schneller unser Studium dadurch. Wir haben teilweise 12 Jahre Abitur, nicht mehr 13 Jahre. Das heißt, wir spielen natürlich viel schneller auf dem Arbeitsmarkt. Und das ist das Spannende, wir sind auch motiviert. Und das Lustige ist, es gab in jeder Generation Faule, und ich glaube, bei uns heißt es einfach anders. Wir heißen einfach Low Performer.
Warum Low Performer? Eine sehr kleine Generation
Lukas: Wo denkst du, kommt es her, dass wir als Low Performer gesehen werden oder als faul wahrgenommen werden für manche Leute? Was denkst du?
Anastasia Barner: Wir sind eine sehr kleine Generation. Das heißt natürlich, wir müssen nicht statistisch gesehen, aber wir müssen rein theoretisch, rechnerisch den Job für 2 Personen machen. Das heißt, wir haben eine ganz andere, uns gegenüber ist eine ganz andere Erwartungshaltung, und wir kommunizieren auch unsere Themen anders. Wir haben ganz andere Ansprüche auf dem Arbeitsmarkt. Natürlich wissen auch einige in HR-Positionen, dass es natürlich schwierig ist, auch teilweise Generation Z einzustellen, weil wir natürlich andere Forderungen stellen als Generationen vor uns, weil wir eben auch gesehen haben, wie unsere Eltern gearbeitet haben und wir das nicht für uns wollen. Wir haben ein anderes Lebensmodell. Wir wissen aber auch, dass es Unsicherheit in Zeiten von KI gibt. Und genau das führt dazu, dass wir anders kommunizieren, ganz anders auftreten und natürlich auch mit einem Selbstbewusstsein, was ja nicht immer schlecht ist.
Jugendjournalistin mit 14: Woher die Begeisterung kommt
Lukas: Wo kam denn deine Begeisterung her, dass du gesagt hast, in dem Thema möchte ich mich positionieren, auch beruflich ausleben? Wo kommt dieser Eifer her und dann auch das Umsetzen?
Anastasia Barner: Man muss dazu sagen, ich habe mit 14 Jahren angefangen, als Jugendjournalistin zu schreiben, aus der Generation über die Generation. Ich durfte für verschiedene Medienhäuser schreiben. Und das als Jugendjournalistin. Habe mit 15 Preis vom Spiegel bekommen als eine der 5 besten Jugendmacherinnen Deutschlands. Das heißt, ich habe mich immer sehr stark mit der Generation Z auseinandergesetzt, ohne sozusagen Urteile über uns zu schreiben, aber auch nicht Urteile über andere Generationen. Ich sage immer, es gibt ein Herz für Kinder. Ich habe ein Herz für Boomer. Ich finde, von denen gibt es mehr und die haben auch Liebe verdient. Aber es geht genau darum, dass wir verstehen, wir haben so viele Generationen, die so unterschiedlich sind und so unterschiedliche Herangehensweisen haben. Aber es ist wichtig, den gemeinsamen Nenner zu finden und da helfen, einfach Brücken zu bauen und nicht nur Konflikte zu schüren.
Wer gehört zur Generation Z, und wer kommt danach?
Lukas: Vielleicht mal für die, die es nicht wissen: Generation Z, was, wer ist da alles mit drin und wer ist die Generation Boomer, dass wir da mal einen zeitlichen Rahmen irgendwie setzen können?
Anastasia Barner: Also Generation Z ist 1996 bis 2012 und das ist wirklich eine Generation, die im Zeitalter von Google groß wird. Wer nach September 1998 groß geworden ist oder geboren ist, der kennt keine Welt ohne Google. Und das ist super spannend, Weil 21% der Generation Z nutzen gar kein Google mehr, sondern nutzen aktiv als Suchfunktion TikTok. Und das ist so spannend. Obwohl wir damit groß werden, obwohl wir damit aufwachsen, nutzen wir einige der Tools, die uns zur Verfügung gestellt sind, von Geburt an nutzen wir gar nicht mehr. Und wir kennen es nicht mehr, in eine Bibliothek zu gehen, ein Buch aufzuschlagen und was zu suchen. Und genau das unterscheidet uns. Und es gibt die Millennials, die Generation vor uns, es gibt die Generation X, es gibt die Babyboomer-Generation, es gibt die Traditionalisten. Es sind so viele Generationen vor uns, die gerade da sind, weil wir auch einfach älter werden. Und das ist auch noch ein kleiner Fun Fact: Brian Johnson investiert zwar sehr viel Geld, Millionen in die Longevity-Forschung, um lange zu leben, aber wir als Generation Z werden trotzdem statistisch gesehen älter als er, weil wir einfach eine Lebenserwartung von 80 bis 90 Jahren haben. Und das natürlich, also zu verstehen, wir bekommen keine Rente mehr oder zumindestens wenig, müssen länger arbeiten, aber werden auch älter. Das ist ein Faktor, warum auch viele Unternehmen ein bisschen verzweifeln, wenn sie mit uns reden, weil wir natürlich Forderungen stellen. Wir wollen mehr Geld, nicht weil wir sagen, wir sind es wert, sondern einfach verstehen müssen, wir müssen mehr Geld verdienen, auch gerade angesichts der Inflation. Da sind wir beim Finanzthema.
Warum sie auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel spricht
Lukas: Ja, ja, voll gut. Jetzt sind wir hier auch auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel, mehr Babyboomer als alles andere, und da stichst du natürlich raus. Du hast super lange Haare, du bist schön in Blau gekleidet, und du bist halt auch deutlich jünger als die meisten. Wie kam es zustande, dass du hierher kommst? Du hast auch auf dem Panel sogar gesprochen. Führ uns mal ein, wie kam es denn zu der Ehre, zu der Chance?
Anastasia Barner: Seit 2022 stand auf meiner Bucketliste, dass ich beim Ludwig-Erhard-Gipfel sprechen möchte, weil hier ein, das ist ein Gipfeltreffen und es wird immer als das deutsche Davos bezeichnet. Hier kommen Wirtschaft, Politik zusammen, aber hier fehlt es vor allem an jungen Menschen. Unsere Perspektive zählt, unsere Perspektive ist wichtig in solchen Räumen und wir müssen gehört werden. Und daher war es mir immer sehr wichtig, hier irgendwann sprechen zu dürfen. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, als dieses Jahr die Anfrage kam, ob ich eben auf der Bühne stehen möchte, um über Generation Z zu diskutieren, wie wir arbeiten, wie wir leben, aber auch wie Zukunftsmodelle mit uns aussehen können. Und genau darüber habe ich gesprochen. Und ich bin hier die 3 Tage beim Gipfel, genau wie ihr. Wir sind eine sehr junge Zielgruppe, wir sind eine junge Altersgruppe, wir sind ein junger Jahrgang und wir stechen heraus. Aber genau das braucht es manchmal, dieser Zeigefinger, wo man sagt, hey, ich bin jemand anderes, aber sprecht mit uns, weil Generation Z steht meiner Meinung nach, das Z für Zukunft.
Purpose, Ethik, Erfolg: Was der Gen Z im Job wichtig ist
Lukas: Zukunft? Du hast schon gesagt, was so ein bisschen Themen sind, wo uns unterscheiden von anderen. Wie muss man unsere Generation bestmöglich einbringen für Unternehmen? Aber auch, was ist uns wichtig? Wie kann man uns gut integrieren in die ganzen anderen Generationen?
Anastasia Barner: Es ist super spannend, die Frage, weil viele Unternehmen sagen, dass Generation Z sich vor allem Purpose wünscht. Wir sind eine sehr ethische Generation, wir sind nachhaltig, aber wir haben trotzdem auch ein Streben nach Erfolg. Wir wissen ja alle von den BWL-Justussen und BWL-Marien, die es gibt. Aber das ist ganz spannend, weil wir als Generation so unterschiedlich sind. Das heißt, klar kannst du es nicht generalisieren. Jede Person der Generation hat andere Gedanken und Wünsche. Aber trotzdem nutzen wir ähnliche Formate, wir nutzen ähnliche Sprache, wir haben einen ähnlichen Algorithmus, wir bekommen von Trends mit. Und da ist es ganz wichtig zu verstehen, dass die Generationen, obwohl wir unterschiedlich sind in unserer politischen Meinung, in unserer Herangehensweise, trotzdem in der breiten Masse sehr ethisch sind, sehr nachhaltig in unserem Denken und trotzdem auch streben einfach nach Erfolg. Und genau das ist das, was uns ausmacht. Wir wollen arbeiten, aber wir wollen arbeiten zu den Bedingungen, die unsere Eltern vielleicht nicht gekannt haben und einfach eine bessere Möglichkeit auch nutzen, was uns zur Verfügung gestellt wird. Ich würde nicht sagen, dass wir faul sind. Ich würde sagen, wir sind effizient. Und warum nicht die KI nutzen, die uns zur Verfügung steht für Sachen, wo die KI einfach auch Sinn macht?
Wie ältere Generationen auf ihre Thesen reagieren
Lukas: Wenn du deine Themen ansprichst in so einem Umfeld wie hier, wo ältere Leute da sind, wie reagieren die darauf? Entsteht ein guter Diskurs? Kommt man in eine gemeinsame Richtung oder hörst du auch so ein bisschen zaghaft teilweise dann Feedback mal?
Anastasia Barner: Zaghaft nicht, es kommt Feedback, nicht immer positiv, aber das ist ja auch in Ordnung. Ich glaube, genau um diesen Diskurs geht es und es geht nicht darum zu sagen, Generation Z ist die beste Generation, absolut nicht. Wir sind einfach eine Generation, dieses Viele kritisieren auch dieses Kastendenken. Warum muss das jetzt eine Generation so im Kasten gedacht werden? Aber es geht darum, in welcher Zeit wir groß werden, wo wir sozialisiert sind, wie alt wir waren, als wir Corona hatten. Das ist ja auch für viele sehr prägend gewesen, sehr prägende Zeit in der Schulzeit, die auf einmal von zu Hause aus im Bett war und viele soziale Kontakte drunter gelassen haben. Das sind alles Themen, die man natürlich mit rein bedenken muss. Und natürlich sind Leute, die negative Erfahrungen mit der Generation Z gemacht haben, es auch Leute sagen, sie verstehen die Klischees nicht, weil sie mit tollen Leuten aus der Generation Z zusammenarbeiten dürfen. Und was ich sehr spannend finde, wir sprechen immer über unsere Generation, aber wir sind die drittälteste Generation auf dem Markt. Es gibt mittlerweile schon Generation Alpha 2012 bis 2024 und Generation Beta seit 2025. Also von daher, da kommen noch ein paar andere Generationen auf uns zu.
Wo man Anastasia Barner findet
Lukas: Wenn jemand, der uns gerade zuhört, sagt, hey, ich finde es total interessant, was du sagst, wo kann man dich finden?
Anastasia Barner: Auf LinkedIn auf jeden Fall. Ich bin LinkedIn Corporate, nicht Corporate Influencerin, sondern Business Content Creatorin auf LinkedIn und natürlich auf Instagram. TikTok mache ich tatsächlich nicht, weil da gibt es so viele von uns.
Rentenlücke: Der erste Schritt beim Investieren
Lukas: All right. Vielleicht abschließend, um so ein bisschen thematisch auch in das Thema reinzugehen, wo wir uns normalerweise aufhalten. Da geht es ja ums Investieren und langfristig Vermögen aufbauen. Du hast schon kurz angeschnitten, ist mega wichtig für unsere Generation. Rentenlücke ist da.
Anastasia Barner: ETFs, Leute, ETFs, sehr gut.
Lukas: Vielleicht abschließend für jemand, der noch nicht investiert ist: Wie bekommt man den ersten Schritt hin, um langfristig sich Puffer aufzubauen und Vermögen aufzubauen?
Anastasia Barner: Ich glaube, Vermögensaufbau funktioniert vor allem dann, wenn du nicht nur auf Influencer hörst und Finfluencer, sondern wirklich dich mit der Thematik auseinandersetzt und dich auf ein Themenfeld spezialisierst. Wenn es— es kann Festgeldkonto sein, wo du sozusagen einen festen Zinssatz bekommst. Es kann aber auch einfach sein, dass du sagst, Ich investiere in ETFs, und dass du dich dann nur auf diese Sparte fokussierst und dich nicht zu breit aufstellen musst am Anfang. Also natürlich sagt jeder, du musst in Kunst investieren, Immobilien, aber bevor man groß denkt, muss man klein anfangen. Und deswegen finde ich es ganz wichtig, beim Investieren erstmal den ersten Schritt zu gehen und sich da Wissen anzueignen und dann das Feld aufzumachen. Deswegen startet, startet mit einem Thema, und dann könnt ihr euer Portfolio erweitern.
Lukas: Das war Anastasia Barner. Link zu Anastasia findet ihr in der Beschreibung. Anastasia, vielen Dank für deine Zeit und ganz viele gute Gespräche dir noch. Danke schön.
Anastasia Barner: Euch auch.
Lukas: Ciao, ciao.

