Longevity Aktien: Warum ein Gesundheitsprofessor lieber in Langweiler investiert

Prof. Dr. David Matusiewicz und Lukas Beißwenger im Podcast über Longevity Aktien: Reicht dein Geld für 130 Jahre?

Veröffentlicht am 23. September 2026 · Lesedauer: 8 Minuten

Was sind Longevity Aktien?

Longevity Aktien sind Anteile an Unternehmen, die daran verdienen, dass Menschen länger leben und länger gesund bleiben. Dazu zählen Pharma- und Biotech-Unternehmen, Medizintechnik, Diagnostik und Pflege-Dienstleister. Der englische Begriff Healthspan meint dabei nicht die reine Lebensdauer, sondern die Jahre, die jemand bei Gesundheit verbringt.

„Wenn ich tot bin, bringt mir mein Bitcoin-Wallet auch nichts." Der Satz kommt von jemandem, der beides kennt, den Gesundheitsmarkt und das Investieren. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel haben wir Prof. Dr. David Matusiewicz getroffen, Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule und selbst seit Jahren Startup-Investor. Seine Antwort auf die Frage nach interessanten Gesundheits-Investments ist unbequemer als jede Hype-Liste.

⭐ Das Wichtigste auf einen Blick

1. Matusiewicz hat mit Trendthemen wie Health Coins und VR-Brillen nach eigener Aussage viel Geld verloren. Sein Geld liegt heute in demografiegetriebenen Geschäftsmodellen.
2. Sein Maßstab ist nicht die Wachstumsfantasie, sondern die Verlässlichkeit: ein Markt, der linear mit dem Alter der Bevölkerung mitwächst statt in Sprüngen.
3. Seine Auswahlfrage lautet nicht „Wie groß ist die Chance?", sondern „Gibt es das Geschäftsmodell morgen noch?" Pflege ist für ihn kein Nice-to-have.
4. Bei privat versus gesetzlich versichert bleibt laut Matusiewicz als einziger belegter Unterschied die Wartezeit auf einen Termin, nicht die Qualität der Behandlung.
5. Gesundheit ist für ihn zuerst Eigenverantwortung. Die Basics heißen Ernährung, Bewegung, Schlaf, alles Weitere kommt obendrauf.

Wer ist David Matusiewicz?

Neben der Professur leitet er als Dekan den Bereich Gesundheit & Soziales und das Forschungsinstitut ifgs. Er forscht seit rund 20 Jahren zu Digitalisierung und Innovation im Gesundheitswesen und gilt als eine der bekanntesten Stimmen der digitalen Gesundheit in Deutschland.

Den Anstoß gab kein Lehrbuch, sondern ein Zivildienst vor über 20 Jahren. Matusiewicz betreute einen Mann mit Querschnittlähmung, der nur den Kopf bewegen konnte und seinen Computer per Sprachsteuerung bediente. Er vergleicht die Situation mit dem Film „Ziemlich beste Freunde". Seitdem interessiert ihn Technologie vor allem als Mittel zur Teilhabe.

Prof. Dr. David Matusiewicz
Rolle Professor für Medizinmanagement, Dekan Gesundheit & Soziales
Institution FOM Hochschule, Direktor des Instituts ifgs
Schwerpunkte Digital Health, Medizinmanagement, Gesundheitsökonomie
Unternehmerisch Gründer der DXM Group, investiert in Gesundheits-Startups
Engagement yeswecan!cer, nach eigener Angabe Europas größte Krebs-Community
Kanal LinkedIn

Transparenz vorweg: Matusiewicz ist nicht nur Wissenschaftler, sondern über seine DXM Group auch selbst in Gesundheits-Startups investiert. Das Geschäftsmodell, das er im Interview als sein größtes Investment beschreibt, ist entsprechend kein neutraler Tipp, sondern eine Position, die er selbst hält.

Was sind demografiegetriebene Geschäftsmodelle?

Unternehmen, deren Nachfrage direkt an der alternden Gesellschaft hängt. Matusiewicz nennt es „alles, was unsexy ist", und stellt es bewusst gegen die Trendthemen, in denen er nach eigener Aussage Geld verloren hat: Health Coins, „gab neue Bitcoins", dazu VR-Brillen.

Sein größtes Investment ist die Versorgung chronischer Wunden, etwa bei älteren Patienten, die wund liegen. Das Unternehmen hat nach seiner Beschreibung mittlerweile über 1.000 Mitarbeiter und arbeitet im Homecare-Bereich, also der Versorgung von Menschen zu Hause. Das Wachstum sei nicht exponentiell, sondern linear. Mehr alte Menschen, mehr Wunden.

Die Demografie dahinter ist keine Prognose aus dem Pitch-Deck. Laut Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes steigt die Zahl der Pflegebedürftigen von rund 5,0 Millionen Ende 2021 auf etwa 6,8 Millionen im Jahr 2055, ein Plus von 37 Prozent allein durch die Alterung.

Warum „Gibt es das morgen noch?" die bessere Frage ist

Matusiewicz dreht die übliche Anlegerfrage um. Seine Analyse beginnt nicht bei der Frage, wie groß der mögliche Gewinn ist, sondern bei der, ob die Nachfrage auch in einer Krise bleibt. Das hat weniger mit Risikobereitschaft zu tun als mit der Frage, worauf im Zweifel Verlass ist. Seine Begründung ist so nüchtern wie das Beispiel selbst.

„Weil egal, was dann passiert, die wird es morgen noch geben, weil das ist kein Nice-to-have. Wenn einer eine chronische Wunde hat und gedreht werden muss nachts, muss das aber gemacht werden, die Krankenkassen müssen das bezahlen und das Letzte, was die streichen würden."
— Prof. Dr. David Matusiewicz, FOM Hochschule (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)

Damit steht er quer zu dem, was auf der ersten Google-Seite zum Thema steht. Dort dominieren Listen mit Pharmaunternehmen wie Novo Nordisk, Biotech-Firmen, die oft „Therapeutics" im Namen tragen, dazu Fonds-Landingpages und Longevity-ETFs, also börsengehandelte Fonds, die ein Bündel solcher Aktien abbilden. Diese Listen zeigen vor allem die Chancen. Matusiewicz sucht stattdessen nach spezialisierten, teils nischigen Mittelständlern.

Wie realistisch ist das Versprechen vom langen Leben?

Hier lohnt der genaue Blick, denn die Zahlen im Interview und die amtliche Statistik gehen auseinander. Matusiewicz hält 130 Jahre für heute geborene Kinder für realistisch und 150 für hoch gegriffen. Als Ausgangspunkt nennt er eine durchschnittliche Lebenserwartung von „knapp über 100".

Diese Ausgangszahl deckt sich nicht mit der amtlichen Statistik. Laut Statistischem Bundesamt lag die Lebenserwartung bei Geburt 2025 bei 83,6 Jahren für Frauen und 79,1 Jahren für Männer. Seine 130 Jahre sind damit eine persönliche Zukunftsannahme eines Fachmanns, keine Fortschreibung heutiger Werte, und für ein Investment taugen sie nicht als Rechengrundlage.

Was sich in der Medizin tatsächlich verändert hat

Belastbar ist die Entwicklung hinter der These. Matusiewicz verweist auf die individualisierte Medizin und darauf, dass frühere Todesurteile heute behandelbar sind. Bei HIV spricht er davon, Betroffene lebten durch die enge medikamentöse Überwachung sogar länger. Die Studienlage ist etwas nüchterner: Wer früh mit einer antiretroviralen Therapie beginnt, erreicht eine nahezu normale Lebenserwartung.

Konkreter wird es beim Darmkrebs. Matusiewicz beschreibt den Weg vom Polypen, einer Schleimhautwucherung, die über etwa zehn Jahre wächst und dann bösartig werden kann. Wird sie vorher entfernt, entsteht der Krebs gar nicht erst. Die Felix Burda Stiftung beschreibt die Darmspiegelung entsprechend als Methode, die Darmkrebs zu nahezu 100 Prozent verhindern kann, die gesetzliche Vorsorge beginnt mit 50 Jahren. Unter dem Stichwort Vision Zero arbeiten Fachgesellschaften daran, einzelne Krebsarten auf null zu senken.

Wie hältst du dich als Privatperson gesund?

Mit den Basics, und erst danach mit Technik. Matusiewicz nennt Ernährung, Bewegung und Schlaf als Fundament und wird bei der Reihenfolge deutlich. Wer das nicht macht, braucht sich auch keine Supplements einzuwerfen oder Tracker anzulegen, das sei alles nur obendrauf.

Sein zweiter Punkt betrifft die Informationsquelle. Er rät, sich bei echten Ärzten zu informieren und nicht bei „Medfluencer im ersten Semester", also Gesundheits-Influencern ohne abgeschlossene Ausbildung. Das Wissen sei ohnehin selten das Problem.

„Also jeder von uns weiß ja heute, was gesund ist, was krank ist. Jeder weiß, dass Rauchen nicht so gut ist für sich. Das Wissen ist nicht das Problem, die Umsetzung ist das Problem."
— Prof. Dr. David Matusiewicz (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)

Wenn die Messung zur Überforderung wird

Beim Thema Tracking sieht Matusiewicz zwei Seiten. Er verweist auf eine Studie, nach der sich aus einer einzigen Nacht Schlaf 130 Prädiktoren für Gesundheit messen lassen, also Vorhersagewerte für Risiken wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz. Die Frage sei nur, was jemand mit so einem Ergebnis anfängt.

Entscheidend sind für ihn deshalb nicht die Daten, sondern deren Einordnung durch einen Arzt oder Apotheker. Sonst drohe das Gegenteil von Sicherheit, gerade wenn eine KI die Sorge des Nutzers bestätigt statt sie einzuordnen.

Ist eine private Krankenversicherung wirklich besser?

Beim Zugang ja, bei der Behandlung kaum. Matusiewicz verweist auf die Forschung seines Doktorvaters mit dem Fazit, die Versorgungsrealität sei nicht schwarz-weiß. Als einzigen belegten Vorteil nennt er die Wartezeit: Wer privat versichert anruft, bekommt schneller einen Termin.

Bei der Medizin selbst sieht er keinen Unterschied. Operationen, Eingriffe und Innovationen stehen allen offen, Medikamente sind wirkstoffgleich, auch wenn statt des Originals ein Generikum kommt. Es werde keine Leistung vorenthalten, die medizinisch sinnvoll ist. Privatversicherte laufen nach seiner Beobachtung eher in das umgekehrte Risiko, ein MRT oder eine Operation zu viel zu bekommen, wo Physiotherapie gereicht hätte.

Interessant ist sein Punkt zur Quersubvention. Kauft sich eine Hausarztpraxis wegen einiger Privatpatienten ein besseres Ultraschallgerät, nutzt sie es auch bei gesetzlich Versicherten. Die beiden Systeme stehen für ihn also nicht nur im Wettbewerb.

Wer überhaupt wechseln darf

Der Wechsel steht nicht jedem offen. Matusiewicz nennt im Gespräch eine Einkommensgrenze von 65.000 bis 66.000 Euro. Aktuell liegt sie höher: Laut Bundesgesundheitsministerium liegt die Jahresarbeitsentgeltgrenze 2026 bei 77.400 Euro, also 6.450 Euro im Monat. Wer darunter liegt und nicht verbeamtet oder selbstständig ist, bleibt in der gesetzlichen Kasse.

Matusiewicz erwartet, dass die gesetzliche Versorgung unter Druck gerät, mit höheren Beiträgen, mehr Zuzahlungen und einem Abbau von Leistungen. Für ihn folgt daraus zweierlei: mehr Anreiz für Gutverdiener, früh in die private Versicherung zu wechseln, und gleichzeitig eine höhere Hürde für alle, die neu dazukommen wollen. Der Rückweg in die gesetzliche Kasse ist laut BMG in der Regel versperrt.

Welche Rolle spielt Technik für ältere Menschen?

Sie entscheidet darüber, ob lange leben auch heißt, am Leben teilzunehmen. Matusiewicz denkt hier an Physical AI, also künstliche Intelligenz in einem Körper mit Sensoren, etwa Robotern, die einkaufen oder Aufgaben übernehmen. Als Alltagsbeispiel nennt er seine Datenbrille, in den USA bereits mit kleinem Display im Glas.

Sein Bild dafür stammt aus Litauen, wo er kürzlich war. Auf einem Marktplatz steht ein großer digitaler Spiegel, durch den Menschen aus anderen Ländern gleichzeitig hineinschauen und sich gegenseitig zuwinken können. Für ihn ist das die Gegenthese zur verbreiteten Sorge, Technik vereinsame.

Für Anleger ist das der zweite Teil des Demografie-Arguments. Wenn Menschen länger leben, wächst nicht nur die Nachfrage nach Pflege, sondern auch nach allem, was den Alltag im Alter lebenswert macht, von Unterhaltung bis Teilhabe. Diesen Bereich fasst der Begriff Silver Economy zusammen.

Fazit: Erst der Körper, dann das Depot

Der Titel der Folge stellt Depot und Gesundheit gegeneinander, Matusiewicz löst das in einem Satz auf: Auf dem Sterbebett fragt keiner, wie das Depot gerade aussieht. Gesundheit ist für ihn die Anlage, die allen anderen vorausgeht, und sie beginnt bei Ernährung, Bewegung und Schlaf, nicht bei der nächsten Messung.

Für das Depot bleibt eine Lehre, die gegen den Strom der Longevity-Werbung läuft. Wer auf den Gesundheitsmarkt setzen will, sucht nach Matusiewicz nicht das Unternehmen mit der größten Vision, sondern das mit der verlässlichsten Nachfrage. Langweilig ist in diesem Sektor offenbar ein Qualitätsmerkmal.


Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation. Er ersetzt außerdem keine ärztliche Beratung oder Diagnose.

Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.

Transparenz: Prof. Dr. David Matusiewicz ist über die von ihm gegründete DXM Group selbst in Gesundheits-Startups investiert, darunter das im Interview beschriebene Unternehmen für Wundversorgung. Seine Einschätzungen sind daher nicht neutral. Zwischen Investier oder Verlier und Prof. Dr. David Matusiewicz, der FOM Hochschule oder genannten Unternehmen besteht keine Werbe-, Provisions- oder Affiliate-Beziehung.

Über die Autoren

Laura Podleska, Co-Founderin und Co-Host von Investier oder Verlier

Laura Podleska

Co-Founderin und Co-Host, verantwortet Website und Social Media

Laura hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und verantwortet die Website und die Social-Media-Kanäle der Marke. Beruflich arbeitet sie als Online-Marketing-Managerin.

Lukas Beißwenger, Co-Founder und Co-Host von Investier oder Verlier

Lukas Beißwenger

Co-Founder und Co-Host, führt die Experten-Interviews

Lukas hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und führt die Interviews mit Fachleuten aus der Finanzbranche, unter anderem live auf den Börsen- und Anlegertagen. Er verantwortet Aufnahme und Produktion der Folgen.

Gemeinsam veröffentlichen die beiden seit Juni 2025 über 90 Podcast-Folgen. Ihre Mission: Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären.

Häufige Fragen

Was sind Longevity Aktien?+

Der Sammelbegriff für Aktien rund ums längere Leben, von der Arzneimittelforschung bis zur Pflege. Wer breiter einsteigen will, findet auch Longevity-ETFs. Eine einheitliche Definition, welches Unternehmen dazugehört, gibt es nicht, die Auswahl unterscheidet sich je nach Anbieter deutlich.

Lohnen sich Longevity Aktien?+

Prof. Dr. David Matusiewicz rät im Interview davon ab, auf Trendthemen zu setzen, und sagt, mit solchen Investments selbst Geld verloren zu haben. Er bevorzugt Unternehmen mit demografiegetriebenem Geschäftsmodell, deren Nachfrage auch in einer Krise bestehen bleibt. Eine Empfehlung für einzelne Aktien ist das nicht.

Was sind demografiegetriebene Geschäftsmodelle?+

Geschäftsmodelle, deren Nachfrage unmittelbar am Altern der Bevölkerung hängt, etwa Wundversorgung, Homecare oder Pflege. Laut Statistischem Bundesamt steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2055 auf rund 6,8 Millionen, ein Plus von 37 Prozent gegenüber 2021.

Ist eine private Krankenversicherung besser als die gesetzliche?+

Laut Matusiewicz bleibt als belegter Unterschied vor allem die kürzere Wartezeit auf einen Termin. Operationen, Innovationen und wirkstoffgleiche Medikamente bekommen beide Gruppen. Wechseln kann nur, wer 2026 über der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 77.400 Euro liegt, verbeamtet oder selbstständig ist.

Wie kann ich selbst etwas für ein langes Leben tun?+

Bei den Grundlagen, nicht bei der Technik, sagt Matusiewicz. Das Wissen darüber sei ohnehin vorhanden, es scheitere an der Umsetzung. Messwerte aus Apps oder Trackern sollte dir jemand vom Fach einordnen, sonst verunsichern sie mehr, als sie helfen.

Transkript der Folge

„wenn ich tot bin, bringt mir mein Bitcoin-Wallet auch nichts."
Prof. Dr. David Matusiewicz über Gesundheit als größtes Asset
„Weil egal, was dann passiert, die wird es morgen noch geben, weil das ist kein Nice-to-have."
Prof. Dr. David Matusiewicz über demografiegetriebene Geschäftsmodelle
„Also wenn ich PKV-Patient anrufe beim Arzt, kriege ich schneller einen Termin. Das ist der einzige valide Punkt, der übrig bleibt."
Prof. Dr. David Matusiewicz über den Unterschied zwischen PKV und GKV
Vollständiges Transkript anzeigen

Interview vom Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 in Gmund am Tegernsee. Lukas Beißwenger im Gespräch mit Prof. Dr. David Matusiewicz, Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule. Das Transkript gibt das Gespräch in gesprochener Sprache wieder, einzelne Versprecher und Halbsätze sind so erhalten.

Anriss zu Beginn der Folge

Anriss: Worum es in dieser Folge geht

Prof. Dr. David Matusiewicz: Die durchschnittliche Alterserwartung ist ja heute schon über knapp 100, aber ich gehe davon aus, dass durch Technologie in den nächsten Jahrzehnten der Healthspan deutlich noch mal 20, 30 Jahre rauszuholen wären.

Lukas: Was ist da konkret passiert in den letzten Jahren, dass wir diese Fortschritte machen?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Heute gibt es Studien, dass Menschen mit HIV/AIDS sogar länger leben, weil sie durch Medikamente so gut überwacht sind und so weiter, dass sie eben ein langes Leben führen. Wir wollen einige Krebsarten auf null runterfahren. Für unsere eigene Gesundheit sind wir erst selber verantwortlich. Das ist ja so ein bisschen das Problem in Deutschland. Wir verlassen uns auf den Staat, aber dem Staat ist das völlig egal. Dem Staat will er, dass ich Steuern zahle.

Lukas: In meinen Augen ist ja irgendwie auch der Staat dafür verantwortlich, dass wir irgendwie gesund sind. Im zweiten Schritt dann die gesetzliche Krankenversicherung. Wie ist denn da aktuell der Stand? Bist du zufrieden mit dem, wie es läuft? Und wenn nicht, was sind vielleicht mögliche Probleme? Ist es denn aktuell so, dass eine private Krankenversicherung besser ist, dass man da besser, schneller versorgt wird? Ist das wirklich so? Welche Sektoren sind interessant, gerade im Gesundheitsbereich? Auf welche Firmen kann man vielleicht mal schauen, ohne jetzt zu sagen, das ist das Top-Investment, aber was ist interessant? 150 Jahre alt werden ist bald keine Science-Fiction mehr. Das sagt zumindest mein heutiger Gast, Professor Dr. David Matosiewicz.

Prof. Dr. David Matusiewicz: Ich hoffe, ich habe es richtig ausgesprochen.

Einstieg: Warum 130 Jahre für heute Geborene realistisch sein sollen

Lukas: David, freut mich, dass du dir Zeit genommen hast für uns. Was steckt denn hinter dieser These, die sich im ersten Moment unglaublich anhört für die meisten Menschen?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Ja, ich hatte gestern hier auf dem Panel ein 11 Monate altes Baby. Auf der Bühne. Und tatsächlich, das, was wir vieles tun in der Medizin, der Digitalisierung, wird eben genau für diese Zielgruppe da sein, weil wir davon ausgehen, dass vielleicht 150 sehr hoch gegriffen, aber 130 realistisch ist für Neugeborene, die heute geboren sind. Die durchschnittliche Alterserwartung ist ja heute schon über knapp über 100, aber ich gehe davon aus, dass durch Technologie in den nächsten Jahrzehnten der Healthspan, sagt man ja, deutlich noch mal 20, 30 Jahre rauszuholen wären.

Individualisierte Medizin, HIV und die Vision Zero bei Krebs

Lukas: Was ist da konkret passiert in den letzten Jahren, dass wir diese Fortschritte machen?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Also wir haben eine individualisierte Medizin. Das heißt, früher gab es Krankheiten, HIV/AIDS, da ist man gestorben. Heute gibt es Studien, dass Menschen mit HIV/AIDS sogar länger leben, weil sie durch Medikamente so gut überwacht sind und so weiter, dass sie eben ein langes Leben führen. Und aus meiner Sicht, ich bin auch in einer Selbsthilfegruppe, YesWeCancer, Europas größte Krebs-Community, digital auch und vor Ort. Und da ist es so, dass wir dort eben davon ausgehen, die Wissenschaftler, die da sind, dass wir durch das Thema Krebs chronifiziert wird, also man nicht mehr mit Krebs sozusagen irgendwann stirbt, aber nicht mehr an Krebs. Das bedeutet, dass wir, es gibt sogar so eine Vision Zero. Vision Zero bedeutet, wir wollen einige Krebsarten auf null runterfahren, zum Beispiel Darmkrebs. Heute schon müssten viele nicht dran sterben, wenn sie zur Darmkrebsvorsorge gehen würden. Das fängt mal mit einem Polypen an. Jetzt 10 Jahre wächst und dann bösartig wird. Wenn ich die vorher abschneide, so kann ich das in den meisten Fällen tatsächlich vermeiden. Und das sind erstmal gute Nachrichten.

Vom Zivildienst in die Longevity-Szene

Lukas: Viele Menschen können sich das, glaube ich, gar nicht vorstellen, diesen schnellen Wachstum, weil das ja auch ähnlich wie auf dem Finanzmarkt dann, na, wie nennt man es, die Sprünge deutlich größer werden gegen Ende, also das Wachstum deutlich stärker ist. Ich habe das Thema letztes Jahr mit Lucas Pierre-Bessis das erste Mal so auf den Schirm gehackt, Longevity. Wie bist du in die Szene reingekommen? Warum hast du gesagt, das ist mein Thema, damit beschäftige ich mich?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Also vor über 20 Jahren musste ich Zivildienst machen, und vielleicht kennt der eine oder andere den Film Ziemlich beste Freunde. Dort habe ich eben jemandem geholfen, der zähfick querschnitt war, der nur seinen Kopf bewegen konnte, und habe da schon gesehen, wie er vor 20 Jahren mit Technologie, Sprachsteuerung seinen Computer bedienen konnte, eben ja kommunizieren konnte, und eben Technologie heute als Menschenhilfe, Teilhabe zu unterstützen. Und da mache ich seit 20 Jahren innovative Medizin, Digitalisierung, und heute ganz, ganz vielen Feldern. Wir sprechen heute über Roboter, über Dokumentation, über Telemedizin, dass der Arzt sich oder die Pflegekraft zuschaltet. Also heute ist das total das boomende große Feld, und einige sagen, ist der größte Wachstumsmarkt. Übrigens auch für Investment ganz spannend, allein durch Demografie. Andere Märkte schwanken und so weiter, aber ob wir leben oder sterben, wenn wir todkrank sind, die Willingness of Pay selber was zu bezahlen für Gesundheit. Und wie gesagt, dadurch, dass wir älter werden und kränker, ist der Markt einfach wachsend.

Ist Gesundheit das größte Asset?

Lukas: Würdest du sagen, Gesundheit ist das größte Asset?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Ja, also wenn ich tot bin, bringt mir mein Bitcoin-Wallet auch nichts. Also keiner fragt auf dem Sterbebett, wie, wie das Depot gerade aussieht.

Prävention: Ernährung, Bewegung, Schlaf

Lukas: Wie kann ich mich denn als Privatperson ja präventiv gesund halten? Klar, gesunde Ernährung, Bewegung, aber was muss ich denn machen, oder kommt die Technologie auf mich zu, damit ich länger leben kann?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Sowohl als auch. Also ich glaube, die Basics sind, wie du richtig sagtest, Ernährung, Bewegung, Schlaf. Und das sind wirklich die Basics. Wenn ich das nicht mache, dann brauche ich mir auch nicht irgendwelche Supplements reinhauen und so, oder irgendwelche Tracker messen. Das kann ich alles on top tun. Deshalb leben wir gerade in so einer Zeit, wo ich auf der einen Seite viel mehr Transparenz habe. Ich kann mich informieren über Social Media, über überall. Übrigens auch wichtig, über echt, bei echten Ärzten und nicht Medfluencer im ersten Semester.

Lukas: Ja, ne.

Warum nicht das Wissen das Problem ist, sondern die Umsetzung

Prof. Dr. David Matusiewicz: Aber ich habe Informationen. Also jeder von uns weiß ja heute, was gesund ist, was krank ist. Jeder weiß, dass Rauchen nicht so gut ist für sich. Das Wissen ist nicht das Problem, die Umsetzung ist das Problem. Und jetzt kommt noch Technologie dazu. Und ich sehe das so zweigeteilt, weil es gibt zum Beispiel eine neue Studie, die sagt, die haben gemessen, eine Nacht Schlaf, können die 130 Prädiktoren für Gesundheit messen. Das Risiko auf Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz und, und, und. Aber was mache ich damit? Wenn ich so eine Analyse kriege nach einer Nacht, du hast 130 Krankheiten, entweder grünes Häkchen oder eine Gefahr und so weiter. Das überfordert uns gleichzeitig. Deshalb sind nicht nur die Daten, die wir alle sammeln, wichtig, sondern das Interpretat der Daten, dass uns dann wieder ein Healthcare Professional, entweder Apotheker, Arzt, wer auch immer, das einordnet und sagt, was bedeutet der Wert für dich, ist das gut oder ist das schlecht. Und das ist so auf der einen Seite für hypochondre Menschen, die Angst haben, absolut natürlich gut, wenn sie mit KI und Co. Erst mal das vielleicht einordnen können, aber auch natürlich eine gewisse Angst, wenn die KI nachplappert und sagt: Oh ja, das sehe ich auch so, es ist schlimm, du bist todkrank. Also das ist so, wie gesagt, zwei Seiten. Auf der einen Seite mehr Transparenz durch Internet und auf der anderen Seite die Gefahr der Überforderung.

Staat, Eigenverantwortung und die kommenden Gesundheitsreformen

Lukas: In meinen Augen ist ja irgendwie auch der Staat dafür verantwortlich, dass wir irgendwie gesund sind. Im zweiten Schritt dann die gesetzliche Krankenversicherung. Wie ist denn da aktuell der Stand? Bist du zufrieden mit dem, wie es läuft? Und wenn nicht, was sind vielleicht mögliche Probleme?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Also habe ich den ersten Widerspruch, weil für unsere eigene Gesundheit sind wir erst selber verantwortlich. Das ist ja so ein bisschen das Problem in Deutschland. Wir verlassen uns auf den Staat, aber dem Staat ist das völlig egal. Dem Staat will er, dass ich Steuern zahle, meine Beiträge zahle.

Lukas: Aber dafür müssen wir gesund sein.

Prof. Dr. David Matusiewicz: Genau, Gesundheit ist Eigenverantwortung. Wir haben zum Glück im Staat ein sicheres Netz, dass wenn wir krank werden, uns geholfen wird, dass wir Zugang haben kostenlos zur Gesundheitsversorgung und so weiter. Das ist das Sozialsystem, das ist gut. Aber die Eigenverantwortung, nämlich was ich heute esse, ob ich mich bewege und so, die liegt und bleibt bei uns. Und wir haben übrigens den größten Nutzen von Gesundheit. Für mich ist ja, ich habe am meisten davon, wenn ich gesund bin und gesund alter und so weiter. Deswegen, den Staat sehe ich so als flankierende Instanz, aber die Eigenverantwortung ist bei uns. Und wir werden in der Politik sehen in den nächsten Jahren, die aktuellen Gesundheitsreformen, dass es immer mehr Zuzahlungen geben wird, dass wir Leistungen vielleicht auch nicht mehr haben werden, weil sie zu teuer sind. Dass wir so ein bisschen Abbau haben der Leistung, weil es einfach nicht mehr finanzierbar ist. Höhere Beiträge, mehr Zuzahlungen und so weiter. Und deswegen kommen wir ohnehin in einen Bereich, wo wir mehr Prävention, mehr Selbstverantwortung haben werden.

Privat oder gesetzlich: Wer darf überhaupt wechseln?

Lukas: Werden dann auch private Krankenversicherungen, rücken die dann mehr in den Fokus, wenn du sagst, hey, die gesetzlichen bauen wahrscheinlich Leistungen ab?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Ja, allerdings muss man natürlich sagen, dass ich eine bestimmte Beitragsbemessungsgrenze erreichen muss. Ich bin ja pflichtversichert in Deutschland, ich muss GKV-versichert sein. Ich komme ja nur ins Privileg, wenn ich zwischen 65.000, 66.000 € verdiene, habe ich die Chance zu wechseln, oder ich bin Beamter. Deswegen ist, stellst du gar nicht die Frage für jedermann. Ja, aber für, ich sag mal so, wenn die Beitragsbemessungsgrenze jetzt erhoben wird, dann sind die, die schon jetzt schon freiwillig versichert sind, haben einen höheren Anreiz zu wechseln in PKV, weil die dann mehr Leistung vielleicht, mehr Zugang oder schnelleren Zugang für weniger Geld dann bekommen, wenn sie noch jung sind. Also da ist der Anreiz, was jetzt in der Politik passiert, schon für die PKV da. Allerdings kommen die für die Neuzugängler, die kommen schwieriger in den freiwilligen Status, weil die Grenze höher ist. Also das sind die beiden Effekte, die man gegeneinanderhalten muss.

Was die PKV wirklich bringt, und wo sie schadet

Lukas: Ist es denn aktuell so, was vielleicht die breite Öffentlichkeit denkt, dass eine private Krankenversicherung besser ist, dass man da besser, schneller versorgt wird? Ist es wirklich so?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Es gibt Studien dazu, mein Doktorvater hat dazu geforscht. Die Studie hieß, oder das Paper hieß, die Versorgungsrealität ist nicht schwarz-weiß. Also man kann das gar nicht so gegeneinanderhalten. Was auf jeden Fall ist, ist, das zeigen Untersuchungen, die Wartezeit. Also wenn ich PKV-Patient anrufe beim Arzt, kriege ich schneller einen Termin. Das ist der einzige valide Punkt, der übrig bleibt. Aber die Medikamente sind die gleichen, außer dass der vielleicht der PKVler ein Originalpräparat, ein anderes Generikum bekommt. Aber ist wirkstoffgleich. Alle kriegen alle Operationen, alle Innovationen im Gesundheitswesen. Es wird keine Leistung vorenthalten, die medizinisch sinnvoll ist. Der PKVler hat manchmal sogar die Gefahr, ein MRT zu viel zu kriegen, Strahlung, eine OP zu viel zu kriegen. Auch nicht immer gut. Manchmal hilft die Physiotherapie und so weiter, eine Art Überbehandlung.

Lukas: Verstehe.

Prof. Dr. David Matusiewicz: Also beide haben Vor- und Nachteile, aber man muss sagen, die PKV, die quersubventioniert die GKV. Also wenn der Hausarzt ein Ultraschallgerät sich kaufen kann aufgrund von ein paar PKV-Patienten mehr, nutzt er dieses tolle neue Ultraschall auch für den GKV-Patienten und der profitiert also quer mit. Von daher sind die beiden Systeme nicht nur im Wettbewerb.

Welche Sektoren im Gesundheitsmarkt interessant sind

Lukas: Verstehe. Da würde ich jetzt nachher mal als Fachmann, und wir uns hauptsächlich mit dem Thema finanzielle Bildung beschäftigen und Investments, Muss ich dich jetzt fragen, wenn man gut aufgestellt ist, weltweit diversifiziert als Privatanleger, 25 bis 40 Jahre alt, welche Sektoren sind interessant, gerade im Gesundheitsbereich? Auf welche Firmen, wenn du darüber sprechen darfst, kann man vielleicht mal schauen, ohne jetzt zu sagen, das ist das Top-Investment? Auf was ist interessant?

Sein größtes Investment: chronische Wunden und Homecare

Prof. Dr. David Matusiewicz: Also ich selber investiere auch in Startups seit vielen Jahren und ich habe viel Geld verloren in so fancy Trendthemen, Health Coins, gab neue Bitcoins, Dann irgendwelche VR-Brillen und so weiter. Also ich investiere jetzt vor allem mein privates Geld, das ist ja netto versteuert und so weiter, in demografiegetriebene Geschäftsmodelle. Das ist alles, was unsexy ist. Mein größtes Investment ist chronische Wunden, also diese großen Wunden, beim Wundliegen zum Beispiel ältere Patienten, weil du da einfach ein Wachstum durch Demografie hast, nicht exponentiell, aber linear. Immer mehr ältere Menschen, die immer mehr Wunden haben, Punkt. Deshalb läuft das halt so. Und dieses Unternehmen, das wird irgendwann einen Milliardenumsatz haben, wenn das so weitergeht in den nächsten Jahren. Und das ist ein Erfolgsmodell aus dem Mittelständler, der wirklich ein Thema hat und sich da voll drauf spezialisiert hat, mittlerweile über 1000 Mitarbeiter, und sich voll auf dieses Demografiethema sozusagen gesetzt hat mit eigenen Produkten und Pflege. Also ist ja auch eine Dienstleistung, Homecare nennt man das ja, ne, versorgt Menschen zu Hause und so weiter. Also ich, wenn ich jetzt weiter, das ist ja, da ist mein ganzes Geld drin, deshalb habe ich jetzt nicht noch weiter Spielgeld. Auch wenn ich noch Geld übrig hätte, würde ich eben gucken, wir werden älter, Pyramide seit den 70er Jahren, ist klar. Und welche Unternehmen sind ziemlich stark und vielleicht sogar nischig, aber spezialisiert auf demografiegetriebene Modelle? Weil egal, was dann passiert, die wird es morgen noch geben, weil das ist kein Nice-to-have. Wenn einer eine chronische Wunde hat und gedreht werden muss nachts, muss das aber gemacht werden, die Krankenkassen müssen das bezahlen und das Letzte, was die streichen würden, ne. Also das ist so mein Tipp, vielleicht demografiegetriebene Geschäftsmodelle.

Was Technik für ältere Menschen ändern kann

Lukas: Und vielleicht noch mal auf unsere Anschlussfrage oder Aussage zurückzukommen: Wenn die Menschen 150 Jahre alt werden, sagen wir 120, 130 Jahre, hat ja vielleicht auch einen Einfluss auf andere Branchen, ja, Unterhaltungsindustrie z.B. Die Menschen wollen ja auch unterhalten werden, die werden ja vielleicht nicht nur zu Hause rumliegen. Siehst du da auch interessante Möglichkeiten? Wenn man den Blick weitet, wenn man einfach davon ausgeht, die Menschen werden älter?

Roboter, Datenbrillen und digitale Teilhabe

Prof. Dr. David Matusiewicz: Ja, also das ist ja jetzt so, dass viele in Altersheimen sind und sich da einfach langweilen und nichts passiert. Und wir müssen nur so Filme wie in den 90ern Surrogates uns anschauen mit Bruce Willis, wo er, wo die Menschen zu Hause bleiben, weil gefährlich geworden ist, vorm Fernseher mit einer Brille und dort ihre Roboter socializen, rumlaufen. Also ich stelle, also ich kann mir schon vorstellen, dass wenn man jetzt diese Technologien, die exponentielle KI, Robotik verbindet, zum Beispiel, also Physical AI nennt man das, dass jeder seinen Roboter hat mit Sensoren, Augen und so weiter, und die dann arbeiten gehen und die dann sich in Dinge machen, einkaufen, wo man keine Lust hat. Glaube ich, auch für Ältere wird das sehr, sehr spannendes Leben sein. Und ich habe zum Beispiel, das Letzte, was ich mir gekauft habe, ist die Ray-Ban Meta, wo ich mit telefonieren kann und so weiter. Und es gibt in den USA die schon mit so einem kleinen Screen in dem Glas. Wie ein Head-up-Display. Und das ist ja die Zukunft, man so überlegt, dass man so zu Hause ist oder unterwegs ist und dort trotzdem schafft Menschheit durch Technik so eine Verbindung zu anderen Menschen. Oder man kann sich Dinge angucken. Und ich war zum Beispiel letzte Woche in Litauen und die hat auf dem Marktplatz dort einen riesigen Spiegel, digitalen, und da waren andere Menschen aus anderen Nationen gleichzeitig in ihren Spiegel geguckt. Man konnte sich gegenseitig winken. Das ist ein schönes Symbolbild für das: Technologie verbindet Menschen. Weil viele ja sagen, dass alle werden nur einsam und so weiter. Aber gerade in meiner Branche Pflege ältere Menschen, die können nicht mehr teilweise rausgehen oder können nicht mal eben eine Weltreise machen, können das digital machen. Und das ist gesellschaftliche Teilhabe.

Verabschiedung

Lukas: Das war Professor Dr. David Matusiewicz. David, vielen Dank für deine Zeit.

Prof. Dr. David Matusiewicz: Gerne.

Lukas: Wenn euch interessiert, was David sonst so macht, findet ihr einen Link unten in der Beschreibung auf jeden Fall. Und David, ich wünsche dir ganz viel Erfolg und viel Spaß along the way.

Prof. Dr. David Matusiewicz: Danke und folgt mir auf LinkedIn.

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