Snippet Summary
- Was ist die Zahltagstrategie? Ein einkommensorientierter Investmentansatz von Nils Gajowiy, der auf Dividenden-Wachstumsaktien (Sachwerte) setzt.
- Wie funktioniert sie? Durch Investition in ca. 100 Unternehmen entstehen hunderte Zahltage pro Jahr.
- Zeitaufwand: Dank des Waltons-Prinzips nur ca. 15 Minuten täglich.
- Zusatzrendite: Durch den Verkauf von Stillhalteroptionen (Puts).
- Kernvorteil: Fokus auf passives Einkommen statt auf unsichere Kursgewinne.
Wer an der Börse investiert, jagt oft dem nächsten großen Hype hinterher. Doch während die meisten Anleger auf Kursraketen hoffen, die sie erst durch einen Verkauf zu Bargeld machen können, verfolgt Nils Gajowiy einen fundamental anderen Ansatz. Seine Zahltagstrategie ist eine einkommensorientierte Investitionsphilosophie, die darauf abzielt, produktive Sachwerte zu erwerben, die regelmäßige Dividenden ausschütten. Das Ziel ist klar definiert: Ein Cashflow-System, das den Lebensabend finanziert oder eine Zusatzrente generiert. In diesem Artikel analysieren wir, wie die Zahltagstrategie funktioniert, warum sie psychologisch überlegen ist und wie du sie mit minimalem Zeitaufwand umsetzt.

Vom Daytrading zur Einkommens-Philosophie: Warum Cashflow wichtiger ist als Kursgewinne
Nils Gajowiy startete seine Karriere am entgegengesetzten Ende des Spektrums: als Daytrader. Der Traum von der schnellen Million war nur zwei Klicks entfernt – doch die Realität sah anders aus. Erst nach drei Jahren wurde er profitabel, und nach fast einem Jahrzehnt folgte die Ernüchterung. „Ich habe mir meinen Stundenlohn als Daytrader ausgerechnet und festgestellt, das ist nicht so prickelnd“, erklärt Gajowiy. Die Erkenntnis: Wer nicht aktiv tradet, verdient kein Geld. Auf der Suche nach den wirklich wohlhabenden Menschen dieser Welt stieß er auf Warren Buffett – und nicht auf Daytrader.

Der Kern der Zahltagstrategie liegt im Paradigmenwechsel weg von der reinen Performance-Messung hin zum Cashflow. Während der genormte deutsche Angestellte zwölf Monatsgehälter bezieht, generiert ein Depot aus beispielsweise 100 US-Unternehmen, die quartalsweise ausschütten, rein mathematisch 400 Zahltage im Jahr. Der entscheidende Vorteil: „Von den Kursgewinnen kann ich mir erst was kaufen, wenn ich die Aktien verkaufe – und genau das will ich ja nicht.“ Die Dividende hingegen ist der Gewinnanteil, der direkt in dein Portemonnaie fließt, ohne dass du die Substanz deines Vermögens angreifen musst.
Das Waltons-Prinzip: Effiziente Depotpflege und die Selektion von Dividenden-Champions
Ein häufiges Vorurteil gegenüber großen Depots mit 70 oder 100 Einzelwerten ist der vermeintlich hohe Arbeitsaufwand. Gajowiy entkräftet dies mit dem „Waltons-Prinzip“, angelehnt an die bekannte US-Fernsehserie über eine Großfamilie. In einem Aktiendepot gibt es, genau wie bei den Waltons, „erwachsene Aktien“ und „kleine Kinder“. Etablierte Blue-Chips wie Coca-Cola oder McDonald’s sind die Erwachsenen: Sie erhöhen seit Jahrzehnten ihre Ausschüttungen und benötigen kaum Aufmerksamkeit. Hier reicht das Prinzip „Buy and Hold and Check“ – einmal im Jahr draufschauen genügt.

Die „kleinen Kinder“ hingegen sind Neukäufe, die sich ihre Sporen erst verdienen müssen. Diese Titel setzt man zwischen die Leitplanken und beobachtet sie enger. Dennoch betont Gajowiy, dass die Depotpflege für einen Privatier nicht mehr als 10 bis 15 Minuten am Tag in Anspruch nehmen sollte. Statt die Tagesschau zu schauen, investiert man diese Zeit in den Blick ins Depot.
Für die Auswahl dieser Werte nutzt er eine systematische Datenbasis: die Liste der Dividenden-Champions. Diese Excel-Tabelle enthält rund 700 Unternehmen, die ihre Dividenden seit mindestens 5 bis hin zu 65 Jahren jedes Jahr angehoben haben. Dieses Dividend Growth Investing (DGI) basiert auf harten Fakten wie dem Earnings per Share (EPS) und den Steigerungsraten, statt auf vagen Marktgerüchten.
Yield on Cost und Dividenden-Wachstum: Der mathematische Turbo für dein passives Einkommen
Ein kritischer Punkt bei der Zahltagstrategie ist die Balance zwischen aktuelle Dividendenrendite und zukünftigem Wachstum. Gajowiy macht deutlich, dass die Strategie individuell an die Lebenssituation angepasst werden muss. Für einen Anleger über 60 machen Aktien mit 1 % Rendite wie Apple oder Microsoft wenig Sinn, da das Einkommen zeitnah benötigt wird. Hier liegt der Fokus auf einer höheren Einstiegsdividende von etwa 4 % bis 6 %, idealerweise kombiniert mit Steigerungsraten über der Inflationsrate, um die Kaufkraft zu erhalten.
Für junge Anleger hingegen ist das Dividenden-Wachstum der wahre Hebel. Titel wie Visa oder Mastercard bieten zwar eine geringe aktuelle Rendite, steigern diese aber so massiv, dass man nach 10 bis 20 Jahren bei einer persönlichen Kostenrendite (Yield on Cost) von 10 % oder mehr auf das ursprünglich eingesetzte Kapital landet. „Die Dividenden selbst sind ein komplementärer Zahlungsstrom zu deinen eigenen Investitionsanstrengungen“, so Gajowiy. Sie erhöhen die Sparrate organisch und beschleunigen den Zinseszinseffekt exponentiell.
Stillhalteroptionen als Strategie-Garnitur: Cashflow generieren, bevor die Aktie im Depot liegt
Obwohl die Zahltagstrategie auf langfristigen Investitionen basiert, nutzt Gajowiy Stillhalteroptionen als taktische Ergänzung. Anstatt eine Aktie wie Microsoft zum aktuellen (vielleicht überbewerteten) Preis direkt im Markt zu kaufen, verkauft er Put-Optionen auf einem Niveau, zu dem er die Aktie gerne besitzen würde.

Der Vorteil: Er kassiert sofort eine Optionsprämie – also Cashflow –, während er darauf wartet, dass die Aktie auf seinen Wunschpreis fällt. Wird die Option nicht ausgeübt, behält er die Prämie als Zusatzrendite. Wird sie ausgeübt, bekommt er die Qualitätsaktie zu seinem „Schnäppchenpreis“ ins Depot gebucht. Diese Kombination aus fundamentaler Analyse und technischem Timing optimiert den Einstieg und generiert Einkommen in Seitwärtsphasen.
Technologiewerte im Fokus: Zwischen KI-Hype und unterbewerteten Infrastruktur-Profiteuren
Im aktuellen Marktumfeld, das stark von Künstlicher Intelligenz (KI) getrieben ist, warnt Gajowiy vor blindem Hinterherlaufen. Er sucht stattdessen nach Werten, die indirekt von der Digitalisierung profitieren, ohne im grellen Rampenlicht zu stehen. Ein Beispiel ist Corning, ein Spezialist für Glastechnologie. Corning produziert nicht nur das Gorilla Glass für iPhones, sondern ist als Glasfaserhersteller ein essenzieller Infrastruktur-Dienstleister für Datencenter und KI-Anwendungen.
Ein weiteres Beispiel für antizyklisches Denken ist Paychex, ein Unternehmen im Bereich Human Resources. Während der Markt befürchtet, dass KI-Agenten das Personalwesen ersetzen könnten, sieht Gajowiy die Chance, dass Paychex KI integriert, um seinen Kunden noch effizientere Outsourcing-Lösungen anzubieten. Wenn eine Aktie aufgrund solcher Ängste massiv fällt, aber eine Historie von 20 Jahren Dividendensteigerungen aufweist, wird sie für die Zahltagstrategie interessant.
Fazit: Dein Weg zur finanziellen Souveränität – Einfach anfangen und Fehler frühzeitig machen

Der wichtigste Rat von Nils Gajowiy an junge Menschen ist simpel: „Fang einfach an.“ Viele zögern aus Angst vor Fehlern, doch gerade am Anfang, wenn das Kapital noch gering ist, sind Fehler die besten Lehrmeister. Ein Verlust von 50 % bei 100 Euro schmerzt nicht, lehrt aber die notwendige psychologische Disziplin für spätere Millionenbeträge.
Die Zahltagstrategie ist kein „Get Rich Quick“-Schema, sondern ein Handwerk, das Geduld und einen langen Atem erfordert. Sie bietet jedoch einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem reinen Trading: Sie ist weitgehend passiv. „Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, habe ich mehr Geld auf dem Konto als wenn ich in den Urlaub fahre.“ Wer dieses Ziel erreichen will, sollte aufhören, den Markt schlagen zu wollen, und anfangen, ein System aus produktiven Sachwerten aufzubauen.
Key Takeaways
• Fokus: Cashflow durch Dividenden ist wichtiger als spekulative Kursgewinne.
• System: Nutze die „Dividend Champions“-Liste für objektive Auswahlkriterien.
• Effizienz: Unterscheide zwischen „erwachsenen“ Aktien und Neukäufen.
• Turbo: Reinvestiere Dividenden und nutze Stillhalteroptionen.
• Mindset: Fang klein an, um die psychologische Schmerzgrenze zu trainieren.
Häufige Fragen
Wie viele Aktien brauche ich für diesen Ansatz?
Es gibt keine feste Zahl. Nils Gajowiy hält über 100 Werte zur Streuung, man kann aber mit 10 starten.
Warum US-Aktien?
US-Unternehmen haben eine starke Dividendenkultur und schütten meist quartalsweise aus.
Ist der Ansatz Auch für junge Anleger geeignet?
Ja, wegen des Zinseszinseffekts und des zukünftigen Yield on Cost.
Infobox: Der Interviewpartner
Nils Gajowiy ist erfahrener Investor und Gründer der „Zahltagstrategie“. Nach einer Karriere als Daytrader spezialisierte er sich auf einkommensbasierte Investitionen in produktive Sachwerte. Er teilt sein Wissen in seinem „Inner Circle“ und auf seinem YouTube-Kanal.
Disclaimer:
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.
