Geld sparen und investieren – für viele klingt das nach zwei getrennten Welten. Die eine ist kleinkariert und mühsam, die andere groß und komplex. Heiko von Wittken, Betreiber des Kanals ReichDurchSparen, denkt das radikal anders. Am Rand des Börsentags Frankfurt erklärt er, warum Alltagsersparnisse kein Haushaltsbuch-Thema sind – sondern die erste, oft übersehene Investitionsentscheidung. Wer geld sparen und investieren als System versteht, generiert Kapital, das sonst schlicht nie existiert hätte.
Das verkannte Fundament: Warum die meisten kein Geld zum Investieren haben
Das Starbucks-Problem: Konsumverhalten als stiller Kapitalvernichter
Heiko hat seinen Kanal nicht aus einer Theorie heraus gegründet, sondern aus einer Beobachtung: Viele Menschen erklären ihm, sie hätten kein Geld zum Investieren. Dieselben Menschen kaufen sich aber täglich ihren Coffee-to-go, abonnieren drei Streamingdienste und wechseln ihren Telefontarif seit Jahren nicht.
„Mir haben viele Leute mal gesagt: Ich habe kein Geld zum Investieren. Die kaufen sich aber jeden Tag beim Bäcker ihre Starbucks-Sachen. Das ist das, was ich aufzeigen will: Es gibt einen zusätzlichen Weg, wie du mehr Geld hast.“
Heiko von Wittken, ReichDurchSparen
Das ist kein moralischer Vorwurf. Es ist eine strukturelle Diagnose. Das Geld ist vorhanden – es fließt nur in die falsche Richtung, bevor es je die Chance bekommt, zu arbeiten. Konsumverhalten ist dabei weniger eine Frage des Charakters als der Gewohnheit.
Lifestyle Inflation – der Fachbegriff für „Gehaltserhöhung weg, weiß nicht wohin“
Verhaltensökonomen nennen dieses Phänomen Lifestyle Inflation: Steigt das Einkommen, steigen die Ausgaben proportional – oft völlig unbewusst. Nobelpreisträger Richard Thaler beschreibt in seiner Theorie der mentalen Buchführung, wie Menschen eine Gehaltserhöhung nicht als Sparchance, sondern als Bonus erleben und sie entsprechend ausgeben.
„Komm, dann gehen wir jetzt ein paar Mal essen und dann ist die auch wieder weg.“
Heiko von Wittken über Gehaltserhöhungen
Das Gegenangebot ist kein Verzicht – sondern Bewusstsein. Wer weiß, dass er gerade ohnehin bei Ikea einkauft, kann eine Minute früher nachschauen, ob er den Kauf nicht günstiger gestalten kann. Ein Notgroschen von drei Monatsgehältern sollte dabei das Fundament sein – erst danach fließt eingesparte Liquidität in den Sparplan.
Der Gutschein-Hebel: Wie du 10–30 % Sofortrendite auf Käufe holst, die du sowieso tätigst
Rabattierte Gutscheine kaufen – das Prinzip einfach erklärt
Das Kernprinzip ist so simpel, dass es viele für einen Trick halten. Es ist keiner. Bei zahlreichen Händlern – online wie offline – können Gutscheine im Vorhinein günstiger gekauft werden als ihr Nennwert. Wer sowieso bei Ikea, Zalando oder einem großen Online-Händler kauft, zahlt damit schlicht weniger – ohne das Kaufverhalten auch nur minimal zu verändern.
Die Ersparnis: 10 bis 30 Prozent, je nach Anbieter und Aktion. Nicht als einmaliger Glücksfall, sondern systematisch und reproduzierbar. Investiert man diese Ersparnis direkt in einen ETF-Sparplan, entsteht echter Vermögensaufbau aus Geld, das vorher spurlos verschwand.
Benefit Buddy, Wunschgutscheine & Payback: Welche Anbieter sich lohnen
Heiko nennt konkrete Anlaufstellen: Benefit Buddy (eine Tochtergesellschaft von Kaduz), die von vielen Arbeitgebern sogar als Mitarbeiterleistung angeboten wird, sowie Wunschgutschein-Aktionen über Payback. Beide sind keine Nischenlösungen – sie funktionieren bei den Händlern des Alltags.
Für Datenschutz-Skeptiker hat Heiko eine nüchterne Einordnung: Die relevanten persönlichen Daten – E-Mail, Handynummer – seien bereits bei zahllosen Plattformen gespeichert. Wer Social Media nutzt und trotzdem Cashback-Programme ablehnt, spare an der falschen Stelle. Wer eine zusätzliche Schutzschicht möchte, löst das mit einer separaten E-Mail-Adresse.
Cashback Stacking: Wie du bei einem Einkauf doppelt sparst
Die fortgeschrittene Variante ist das sogenannte Cashback Stacking: Erst einen rabattierten Gutschein kaufen, dann damit an der Kasse bezahlen – und gleichzeitig über eine Cashback App noch einen Rückerstattungsbetrag mitnehmen. Zwei Rabattstufen bei einer einzigen Transaktion.
Das Ergebnis sind garantierte, risikofreie Renditen auf geplante Ausgaben. Eine Sofortrendite von 5–10 Prozent übertrifft jeden Festgeldzins der aktuellen Zinslandschaft – ohne Marktrisiko, ohne Wartezeit.
Die Psychologie des eingesparten Euros – warum dieses Geld anders ist
Mental Accounting: Bonusgeld vs. normales Gehalt
Heiko wendet das Prinzip des Mental Accounting instinktiv an: Eingesparte Euros werden nicht als Teil des normalen Budgets behandelt, sondern als zusätzliches Kapital mit anderer mentaler Buchführung.
„Dieses eingesparte Geld ist Geld, mit dem man eigentlich nicht rechnet. Du hast es zusätzlich – und mit dem Geld kann ich teilweise auch ein höheres Risiko eingehen.“
Heiko von Wittken, ReichDurchSparen
Der entscheidende psychologische Mechanismus: Wer sich klarmacht, dass er dieses Geld nie eingeplant hatte, kann es mit größerer innerer Freiheit einsetzen – ohne das Sicherheitsgefühl zu gefährden. Erst der Notgroschen, dann die Investition.
Heikos Ansatz: Mit dem gesparten Kapital bewusst mehr Risiko eingehen
Heiko trennt sein Portfolio gedanklich klar: Rund 70 Prozent liegt in einem klassischen, langfristig bespielten ETF-Sparplan. Den Rest – gespeist aus eingesparten Beträgen – nutzt er flexibler: Einzeltitel in stabilen, großen Unternehmen, eine bewusst klein gehaltene Krypto-Beimischung.
Kein GameStop, keine Spekulationswetten. Sondern ein klar strukturierter Plan, der Investitionskapital aus Alltagsersparnissen generiert – und den Zinseszins-Effekt langfristig für sich arbeiten lässt. Besonders bemerkenswert: Heiko hat auch für seine Kinder bereits Depots eingerichtet.
Von der Ersparnis zum ETF-Sparplan – die Brücke, die die meisten nie bauen
Das 70/30-Prinzip: ETF als Fundament, Einzelaktien als Beimischung
Heikos Investitionsstruktur repräsentiert das, was unabhängige Finanzstudien – darunter die jährliche SPIVA-Auswertung – immer wieder bestätigen: Ein breit diversifizierter ETF-Sparplan als stabiles Fundament, ergänzt durch einen kleineren aktiven Anteil. Diese Kombination aus Disziplin und kalkuliertem Risiko ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gelebter Erfahrung.
Versicherung wechseln, Telefonanbieter wechseln: Die 1.000-Euro-Lücke schließen
Es gibt eine Kategorie von Einsparungen, die Heiko mit hörbarer Frustration beschreibt: die Quick Wins, die jeder kennt, aber kaum jemand nutzt. Versicherung wechseln sparen, Handyvertrag-Optimierung – der Unterschied zwischen dem aktuellen und dem günstigsten Anbieter beläuft sich laut Heiko häufig auf 100 bis 1.000 Euro jährlich.
Das ist Geld, das bei einem jährlichen Check einmalig freigesetzt wird – und dann direkt in den ETF-Sparplan fließen kann. Einmal handeln, dauerhaft profitieren.
Automatisiertes Sparen: Warum der Dauerauftrag klüger ist als Disziplin
Der Idealzustand: Wer das System einmal aufgebaut hat, macht Alltagsersparnisse quasi automatisch. Keine monatliche Willensanstrengung, kein Impulskonsum. Heiko beschreibt es präzise: Es ist eine Minutensache, integriert in jeden größeren Einkauf.
Das klassische Prinzip des automatisierten Sparens gilt hier uneingeschränkt: Wer den eingesparten Betrag per Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang in den Sparplan transferiert, entfernt die Entscheidung aus dem Alltag. Das Investitionskapital arbeitet, bevor der Impulskonsum es aufbraucht.
Was Alltagssparer von Investoren lernen können – und umgekehrt
Aufwand vs. Ertrag: Wann lohnt sich der „Step vorher“ wirklich?
Heiko räumt ein, dass sein Content für manche überfrachtet wirkt – zu viele Optionen, zu viele Tools. Sein Gegenmittel ist ein klares Prinzip: Kein Mensch muss alles nutzen. Die relevante Frage ist nicht: „Wo kann ich überall sparen?“ Sondern: „Bei welchen ohnehin geplanten Ausgaben lässt sich Investitionskapital freisetzen?“
Genau dort – und nur dort – lohnt sich der „Step vorher“ am meisten. Der Rest ist optional.
Datenschutz und Cashback-App: Die wichtigsten Fragen beantwortet
Der häufigste Einwand gegen Cashback-Programme ist der Datenschutz. Heiko hält dagegen: Die Daten, die typischerweise angegeben werden müssen, sind in der heutigen digitalen Realität keine Geheimnisse mehr. Eine dedizierte E-Mail-Adresse löst das Problem vollständig – und bringt teils sogar Prämien.
Fazit – Sparen ist kein Verzicht, sondern die erste Investitionsentscheidung
Die Kernthese von Heiko von Wittken ist so unbequem wie einleuchtend: Wer ernsthaft geld sparen und investieren will, muss nicht zuerst sein Einkommen erhöhen. Er muss zuerst aufhören, das vorhandene Kapital passiv zu verbrennen.
Rabattierte Gutscheine, Cashback Stacking, Versicherungswechsel, Telefonanbieterwechsel – das sind keine Tricks für Finanzmuffel. Das sind Werkzeuge zur Generierung von Investitionskapital, das sonst schlicht nicht existieren würde. Geld sparen und investieren hängen direkt zusammen: Das eine ermöglicht das andere.
KEY TAKEAWAYS
⭐ Das Wichtigste auf einen Blick |
1. Sparen = Investitionskapital: Eingesparte Euros sind kein Kleingeld – sie sind der Rohstoff für deinen ETF-Sparplan. |
2. Gutschein-Hebel: Rabattierte Gutscheine für Händler, bei denen du sowieso kaufst, liefern 10–30 % Sofortrendite. |
3. Cashback Stacking: Gutschein + Cashback App = doppelte Ersparnis bei einem Einkauf. |
4. Lifestyle Inflation bekämpfen: Bewusstes Konsumverhalten ändern, bevor Gehaltserhöhungen einfach verschwinden. |
5. Quick Wins nutzen: Versicherung wechseln und Telefonanbieter wechseln – 100–1.000 €/Jahr ersparen. |
6. Notgroschen zuerst: 3 Monatsgehälter als Puffer, dann automatisierter Sparplan. |
7. 70 % ETF-Fundament + 30 % flexibler Anteil = strukturierter Vermögensaufbau. |
Häufige Fragen
Wie viel kann ich durch Gutscheine und Cashback im Jahr wirklich sparen?
Das hängt stark von deinen Ausgabeposten ab. Heiko von Wittken beschreibt, dass allein bei Discountern und großen Online-Händlern 10–30 % bei ohnehin geplanten Käufen drin sind. Wer zusätzlich Versicherung und Telefonanbieter wechselt, kann realistisch 500–1.500 Euro jährlich freisetzen – als Investitionskapital.
Ist Cashback Stacking legal und für jeden verfügbar?
Ja, Cashback Stacking ist vollständig legal. Es bezeichnet die Kombination eines im Voraus günstiger gekauften Gutscheins mit einer Cashback-Rückerstattung über Plattformen wie Payback, Benefit Buddy oder vergleichbare Anbieter. Die meisten großen Händler erlauben diese Kombination ausdrücklich.
Wie viel Risiko sollte ich mit eingesparten Beträgen eingehen?
Heiko von Wittken empfiehlt eine klare Trennung: Das Fundament bleibt ein breit diversifizierter ETF-Sparplan (rund 70 %), der langfristig bespart wird. Eingesparte Beträge können für einen höheren Risikoanteil genutzt werden – da es sich um Kapital handelt, das man „sowieso nicht hatte“. Zuerst jedoch den Notgroschen von drei Monatsgehältern absichern.
Was ist Lifestyle Inflation und wie vermeide ich sie?
Lifestyle Inflation beschreibt das Phänomen, dass Ausgaben proportional mit dem Einkommen steigen – oft unbewusst. Eine Gehaltserhöhung wird nicht gespart, sondern konsumiert. Die wirksamste Gegenmaßnahme: Automatisiertes Sparen per Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang. Wer das Geld abzieht, bevor es in den Konsum fließen kann, durchbricht den Kreislauf.
Wie fange ich an, wenn ich noch kein Depot habe?
Der erste Schritt ist ein kostenloses Wertpapierdepot bei einer Direktbank oder einem Neobroker. Danach einen ETF-Sparplan auf einen weltweiten Index (z. B. MSCI World oder MSCI ACWI) einrichten – bereits ab 25 Euro monatlich möglich. Parallel dazu einen Cashback-Account anlegen und die erste Gutschein-Ersparnis direkt in den Sparplan umleiten.
Disclaimer:
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.
Laura Podleska & Lukas Beisswenger
Msion Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären

