Stand: Juni 2026 · Lesedauer: ca. 10 Minuten
Was ist Stockpicking?
Stockpicking bezeichnet das gezielte Aussuchen einzelner Aktien, statt breit gestreut in den Gesamtmarkt zu investieren, zum Beispiel über einen Indexfonds. Wer Stockpicking betreibt, wählt Unternehmen nach eigenen Kriterien aus und setzt darauf, dass diese sich besser entwickeln als der breite Markt.
Im Internet liest man meist denselben Rat: ETF kaufen, langfristig halten, fertig. Mick Knauff sieht das 2026 differenzierter. Genau das haben wir den Börsenexperten von Aktienlust im Interview gefragt, und seine Antwort ist eine klare Ansage: In einem nervösen Markt reicht reines Liegenlassen nicht mehr, jetzt zählt Stockpicking. Aber nur, wenn du eine Regel beherzigst.
Mick redet seit über drei Jahrzehnten über Aktien. Er hat Crashs kommen und gehen sehen, und er ist überzeugter Dividendenjäger. Wir gehen mit ihm durch, warum er gerade jetzt auf Einzelwerte schaut, wo ETFs trotzdem ihren Platz behalten und wie du den Einstieg schaffst, ohne dich zu verzetteln.
Wer ist Mick Knauff?
Mick Knauff ist seit rund 30 Jahren an der Börse aktiv und betreibt den Kanal Aktienlust, auf dem er über Märkte, Einzelwerte und Strategien spricht. Sein Stil ist der eines Pragmatikers. Er hält nichts von reiner Chartleserei, sondern will Geschäftsmodelle verstehen, die er anfassen kann.
Mick beschreibt sich selbst als Dividendenjäger. Er sucht Aktien, die ihm verlässlich eine Ausschüttung bringen, und denkt dabei in Jahrzehnten statt in Wochen. Was ihn im Gespräch ausmacht: Er macht Geldanlage an Alltagsbeispielen fest und nimmt Einsteigern die Angst vor einem Thema, das viele für komplizierter halten, als es ist.
| Name | Rolle | Kanal | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| Mick Knauff | Börsenexperte, 30+ Jahre Erfahrung | Aktienlust | Einzelaktien, Dividendenstrategie |
Warum Mick 2026 wieder genauer hinschaut
Der Auslöser für Micks These ist die Großwetterlage am Markt. Er verweist auf die geopolitischen Spannungen rund um den Iran, auf die Energiefrage und auf die Sorge, dass Lieferketten durcheinandergeraten. Dazu kommt ein Sektor, der zuletzt heißgelaufen war: Alles rund um Künstliche Intelligenz wurde massiv gehypt und kommt aktuell wieder zurück.
In so einem Umfeld trennt sich die Spreu vom Weizen. Mick spitzt es zu: Man muss sehr genau schauen, welche Branchen und welche Aktien noch Potenzial haben, welche schon abgestraft wurden und welche schlicht zu teuer sind. Genau dieses Hinschauen meint er mit Stockpicking, also der gezielten Auswahl einzelner Titel statt dem pauschalen Kauf des Gesamtmarkts.
„Selektives Stockpicking ist angesagt.“
— Mick Knauff, Aktienlust (Quelle: Interview Investier oder Verlier)
Wichtig ist die Einordnung. Mick redet nicht gegen Aktien an sich, im Gegenteil. Er stört sich daran, dass viele das Thema meiden. In Deutschland sind nach seiner Aussage nur rund 20 Prozent der Menschen überhaupt am Aktienmarkt investiert. Wie sich die Zahl der Aktionäre in Deutschland entwickelt, erhebt das Deutsche Aktieninstitut regelmäßig. Gerade für junge Leute sei die Zurückhaltung ein Fehler, weil ihnen über 30 oder 40 Jahre der Zinseszinseffekt in die Hände spielt, also das Phänomen, dass auch die Erträge wieder Erträge abwerfen.
„Aktien sind kein Teufelszeug.“
— Mick Knauff, Aktienlust (Quelle: Interview Investier oder Verlier)
ETFs bleiben, aber nicht für jeden Markt
Hier wird Micks Position oft missverstanden. Er hat überhaupt kein Problem mit ETFs. Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen ganzen Index nachbildet, also mit einem einzigen Kauf viele Aktien gleichzeitig abdeckt. Genau das ist für Mick der entscheidende Vorteil in Märkten, die er nicht selbst durchdringt.
Sein Beispiel: den polnischen Markt findet er spannend, die Sprache versteht er nicht. Also kauft er dort lieber einen ETF, statt auf einzelne Aktien zu setzen, deren Geschäftsberichte er nicht lesen kann. So umgeht er das Einzelrisiko, also die Gefahr, dass eine einzige Aktie das Depot belastet. Dasselbe gilt für dynamische, aber für ihn schwer greifbare Märkte wie Japan oder Indien. Auch fürs Kinderdepot, in das viele das Kindergeld stecken, hält er ETFs für die ruhige Lösung.
Für seine Heimatmärkte sieht er es anders. In Deutschland, den USA und mit Abstrichen China kennt er die Unternehmen, die Branchen und die Stimmung gut genug, um Einzeltitel auszuwählen. Wenn du verstehst, was du kaufst, lohnt sich der genauere Blick. Wer einen breiten ETF mit konkreten Einzelwerten kombinieren möchte, findet die Abwägung in unserem Kurzinterview zu Einzelaktien oder ETF.
„Kauf, was du verstehst“ — Micks wichtigste Regel
Wenn Mick einen einzigen Satz mitgeben dürfte, wäre es dieser. Beim Stockpicking zählt für ihn nicht der heiße Tipp, sondern das eigene Verständnis. Die Börse liegt nämlich oft direkt vor deiner Nase.
Mick macht das an seinem Alltag fest. Du hast ein iPhone, also kannst du dir die Apple-Aktie anschauen. Du bestellst bei Amazon, fährst einen BMW, einen VW oder einen Porsche, spielst das neue GTA von Take Two Interactive oder zockst auf einer Sony-Konsole. Aus diesen Berührungspunkten hat man schnell zehn bis fünfzehn Titel, mit denen man sich identifizieren kann. Das ist kein Zufall, sondern ein altes Prinzip: Schon Investorenlegende Peter Lynch riet, in das zu investieren, was man kennt und im Alltag erlebt.
„Mach’s wie Warren Buffett: Kaufe nur das, was du kennst und verstehst, und nicht, was dir irgendeiner zuflüstert.“
— Mick Knauff, Aktienlust (Quelle: Interview Investier oder Verlier)
Im Umkehrschluss meidet Mick, was er nicht durchdringt. Bei komplizierten Konstruktionen, deren Verkaufsprospekt seitenlang und schwer verständlich ist, fragt er sich trocken, ob die Welt auf dieses Produkt wirklich gewartet hat. Einfach schlägt für ihn kompliziert, weil sich in komplexen Produkten leichter Kosten verstecken lassen.
Das gilt auch für eine Anlageklasse, die viele junge Leute reizt. Krypto ist für Mick kein Markt, weil er ihn nicht versteht. Seine Begründung ist bewusst nüchtern gehalten, und es ist seine persönliche Sicht, kein Faktum.
„Der Bitcoin hat für mich einen inneren Wert von Null.“
— Mick Knauff, Aktienlust (Quelle: Interview Investier oder Verlier)
Die Dividendenstrategie als roter Faden
Micks Auswahl folgt einem klaren Ziel: dem regelmäßigen Geldfluss. Als Dividendenjäger sucht er Unternehmen, die ihm eine ordentliche Ausschüttung zahlen, im Idealfall fünf Prozent und mehr. Die Dividendenrendite, also das Verhältnis aus jährlicher Ausschüttung und Aktienkurs, ist für ihn der wichtigste Filter.
Daraus ergibt sich seine Geduld bei der Bewertung. Eine Aktie wie die Allianz findet er grundsätzlich attraktiv, aktuell aber zu teuer. Statt dem Kurs hinterherzulaufen, wartet er, bis sie zurückkommt. Eine Kennzahl wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), also der Aktienkurs im Verhältnis zum Jahresgewinn, hilft dabei einzuschätzen, ob ein Wert teuer oder günstig ist. Bei deutschen Titeln schaut Mick gern auf den DAX und auf solide Werte aus dem Mittelstand, den er das Herz der deutschen Wirtschaft nennt. Wenn ein Unternehmen wie der Aachener Chipausrüster Aixtron stark abgestraft wurde, aber nicht vor der Insolvenz steht, sieht er darin eher Potenzial als Gefahr.
Der Hebel dahinter ist wieder der Zinseszins. Wer die passenden Papiere früh kauft und einfach laufen lässt, baut sich über die Jahre ein passives Einkommen auf, das ganz ohne weiteres Zutun wächst. Wie dieser Effekt im Detail wirkt, zeigen wir in unserer Folge zu passivem Einkommen mit Dividenden.
Stockpicking gegen den Index — was du wissen solltest
So überzeugend Micks Pragmatismus klingt, der Vollständigkeit halber gehört die Gegenseite dazu. Die Wissenschaft ist beim Thema Stockpicking skeptisch. Die sogenannte Markteffizienzhypothese besagt, dass im Aktienkurs ohnehin alle bekannten Informationen stecken und sich durch die Auswahl einzelner Aktien dauerhaft kaum eine Überrendite erzielen lässt. Viele Studien zeigen, dass die Mehrheit der aktiven Anleger und Fonds den breiten Index über lange Zeiträume nicht schlägt. Wer das nachlesen will, findet bei Finanztip eine fundierte Einordnung zu Indexfonds und ETFs.
Genau deshalb ist Micks Wort „selektiv“ so wichtig. Er ruft nicht dazu auf, das gesamte Depot auf wilde Einzelwetten umzustellen. Er kombiniert: ETFs als breite Basis für Märkte, die er nicht kennt, dazu gezielte Einzelaktien dort, wo er einen echten Informationsvorsprung hat. Diversifikation, also das Verteilen des Geldes auf viele Werte, bleibt auch für ihn die Grundregel jeder seriösen Geldanlage.
Für dich heißt das: Stockpicking ist kein Ersatz für ein breit gestreutes Fundament, sondern eine Ergänzung für den Teil deines Geldes, bei dem du wirklich verstehst, worin du investierst. Wer noch ganz am Anfang steht, klärt am besten zuerst die Basics und liest, was Aktien überhaupt sind.
Der teuerste Fehler ist Panik
Bleibt die größte Hürde, und die ist psychologisch. Mick beschreibt ein paradoxes Verhalten. Im Supermarkt freuen sich alle über Rabatte und greifen beim Sonderangebot zu. An der Börse machen dieselben Leute das Gegenteil: Sie kaufen, wenn die Kurse hoch sind, und verkaufen panisch, wenn es nach unten geht.
Genau hier liegt der teuerste Fehler beim Vermögensaufbau. Mick erinnert an die Ölkrise, an die Lehman-Pleite und an den Corona-Crash. Solche heftigen Kursschwankungen, im Fachjargon Volatilität genannt, gehören zum Aktienmarkt dazu. Alle diese Einbrüche fühlten sich im Moment bedrohlich an, und alle wurden über die Zeit wieder aufgeholt. Krisen kommen und gehen, das sollte dich nicht davon abhalten, weiter zu investieren. Solange der Anlagehorizont stimmt, rät Mick bei Rücksetzern eher zum Drinbleiben oder Nachkaufen als zum Verkaufen, denn wer in der Panik verkauft, schreibt Verluste fest, die er gar nicht hätte realisieren müssen.
Fazit: Verstehen schlägt nachplappern
Drei Dinge nimmst du aus dem Gespräch mit Mick Knauff mit. Erstens: 2026 lohnt sich beim Stockpicking ein genauerer Blick, weil ein nervöser Markt Gewinner und Verlierer deutlicher trennt. Zweitens: ETFs bleiben die ruhige Basis für Märkte, die du nicht kennst, während Einzelaktien dort sinnvoll sind, wo du das Geschäft wirklich verstehst. Drittens: Der größte Hebel ist dein eigenes Verhalten, also nicht in der Panik verkaufen und mit Geduld auf gute Einstiegskurse warten.
Stockpicking ist am Ende keine Frage von heißen Tipps, sondern von Verständnis und Ruhe. Wer nur kauft, was er begreift, breit streut und Krisen aushält, braucht den schnellen Treffer nicht. Und schläft nebenbei deutlich besser.
⭐ Das Wichtigste auf einen Blick
1. Stockpicking ist die gezielte Auswahl einzelner Aktien statt des pauschalen Kaufs des Gesamtmarkts über einen ETF.
2. Laut Mick Knauff lohnt 2026 in einem nervösen Markt selektives Stockpicking, ETFs bleiben aber die Basis für Märkte, die man nicht versteht.
3. Micks wichtigste Regel: nur kaufen, was du verstehst, am besten Unternehmen aus dem eigenen Alltag.
4. Als Dividendenjäger sucht Mick Aktien mit hoher Dividendenrendite und nutzt den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte.
5. Der teuerste Fehler ist Panikverkauf: Krisen wie Corona oder Lehman wurden historisch wieder aufgeholt.
Häufige Fragen
Was versteht man unter Stockpicking?
Stockpicking ist das gezielte Auswählen einzelner Aktien nach eigenen Kriterien, statt breit gestreut in den Gesamtmarkt zu investieren. Ziel ist, Unternehmen zu finden, die sich besser entwickeln als der breite Index.
Ist Stockpicking sinnvoll oder besser ein ETF?
Beides hat seine Berechtigung. Börsenexperte Mick Knauff nutzt ETFs als breite Basis für Märkte, die er nicht kennt, und greift zu Einzelaktien dort, wo er das Geschäft versteht. Für Einsteiger ist ein breit gestreuter ETF der ruhigere Start, Einzelaktien sind eine Ergänzung.
Ist die Aktienauswahl eine gute Idee für Anfänger?
Sie kann es sein, wenn du dich auf Unternehmen beschränkst, die du wirklich verstehst. Laut Mick Knauff findet man die ersten Kandidaten im eigenen Alltag, etwa bei Produkten, die man selbst nutzt. Wichtig bleibt, das Geld nicht auf wenige Werte zu konzentrieren, sondern breit zu streuen.
Wie fange ich mit Einzelaktien an?
Starte mit Branchen und Unternehmen, die du aus deinem Leben kennst, und schau dir ihre Geschäftszahlen an, etwa das Verhältnis von Kurs zu Gewinn. Mick rät, einfache, verständliche Geschäftsmodelle komplizierten Finanzprodukten vorzuziehen.
Warum sollte man bei fallenden Kursen nicht verkaufen?
Weil sich Verluste erst beim Verkauf realisieren. Mick verweist auf Krisen wie die Lehman-Pleite und den Corona-Crash, die historisch wieder aufgeholt wurden. Wer einen langen Anlagehorizont hat, fährt mit Drinbleiben oder Nachkaufen meist besser als mit Panikverkäufen.
Disclaimer:
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.

