Value Investing: Warum das beste Unternehmen nicht die beste Aktie ist

Mark Böschen, Redaktionsleiter von The Market NZZ, beim Anlegertag München im Interview über Value Investing

Veröffentlicht am 18. Juni 2026 · Lesedauer ca. 12 Minuten

Was ist Value Investing? Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der du Aktien kaufst, deren Kurs unter ihrem tatsächlichen Wert liegt. Statt dem Hype um ein beliebtes Produkt zu folgen, schaust du auf die Bewertung, die Wettbewerbsposition und die Risiken eines Unternehmens. Das Ziel ist simpel: solide Firmen zu einem fairen Preis kaufen und langfristig halten.

Das beste Produkt der Welt kann dich an der Börse trotzdem Geld kosten. Wer die Biontech-Aktie zum Höchstkurs gekauft hat, hat das schmerzhaft gelernt. Warum ein gutes Unternehmen längst kein gutes Investment ist, haben wir Mark Böschen, Redaktionsleiter des Schweizer Finanzdiensts The Market (NZZ), beim Anlegertag München gefragt. Seine Antwort ist im Kern eine alte, unterschätzte Disziplin: Value Investing, der nüchterne Blick auf den Wert statt auf die Geschichte.

Wer ist Mark Böschen? Vom Chinesisch-Studium zum Dax-Analysten

Mark Böschen hat einen Weg hinter sich, den man bei einem Finanzjournalisten nicht erwartet. Nach dem Abitur studierte er Chinesisch in Peking, zu einer Zeit, als China gefühlt alle drei Wochen auf dem Titel des Spiegels stand. Ein Schüleraustauschjahr in den USA hatte ihn schon vorher neugierig auf die Welt außerhalb Europas gemacht. Aus Neugier wurde Methode: ein Praktikum bei der Wirtschaftswoche in Peking, dann der Einstieg bei der Financial Times Deutschland und rund dreizehn Jahre beim Manager Magazin.

Heute ist Böschen Redaktionsleiter bei The Market, einem Finanzdienst der Schweizer NZZ. Sein Team aus zwölf Leuten macht nur eine einzige Sache: Investmentideen. Keine Schlagzeilen, keine Skandale, keine breite Wirtschaftsberichterstattung. Etwa zur Hälfte lesen Vermögensverwalter mit, die andere Hälfte sind interessierte Privatanleger.

Wichtig für die Einordnung: The Market ist ein kostenpflichtiger Abodienst, der Kaufideen ausspricht. Böschen schreibt also als Profi, der mit Anlageideen sein Geld verdient, nicht als neutraler Beobachter.

Genau diese Fokussierung prägt seine Sicht auf den Markt. Wer jede Woche begründen muss, warum eine Aktie attraktiv ist, kann sich keine Bauchentscheidungen leisten. Er braucht ein Handwerk. Und dieses Handwerk klingt verdächtig nach Value Investing.

⭐ Infobox: Der Interviewpartner

FeldInhalt
NameMark Böschen
RolleRedaktionsleiter
MediumThe Market (Finanzdienst der NZZ, nur Investmentideen)
Team12 Redakteure, Leserschaft je zur Hälfte Vermögensverwalter und Privatanleger
WerdegangChinesisch-Studium in Peking, Financial Times Deutschland, ca. 13 Jahre Manager Magazin
Websitethemarket.ch
AufgenommenInterview beim Anlegertag München

Warum das beste Produkt nicht die beste Aktie ist

Hier liegt der wichtigste Denkfehler vieler Privatanleger. Sie kaufen eine Aktie, weil sie das Produkt mögen. Böschen winkt ab. Ein tolles Unternehmen und ein tolles Investment sind zwei völlig verschiedene Dinge.

„Ein gutes Unternehmen, dessen Produkte ich toll finde, muss kein gutes Investment sein, wenn die Bewertung zu hoch ist.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)

Mit Bewertung meint Böschen den Preis, den du für die Gewinne eines Unternehmens bezahlst. Eine Aktie kann fundamental großartig sein und trotzdem ein schlechter Kauf, wenn der Kurs schon alle rosigen Erwartungen eingepreist hat.

Sein Beispiel ist Biontech. Das Mainzer Unternehmen hat in der Pandemie Medizingeschichte geschrieben. Wer die Aktie aber zum Höchstkurs einsammelte, sitzt heute auf einem Verlust. Das Produkt war nie das Problem, der Einstiegspreis schon.

Diese Idee ist alt und bewährt. Begründet haben sie die US-Ökonomen Benjamin Graham und David Dodd in den 1930er-Jahren, weltberühmt machte sie ihr bekanntester Schüler Warren Buffett. Im Kern schätzt du den inneren Wert eines Unternehmens, also das, was es anhand seiner Gewinne und Substanz wirklich wert ist, und kaufst erst, wenn der Kurs spürbar darunter liegt. Diesen Sicherheitsabstand nennen Value-Investoren die Sicherheitsmarge (englisch Margin of Safety), den Puffer für den Fall, dass die Schätzung danebenliegt.

Wie teuer eine Aktie ist, lässt sich messen. Die bekannteste Kennzahl ist das KGV, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das den Kurs ins Verhältnis zum Jahresgewinn setzt, ergänzt um das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis, der Kurs gemessen am bilanziellen Vermögen). Ein niedriges KGV deutet auf eine unterbewertete Aktie hin, ein hohes auf eine teure.

Solche Zahlen liefert die Fundamentalanalyse, der Blick in Bilanz, Gewinne und Geschäftsmodell statt auf Kurscharts. Genau hier trennt sich der Value-Investor vom Growth-Investor, der bewusst teure, schnell wachsende Firmen kauft und auf weiteres Wachstum wettet.

Der zweite Klassiker heißt Klumpenrisiko, also zu viel Geld in einem einzigen Wert. Böschen verweist auf Novo Nordisk, den dänischen Pharmakonzern hinter den bekannten Abnehmspritzen. Lange galt die Aktie als sichere Bank, dann brach der Kurs ein. Wer alles auf diese eine Karte gesetzt hatte, wurde hart abgestraft.

„Es kann auch bei tollen Unternehmen vieles schiefgehen, und deswegen Streuung und nicht zu überheblich sein. Demut vor dem Markt.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)

Die Lehre daraus ist unbequem, aber befreiend. Diversifikation, also das bewusste Verteilen deines Geldes auf viele unterschiedliche Werte, schützt dich vor genau diesen Einzelfall-Katastrophen. Wer die allgemeinen Risiken von Wertpapier-Anlagen bei der BaFin nachliest, sieht schnell, wie viele Dinge bei einer einzelnen Aktie schieflaufen können. Streuung ist der einzige kostenlose Schutz, den der Markt dir anbietet.

Der Burggraben: Was Beyond Meat fehlte und MTU Aero Engines hat

Wenn die Bewertung das eine Standbein des Value Investing ist, dann ist der Burggraben das andere. Gemeint ist die Markteintrittsbarriere eines Unternehmens, also der Schutzwall, der Konkurrenten fernhält. Je breiter der Graben, desto sicherer die Gewinne. Böschen macht den Unterschied an drei Firmen greifbar, die kaum verschiedener sein könnten.

Beyond Meat: ein gutes Produkt ohne Schutzwall

Beyond Meat, der Hersteller pflanzlicher Burger-Alternativen, war für Böschen das Lehrstück. Schöne Idee, besseres Essen, und trotzdem kein gutes Investment. Der Grund ist simpel. Es gab keine Markteintrittsbarriere.

Kaum war der vegane Burger ein Erfolg, sprangen hundert andere Firmen mit eigenen Veggie-Buletten auf den Zug. Wo jeder mitmachen kann, bleibt am Ende für niemanden eine fette Marge übrig.

MTU Aero Engines: ein Graben, der fünfzig Jahre hält

Das Gegenbeispiel liefert MTU Aero Engines, ein deutscher Zulieferer für Flugzeugturbinen. Nur eine Handvoll Unternehmen weltweit kann solche Triebwerke überhaupt bauen. Keine Fluggesellschaft riskiert eine billigere Turbine von einem unbekannten Anbieter, dafür ist das Bauteil schlicht zu sicherheitskritisch.

„Der letzte neue Wettbewerber, der in diesen Markt eingetreten ist, war vor fünfzig Jahren General Electric. So hoch ist die Markteintrittsbarriere.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)

Wenig Wettbewerb, hohe Margen, technische Kompetenz, die niemand über Nacht kopiert. Solche Firmen findet Böschen auf einer eigenen Kaufliste, gedacht zum langfristigen Halten. Genau hier zahlt sich Geduld aus.

CTS Eventim: zur eigenen Empfehlung stehen

Spannend wird es, wenn eine Empfehlung nicht aufgeht. Vor zwei Jahren fand Böschen den Ticketplattform-Betreiber CTS Eventim attraktiv. Die Aktie stieg von gut 50 auf rund 106 Euro und gab danach wieder nach.

Schwächen wie hohe Investitionen in Sportarenen und eine ungeschickte Finanzkommunikation belasteten den Kurs. Der entscheidende Punkt für Böschen ist trotzdem ein anderer: Ist das Geschäftsmodell kaputt? Seine Antwort fällt klar aus.

Menschen kaufen weiterhin gern Konzert-, Theater- und Sporttickets, der Burggraben der Plattform steht. Statt die Aktie still abzuschreiben, schreibt The Market auch dann darüber, wenn es nicht läuft. Diese Transparenz ist Teil seines Selbstverständnisses.

Nebeneinandergelegt zeigt sich Böschens Muster auf einen Blick.

UnternehmenGeschäftsmodellBurggrabenBöschens Einordnung
Beyond MeatPflanzliche Burger-AlternativenKeinerGutes Produkt, aber rund hundert Nachahmer drängten nach. Trotzdem kein gutes Investment.
CTS EventimTicketplattformenMittel, aber stabilKurs zwischenzeitlich gefallen, Geschäftsmodell intakt. Menschen kaufen weiter Tickets.
MTU Aero EnginesFlugzeugturbinenSehr breitNur eine Handvoll Hersteller weltweit, letzter neuer Wettbewerber General Electric vor fünfzig Jahren.

Demut vor dem Markt: Warum The Market nicht „Das Orakel“ heißt

Ein roter Faden zieht sich durch das ganze Gespräch, und er hat wenig mit Zahlen zu tun. Es ist die Haltung. Böschen misstraut jedem, der vorgibt, die Zukunft zu kennen.

„Wir heißen deswegen The Market und nicht die Propheten oder das Orakel. Das ist ernst gemeint.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)

Diese Demut ist keine Koketterie, sondern Methode. Böschen und sein Team wollen verstehen, was am Markt passiert, und daraus ableiten, wie man als Anleger damit umgeht. Sie sehen sich nicht als Wahrsager, die den nächsten heißen Tipp aus dem Hut zaubern. Wenn ihn jemand fragt, welche Aktie gerade heiß sei, findet er das schwierig.

Trotzdem drückt er sich nicht vor einer Meinung. Was The Market macht, geht durchaus in Richtung Empfehlung, nur eben sauber begründet.

Für Böschen gehören zu jeder ehrlichen Analyse drei Dinge: die Chancen, die Risiken und die Marktposition. Warum ist ein Unternehmen vor Wettbewerb geschützt? Wie teuer ist es gemessen an seinen Gewinnen? Was kann schiefgehen?

Wer diese drei Fragen offen beantwortet, gibt dem Leser ein Werkzeug an die Hand, statt ihm eine Kursprognose zu verkaufen. Das ist Value Investing als Geisteshaltung.

Rüstung, Öl, Gold: Wie Böschen in unsicheren Zeiten denkt

Das Interview entstand in einer nervösen Phase, die schon der Folgentitel auf den Punkt bringt: Krieg, Energiekrise, Börsenangst. Der Konflikt im Nahen Osten beherrschte die Schlagzeilen, und viele Privatanleger fragten sich, ob sie jetzt in Rüstungsaktien investieren sollten. Böschen geht das Thema doppelbödig an, ehrlich in den Zweifeln und nüchtern im Urteil.

Rüstungsaktien: Rheinmetalls Wachstum gegen die Moral abwägen

Persönlich ist die Branche nicht sein Liebling. Unternehmen, die Marschflugkörper bauen, lösen bei ihm kein Anlegerglück aus. Gleichzeitig erkennt er die Realität an.

Dass Europa mit Rheinmetall einen Konzern hat, der Drohnenabwehr und Artilleriemunition liefern kann, sei in diesen Zeiten ein Wert für sich. Aus kühler Marktperspektive kommt das nüchterne Argument dazu.

„Rheinmetall wächst unglaublich stark, viel stärker als die großen US-Rüstungskonzerne, dreißig bis vierzig Prozent im Jahr beim Umsatz.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)

Auf Sicht von ein, zwei Jahren sei die Aktie nicht günstig. Wenn Europa seine Munitionsdepots aber über das Jahr 2030 hinaus auffüllen muss, hält die Nachfrage an, und dann findet Böschen Rheinmetall durchaus interessant. Nach dem Rückgang unter 1.400 Euro sieht er eher eine Chance als ein Warnsignal.

Eine kleine Beimischung ins Depot hält er in diesen Zeiten für vertretbar. Das ist seine Einschätzung als Profi, keine Aufforderung an dich, jetzt zu kaufen.

Energieaktien: die taktische Wette auf die Straße von Hormus

Beim Thema Energie wird er konkreter. Sollte der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ins Stocken geraten, drohe der Weltwirtschaft ein realer Schock, vom fehlenden Flugbenzin bis zu unterbrochenen Lieferketten für die Chipproduktion. Taktisch könne man deshalb auch Energieaktien kaufen, durchaus Öl- und Gaskonzerne. Kurzfristig brauche die Welt diese Rohstoffe ohnehin, und im Depot wirken solche Werte als Stabilisator.

Dass Böschen den Klimaschutz dabei ernst nimmt, betont er ausdrücklich. Gas sieht er als Brückentechnologie, also als Übergangslösung auf dem Weg zu sauberer Energie, nicht als Dauerzustand. Tabakaktien dagegen kauft er aus Überzeugung nicht.

10.000 Euro, fünf Jahre nichts tun: Böschens Value-Depot

Zum Abschluss bekam Böschen von uns eine konkrete Aufgabe. Stell ihm 10.000 Euro zur Verfügung, fünf Jahre lang nicht anfassen, wohin damit? Seine Antwort ist angewandtes Value Investing und ein schöner Blick in den Kopf eines Profis. Es ist ausdrücklich keine Empfehlung für dein Depot, sondern sein persönlicher Plan.

Den Löwenanteil, rund 7.000 Euro, würde er in einen breiten Welt-ETF stecken. Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen ganzen Markt auf einen Schlag abbildet.

Statt des klassischen MSCI World, der die größten Unternehmen weltweit nach Börsenwert gewichtet, wählt Böschen bewusst eine Variante nach dem Quality- oder Value-Faktor. Diese Faktor-ETFs filtern gezielt nach Qualitätskennzahlen oder günstiger Bewertung, statt einfach das Schwergewicht USA zu kopieren. Der praktische Effekt: Der USA-Anteil sinkt auf gut 40 Prozent, die Aktienauswahl wird breiter und solider. Wie diese Faktor-Strategien funktionieren, haben wir mit Jannes Lorenzen ausführlich besprochen, nachzuhören in unserer Folge Aktienrebell: ETF-Strategie und Faktor-Investing.

Rund 10 Prozent würde Böschen in Gold legen, als Anker für unruhige Zeiten, der die Volatilität des Aktiendepots, also die Kursschwankungen, etwas abfedert. Den Rest, etwa 20 Prozent, steckt er in einige Trends, in denen er besondere Chancen sieht. Energieaktien würde er gerade hoch gewichten.

Dazu kämen Werte mit echtem Burggraben wie MTU Aero Engines, die Triebwerkshersteller Rolls-Royce und Safran sowie die Deutsche Börse, die selbst dann verdient, wenn die Kurse fallen. Wer die Grundlagen solcher ETF-Bausteine sauber verstehen will, findet bei den ETF-Grundlagen von Finanztip einen guten neutralen Einstieg.

Auffällig ist, wie wenig Spektakel in diesem Plan steckt. Kein heißer Geheimtipp, keine Wette auf die eine Verzehnfacher-Aktie. Ein solides Fundament, ein Krisenanker und ein überschaubarer Anteil für gezielte Chancen. Genau so sieht Value Investing in der Praxis aus.

Fazit: Value Investing heißt, den Preis ernster zu nehmen als die Geschichte

Mark Böschens Botschaft lässt sich auf drei Sätze eindampfen. Erstens, ein gutes Unternehmen ist erst dann ein gutes Investment, wenn die Bewertung stimmt. Zweitens, suche Firmen mit einem echten Burggraben, der die Konkurrenz fernhält, und streue dein Geld, statt alles auf eine Karte zu setzen. Drittens, begegne dem Markt mit Demut statt mit Prognose-Selbstvertrauen.

Daraus folgt keine komplizierte Handlungsanweisung, sondern eine ruhige. Bevor du eine Aktie kaufst, frag dich nicht nur, ob du das Produkt magst, sondern was du dafür bezahlst und wie geschützt das Unternehmen vor Wettbewerb ist. Wer so denkt, kauft seltener teuer ein und übersteht Rückschläge gelassener.

Der eigentliche Gewinn des Value Investing ist deshalb nicht nur Rendite. Es ist die innere Ruhe, mit der du investierst, weil du verstehst, warum dir etwas gehört.

⭐ Das Wichtigste auf einen Blick

1. Ein gutes Unternehmen ist nicht automatisch ein gutes Investment. Entscheidend ist die Bewertung, also der Preis, den du für die Gewinne zahlst, wie das Beispiel Biontech zum Höchstkurs zeigt.
2. Value Investing sucht Firmen mit einem breiten Burggraben. MTU Aero Engines hält Konkurrenz seit fünfzig Jahren fern, Beyond Meat hatte keinen solchen Schutzwall und wurde von hundert Nachahmern eingeholt.
3. Streuung schützt vor dem Klumpenrisiko. Wer alles auf einen Einzelwert wie Novo Nordisk setzt, wird von einem einzigen Kurseinbruch hart getroffen.
4. Rüstungs- und Energieaktien sieht Böschen als taktische Beimischung in unsicheren Zeiten, Rheinmetall etwa wächst mit dreißig bis vierzig Prozent Umsatz pro Jahr.
5. Böschens persönliches 10.000-Euro-Depot besteht zu rund 70 Prozent aus einem Quality- oder Value-Welt-ETF, 10 Prozent Gold und 20 Prozent gezielten Trends.

Laura Podleska & Lukas Beißwenger Podcast-Hosts von „Investier oder Verlier“ Mission: Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären.

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Häufige Fragen

Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der du Aktien kaufst, deren Kurs unter ihrem tatsächlichen Wert liegt. Statt einem Hype zu folgen, prüfst du die Bewertung, die Wettbewerbsposition und die Risiken eines Unternehmens. Das Ziel ist, solide Firmen zu einem fairen Preis zu kaufen und langfristig zu halten.

Nein. Laut Mark Böschen kann ein hervorragendes Unternehmen ein schlechtes Investment sein, wenn seine Aktie zu teuer ist. Sein Beispiel ist Biontech: Das Produkt war erstklassig, doch wer zum Höchstkurs kaufte, machte Verlust. Entscheidend ist nicht nur die Qualität der Firma, sondern der Preis, den du für sie bezahlst.

Ein Burggraben, auch Markteintrittsbarriere genannt, ist der Schutzwall, der Konkurrenten von einem Unternehmen fernhält. MTU Aero Engines hat einen breiten Burggraben, weil nur eine Handvoll Firmen weltweit Flugzeugturbinen bauen kann. Beyond Meat hatte keinen, weil jeder veganen Burger herstellen kann. Je breiter der Burggraben, desto sicherer sind die Gewinne und Margen.

Mark Böschen sieht Rüstungsaktien als mögliche kleine Beimischung in unsicheren Zeiten, nicht als Kerninvestment. Rheinmetall wächst mit dreißig bis vierzig Prozent Umsatz pro Jahr und profitiert von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa. Persönlich kauft Böschen die Branche ungern und sieht sie kritisch. Es bleibt eine individuelle Entscheidung, die jeder mit den eigenen Werten abgleichen sollte.

Ein Quality- oder Value-ETF ist ein Indexfonds, der Aktien nicht einfach nach Börsenwert gewichtet, sondern gezielt nach Qualitäts- oder Bewertungskennzahlen auswählt. Im Vergleich zum klassischen MSCI World sinkt dadurch der oft hohe USA-Anteil. Böschen würde rund 70 Prozent seines Depots in einen solchen Welt-ETF stecken, weil die Auswahl breiter und solider ausfällt.

Value Investing geht auf die US-Ökonomen Benjamin Graham und David Dodd zurück, die das Konzept in den 1930er-Jahren an der Columbia University entwickelten. Grahams Buch „The Intelligent Investor“ gilt bis heute als Standardwerk der Strategie. Bekannt gemacht hat den Ansatz vor allem sein Schüler Warren Buffett, der mit dem Prinzip, unterbewertete Unternehmen mit Sicherheitsmarge zu kaufen, eines der größten Vermögen der Welt aufbaute.

Disclaimer:

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.

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