Veröffentlicht am 18. Juni 2026 · Lesedauer ca. 12 Minuten
Was ist Value Investing? Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der du Aktien kaufst, deren Kurs unter ihrem tatsächlichen Wert liegt. Statt dem Hype um ein beliebtes Produkt zu folgen, schaust du auf die Bewertung, die Wettbewerbsposition und die Risiken eines Unternehmens. Das Ziel ist simpel: solide Firmen zu einem fairen Preis kaufen und langfristig halten.
Das beste Produkt der Welt kann dich an der Börse trotzdem Geld kosten. Wer die Biontech-Aktie zum Höchstkurs gekauft hat, hat das schmerzhaft gelernt. Warum ein gutes Unternehmen längst kein gutes Investment ist, haben wir Mark Böschen, Redaktionsleiter des Schweizer Finanzdiensts The Market (NZZ), beim Anlegertag München gefragt. Seine Antwort ist im Kern eine alte, unterschätzte Disziplin: Value Investing, der nüchterne Blick auf den Wert statt auf die Geschichte.
Wer ist Mark Böschen? Vom Chinesisch-Studium zum Dax-Analysten
Mark Böschen hat einen Weg hinter sich, den man bei einem Finanzjournalisten nicht erwartet. Nach dem Abitur studierte er Chinesisch in Peking, zu einer Zeit, als China gefühlt alle drei Wochen auf dem Titel des Spiegels stand. Ein Schüleraustauschjahr in den USA hatte ihn schon vorher neugierig auf die Welt außerhalb Europas gemacht. Aus Neugier wurde Methode: ein Praktikum bei der Wirtschaftswoche in Peking, dann der Einstieg bei der Financial Times Deutschland und rund dreizehn Jahre beim Manager Magazin.
Heute ist Böschen Redaktionsleiter bei The Market, einem Finanzdienst der Schweizer NZZ. Sein Team aus zwölf Leuten macht nur eine einzige Sache: Investmentideen. Keine Schlagzeilen, keine Skandale, keine breite Wirtschaftsberichterstattung. Etwa zur Hälfte lesen Vermögensverwalter mit, die andere Hälfte sind interessierte Privatanleger.
Wichtig für die Einordnung: The Market ist ein kostenpflichtiger Abodienst, der Kaufideen ausspricht. Böschen schreibt also als Profi, der mit Anlageideen sein Geld verdient, nicht als neutraler Beobachter.
Genau diese Fokussierung prägt seine Sicht auf den Markt. Wer jede Woche begründen muss, warum eine Aktie attraktiv ist, kann sich keine Bauchentscheidungen leisten. Er braucht ein Handwerk. Und dieses Handwerk klingt verdächtig nach Value Investing.
⭐ Infobox: Der Interviewpartner
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Name | Mark Böschen |
| Rolle | Redaktionsleiter |
| Medium | The Market (Finanzdienst der NZZ, nur Investmentideen) |
| Team | 12 Redakteure, Leserschaft je zur Hälfte Vermögensverwalter und Privatanleger |
| Werdegang | Chinesisch-Studium in Peking, Financial Times Deutschland, ca. 13 Jahre Manager Magazin |
| Website | themarket.ch |
| Aufgenommen | Interview beim Anlegertag München |
Warum das beste Produkt nicht die beste Aktie ist
Hier liegt der wichtigste Denkfehler vieler Privatanleger. Sie kaufen eine Aktie, weil sie das Produkt mögen. Böschen winkt ab. Ein tolles Unternehmen und ein tolles Investment sind zwei völlig verschiedene Dinge.
„Ein gutes Unternehmen, dessen Produkte ich toll finde, muss kein gutes Investment sein, wenn die Bewertung zu hoch ist.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)
Mit Bewertung meint Böschen den Preis, den du für die Gewinne eines Unternehmens bezahlst. Eine Aktie kann fundamental großartig sein und trotzdem ein schlechter Kauf, wenn der Kurs schon alle rosigen Erwartungen eingepreist hat.
Sein Beispiel ist Biontech. Das Mainzer Unternehmen hat in der Pandemie Medizingeschichte geschrieben. Wer die Aktie aber zum Höchstkurs einsammelte, sitzt heute auf einem Verlust. Das Produkt war nie das Problem, der Einstiegspreis schon.
Diese Idee ist alt und bewährt. Begründet haben sie die US-Ökonomen Benjamin Graham und David Dodd in den 1930er-Jahren, weltberühmt machte sie ihr bekanntester Schüler Warren Buffett. Im Kern schätzt du den inneren Wert eines Unternehmens, also das, was es anhand seiner Gewinne und Substanz wirklich wert ist, und kaufst erst, wenn der Kurs spürbar darunter liegt. Diesen Sicherheitsabstand nennen Value-Investoren die Sicherheitsmarge (englisch Margin of Safety), den Puffer für den Fall, dass die Schätzung danebenliegt.
Wie teuer eine Aktie ist, lässt sich messen. Die bekannteste Kennzahl ist das KGV, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das den Kurs ins Verhältnis zum Jahresgewinn setzt, ergänzt um das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis, der Kurs gemessen am bilanziellen Vermögen). Ein niedriges KGV deutet auf eine unterbewertete Aktie hin, ein hohes auf eine teure.
Solche Zahlen liefert die Fundamentalanalyse, der Blick in Bilanz, Gewinne und Geschäftsmodell statt auf Kurscharts. Genau hier trennt sich der Value-Investor vom Growth-Investor, der bewusst teure, schnell wachsende Firmen kauft und auf weiteres Wachstum wettet.
Der zweite Klassiker heißt Klumpenrisiko, also zu viel Geld in einem einzigen Wert. Böschen verweist auf Novo Nordisk, den dänischen Pharmakonzern hinter den bekannten Abnehmspritzen. Lange galt die Aktie als sichere Bank, dann brach der Kurs ein. Wer alles auf diese eine Karte gesetzt hatte, wurde hart abgestraft.
„Es kann auch bei tollen Unternehmen vieles schiefgehen, und deswegen Streuung und nicht zu überheblich sein. Demut vor dem Markt.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)
Die Lehre daraus ist unbequem, aber befreiend. Diversifikation, also das bewusste Verteilen deines Geldes auf viele unterschiedliche Werte, schützt dich vor genau diesen Einzelfall-Katastrophen. Wer die allgemeinen Risiken von Wertpapier-Anlagen bei der BaFin nachliest, sieht schnell, wie viele Dinge bei einer einzelnen Aktie schieflaufen können. Streuung ist der einzige kostenlose Schutz, den der Markt dir anbietet.
Der Burggraben: Was Beyond Meat fehlte und MTU Aero Engines hat
Wenn die Bewertung das eine Standbein des Value Investing ist, dann ist der Burggraben das andere. Gemeint ist die Markteintrittsbarriere eines Unternehmens, also der Schutzwall, der Konkurrenten fernhält. Je breiter der Graben, desto sicherer die Gewinne. Böschen macht den Unterschied an drei Firmen greifbar, die kaum verschiedener sein könnten.
Beyond Meat: ein gutes Produkt ohne Schutzwall
Beyond Meat, der Hersteller pflanzlicher Burger-Alternativen, war für Böschen das Lehrstück. Schöne Idee, besseres Essen, und trotzdem kein gutes Investment. Der Grund ist simpel. Es gab keine Markteintrittsbarriere.
Kaum war der vegane Burger ein Erfolg, sprangen hundert andere Firmen mit eigenen Veggie-Buletten auf den Zug. Wo jeder mitmachen kann, bleibt am Ende für niemanden eine fette Marge übrig.
MTU Aero Engines: ein Graben, der fünfzig Jahre hält
Das Gegenbeispiel liefert MTU Aero Engines, ein deutscher Zulieferer für Flugzeugturbinen. Nur eine Handvoll Unternehmen weltweit kann solche Triebwerke überhaupt bauen. Keine Fluggesellschaft riskiert eine billigere Turbine von einem unbekannten Anbieter, dafür ist das Bauteil schlicht zu sicherheitskritisch.
„Der letzte neue Wettbewerber, der in diesen Markt eingetreten ist, war vor fünfzig Jahren General Electric. So hoch ist die Markteintrittsbarriere.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)
Wenig Wettbewerb, hohe Margen, technische Kompetenz, die niemand über Nacht kopiert. Solche Firmen findet Böschen auf einer eigenen Kaufliste, gedacht zum langfristigen Halten. Genau hier zahlt sich Geduld aus.
CTS Eventim: zur eigenen Empfehlung stehen
Spannend wird es, wenn eine Empfehlung nicht aufgeht. Vor zwei Jahren fand Böschen den Ticketplattform-Betreiber CTS Eventim attraktiv. Die Aktie stieg von gut 50 auf rund 106 Euro und gab danach wieder nach.
Schwächen wie hohe Investitionen in Sportarenen und eine ungeschickte Finanzkommunikation belasteten den Kurs. Der entscheidende Punkt für Böschen ist trotzdem ein anderer: Ist das Geschäftsmodell kaputt? Seine Antwort fällt klar aus.
Menschen kaufen weiterhin gern Konzert-, Theater- und Sporttickets, der Burggraben der Plattform steht. Statt die Aktie still abzuschreiben, schreibt The Market auch dann darüber, wenn es nicht läuft. Diese Transparenz ist Teil seines Selbstverständnisses.
Nebeneinandergelegt zeigt sich Böschens Muster auf einen Blick.
| Unternehmen | Geschäftsmodell | Burggraben | Böschens Einordnung |
|---|---|---|---|
| Beyond Meat | Pflanzliche Burger-Alternativen | Keiner | Gutes Produkt, aber rund hundert Nachahmer drängten nach. Trotzdem kein gutes Investment. |
| CTS Eventim | Ticketplattformen | Mittel, aber stabil | Kurs zwischenzeitlich gefallen, Geschäftsmodell intakt. Menschen kaufen weiter Tickets. |
| MTU Aero Engines | Flugzeugturbinen | Sehr breit | Nur eine Handvoll Hersteller weltweit, letzter neuer Wettbewerber General Electric vor fünfzig Jahren. |
Demut vor dem Markt: Warum The Market nicht „Das Orakel“ heißt
Ein roter Faden zieht sich durch das ganze Gespräch, und er hat wenig mit Zahlen zu tun. Es ist die Haltung. Böschen misstraut jedem, der vorgibt, die Zukunft zu kennen.
„Wir heißen deswegen The Market und nicht die Propheten oder das Orakel. Das ist ernst gemeint.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)
Diese Demut ist keine Koketterie, sondern Methode. Böschen und sein Team wollen verstehen, was am Markt passiert, und daraus ableiten, wie man als Anleger damit umgeht. Sie sehen sich nicht als Wahrsager, die den nächsten heißen Tipp aus dem Hut zaubern. Wenn ihn jemand fragt, welche Aktie gerade heiß sei, findet er das schwierig.
Trotzdem drückt er sich nicht vor einer Meinung. Was The Market macht, geht durchaus in Richtung Empfehlung, nur eben sauber begründet.
Für Böschen gehören zu jeder ehrlichen Analyse drei Dinge: die Chancen, die Risiken und die Marktposition. Warum ist ein Unternehmen vor Wettbewerb geschützt? Wie teuer ist es gemessen an seinen Gewinnen? Was kann schiefgehen?
Wer diese drei Fragen offen beantwortet, gibt dem Leser ein Werkzeug an die Hand, statt ihm eine Kursprognose zu verkaufen. Das ist Value Investing als Geisteshaltung.
Rüstung, Öl, Gold: Wie Böschen in unsicheren Zeiten denkt
Das Interview entstand in einer nervösen Phase, die schon der Folgentitel auf den Punkt bringt: Krieg, Energiekrise, Börsenangst. Der Konflikt im Nahen Osten beherrschte die Schlagzeilen, und viele Privatanleger fragten sich, ob sie jetzt in Rüstungsaktien investieren sollten. Böschen geht das Thema doppelbödig an, ehrlich in den Zweifeln und nüchtern im Urteil.
Rüstungsaktien: Rheinmetalls Wachstum gegen die Moral abwägen
Persönlich ist die Branche nicht sein Liebling. Unternehmen, die Marschflugkörper bauen, lösen bei ihm kein Anlegerglück aus. Gleichzeitig erkennt er die Realität an.
Dass Europa mit Rheinmetall einen Konzern hat, der Drohnenabwehr und Artilleriemunition liefern kann, sei in diesen Zeiten ein Wert für sich. Aus kühler Marktperspektive kommt das nüchterne Argument dazu.
„Rheinmetall wächst unglaublich stark, viel stärker als die großen US-Rüstungskonzerne, dreißig bis vierzig Prozent im Jahr beim Umsatz.“
— Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market (NZZ) (Quelle: Interview Anlegertag München)
Auf Sicht von ein, zwei Jahren sei die Aktie nicht günstig. Wenn Europa seine Munitionsdepots aber über das Jahr 2030 hinaus auffüllen muss, hält die Nachfrage an, und dann findet Böschen Rheinmetall durchaus interessant. Nach dem Rückgang unter 1.400 Euro sieht er eher eine Chance als ein Warnsignal.
Eine kleine Beimischung ins Depot hält er in diesen Zeiten für vertretbar. Das ist seine Einschätzung als Profi, keine Aufforderung an dich, jetzt zu kaufen.
Energieaktien: die taktische Wette auf die Straße von Hormus
Beim Thema Energie wird er konkreter. Sollte der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ins Stocken geraten, drohe der Weltwirtschaft ein realer Schock, vom fehlenden Flugbenzin bis zu unterbrochenen Lieferketten für die Chipproduktion. Taktisch könne man deshalb auch Energieaktien kaufen, durchaus Öl- und Gaskonzerne. Kurzfristig brauche die Welt diese Rohstoffe ohnehin, und im Depot wirken solche Werte als Stabilisator.
Dass Böschen den Klimaschutz dabei ernst nimmt, betont er ausdrücklich. Gas sieht er als Brückentechnologie, also als Übergangslösung auf dem Weg zu sauberer Energie, nicht als Dauerzustand. Tabakaktien dagegen kauft er aus Überzeugung nicht.
10.000 Euro, fünf Jahre nichts tun: Böschens Value-Depot
Zum Abschluss bekam Böschen von uns eine konkrete Aufgabe. Stell ihm 10.000 Euro zur Verfügung, fünf Jahre lang nicht anfassen, wohin damit? Seine Antwort ist angewandtes Value Investing und ein schöner Blick in den Kopf eines Profis. Es ist ausdrücklich keine Empfehlung für dein Depot, sondern sein persönlicher Plan.
Den Löwenanteil, rund 7.000 Euro, würde er in einen breiten Welt-ETF stecken. Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen ganzen Markt auf einen Schlag abbildet.
Statt des klassischen MSCI World, der die größten Unternehmen weltweit nach Börsenwert gewichtet, wählt Böschen bewusst eine Variante nach dem Quality- oder Value-Faktor. Diese Faktor-ETFs filtern gezielt nach Qualitätskennzahlen oder günstiger Bewertung, statt einfach das Schwergewicht USA zu kopieren. Der praktische Effekt: Der USA-Anteil sinkt auf gut 40 Prozent, die Aktienauswahl wird breiter und solider. Wie diese Faktor-Strategien funktionieren, haben wir mit Jannes Lorenzen ausführlich besprochen, nachzuhören in unserer Folge Aktienrebell: ETF-Strategie und Faktor-Investing.
Rund 10 Prozent würde Böschen in Gold legen, als Anker für unruhige Zeiten, der die Volatilität des Aktiendepots, also die Kursschwankungen, etwas abfedert. Den Rest, etwa 20 Prozent, steckt er in einige Trends, in denen er besondere Chancen sieht. Energieaktien würde er gerade hoch gewichten.
Dazu kämen Werte mit echtem Burggraben wie MTU Aero Engines, die Triebwerkshersteller Rolls-Royce und Safran sowie die Deutsche Börse, die selbst dann verdient, wenn die Kurse fallen. Wer die Grundlagen solcher ETF-Bausteine sauber verstehen will, findet bei den ETF-Grundlagen von Finanztip einen guten neutralen Einstieg.
Auffällig ist, wie wenig Spektakel in diesem Plan steckt. Kein heißer Geheimtipp, keine Wette auf die eine Verzehnfacher-Aktie. Ein solides Fundament, ein Krisenanker und ein überschaubarer Anteil für gezielte Chancen. Genau so sieht Value Investing in der Praxis aus.
Fazit: Value Investing heißt, den Preis ernster zu nehmen als die Geschichte
Mark Böschens Botschaft lässt sich auf drei Sätze eindampfen. Erstens, ein gutes Unternehmen ist erst dann ein gutes Investment, wenn die Bewertung stimmt. Zweitens, suche Firmen mit einem echten Burggraben, der die Konkurrenz fernhält, und streue dein Geld, statt alles auf eine Karte zu setzen. Drittens, begegne dem Markt mit Demut statt mit Prognose-Selbstvertrauen.
Daraus folgt keine komplizierte Handlungsanweisung, sondern eine ruhige. Bevor du eine Aktie kaufst, frag dich nicht nur, ob du das Produkt magst, sondern was du dafür bezahlst und wie geschützt das Unternehmen vor Wettbewerb ist. Wer so denkt, kauft seltener teuer ein und übersteht Rückschläge gelassener.
Der eigentliche Gewinn des Value Investing ist deshalb nicht nur Rendite. Es ist die innere Ruhe, mit der du investierst, weil du verstehst, warum dir etwas gehört.
⭐ Das Wichtigste auf einen Blick
1. Ein gutes Unternehmen ist nicht automatisch ein gutes Investment. Entscheidend ist die Bewertung, also der Preis, den du für die Gewinne zahlst, wie das Beispiel Biontech zum Höchstkurs zeigt.
2. Value Investing sucht Firmen mit einem breiten Burggraben. MTU Aero Engines hält Konkurrenz seit fünfzig Jahren fern, Beyond Meat hatte keinen solchen Schutzwall und wurde von hundert Nachahmern eingeholt.
3. Streuung schützt vor dem Klumpenrisiko. Wer alles auf einen Einzelwert wie Novo Nordisk setzt, wird von einem einzigen Kurseinbruch hart getroffen.
4. Rüstungs- und Energieaktien sieht Böschen als taktische Beimischung in unsicheren Zeiten, Rheinmetall etwa wächst mit dreißig bis vierzig Prozent Umsatz pro Jahr.
5. Böschens persönliches 10.000-Euro-Depot besteht zu rund 70 Prozent aus einem Quality- oder Value-Welt-ETF, 10 Prozent Gold und 20 Prozent gezielten Trends.
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Häufige Fragen
Was ist Value Investing einfach erklärt?
Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der du Aktien kaufst, deren Kurs unter ihrem tatsächlichen Wert liegt. Statt einem Hype zu folgen, prüfst du die Bewertung, die Wettbewerbsposition und die Risiken eines Unternehmens. Das Ziel ist, solide Firmen zu einem fairen Preis zu kaufen und langfristig zu halten.
Ist ein gutes Unternehmen immer ein gutes Investment?
Nein. Laut Mark Böschen kann ein hervorragendes Unternehmen ein schlechtes Investment sein, wenn seine Aktie zu teuer ist. Sein Beispiel ist Biontech: Das Produkt war erstklassig, doch wer zum Höchstkurs kaufte, machte Verlust. Entscheidend ist nicht nur die Qualität der Firma, sondern der Preis, den du für sie bezahlst.
Was ist ein Burggraben bei Aktien?
Ein Burggraben, auch Markteintrittsbarriere genannt, ist der Schutzwall, der Konkurrenten von einem Unternehmen fernhält. MTU Aero Engines hat einen breiten Burggraben, weil nur eine Handvoll Firmen weltweit Flugzeugturbinen bauen kann. Beyond Meat hatte keinen, weil jeder veganen Burger herstellen kann. Je breiter der Burggraben, desto sicherer sind die Gewinne und Margen.
Sind Rüstungsaktien eine gute Geldanlage?
Mark Böschen sieht Rüstungsaktien als mögliche kleine Beimischung in unsicheren Zeiten, nicht als Kerninvestment. Rheinmetall wächst mit dreißig bis vierzig Prozent Umsatz pro Jahr und profitiert von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa. Persönlich kauft Böschen die Branche ungern und sieht sie kritisch. Es bleibt eine individuelle Entscheidung, die jeder mit den eigenen Werten abgleichen sollte.
Was ist ein Quality- oder Value-ETF?
Ein Quality- oder Value-ETF ist ein Indexfonds, der Aktien nicht einfach nach Börsenwert gewichtet, sondern gezielt nach Qualitäts- oder Bewertungskennzahlen auswählt. Im Vergleich zum klassischen MSCI World sinkt dadurch der oft hohe USA-Anteil. Böschen würde rund 70 Prozent seines Depots in einen solchen Welt-ETF stecken, weil die Auswahl breiter und solider ausfällt.
Wer hat Value Investing erfunden?
Value Investing geht auf die US-Ökonomen Benjamin Graham und David Dodd zurück, die das Konzept in den 1930er-Jahren an der Columbia University entwickelten. Grahams Buch „The Intelligent Investor“ gilt bis heute als Standardwerk der Strategie. Bekannt gemacht hat den Ansatz vor allem sein Schüler Warren Buffett, der mit dem Prinzip, unterbewertete Unternehmen mit Sicherheitsmarge zu kaufen, eines der größten Vermögen der Welt aufbaute.
Disclaimer:
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.
Transkript der Folge
„Gutes Unternehmen, wo ich die Produkte toll finde, muss nicht ein gutes Investment sein, wenn die Bewertung zu hoch ist."
Mark Böschen, Redaktionsleiter The Market
„Wir heißen deswegen auch The Market und nicht die Propheten oder das Orakel."
Mark Böschen über den Anspruch seiner Redaktion
„Der letzte neue Wettbewerber, der in den Markt eingetreten ist, war vor 50 Jahren General Electric."
Mark Böschen über Markteintrittsbarrieren am Beispiel MTU Aero Engines
Vollständiges Transkript anzeigen
Aufgezeichnet am Börsentag Köln. Lukas Beißwenger im Gespräch mit Mark Böschen, Redaktionsleiter Deutschland von The Market (NZZ-Gruppe). Automatisch transkribiert und für die Lesbarkeit aufbereitet, die Sprecherzuordnung wurde nachträglich ergänzt.
Lukas: Unser heutiger Gast hat Chinesisch in Peking studiert und mittlerweile analysiert er den Dax. Was Mark Böschen zwischendrin gemacht hat und wie er dazu kam, heute da zu sein, wo er ist. Das versuchen wir heute mal ein bisschen zu ergründen. Gemeinsam. Mark, du bist Redaktionsleiter von The Market NZZ. Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast für uns heute.
Mark Böschen: Lukas, schön, dass ich heute dabei sein darf.
Vom Chinesisch-Studium in den Finanzjournalismus
Lukas: Erzähl doch mal, wie bist du dazu gekommen, nach China zu gehen, Chinesisch zu studieren? Was ging dir da durch den Kopf?
Mark Böschen: Ja. Ich habe 1996 meinen Schulabschluss gemacht. Und da war China wirklich alle drei Wochen auf dem Spiegeltitel Ungefähr. Man hatte das Gefühl, das Land verändert sich unglaublich schnell. Ich hatte da in der Schulzeit vorher die Möglichkeit gehabt, ein Jahr in die USA zu gehen. War da auf dem platten Land, so wie auch da, wo ich herkomme, vom Land halt nicht aus der großen Stadt und habe gedacht, das wär mal schön, was außerhalb Europas kennenzulernen. Und es war auch gleichzeitig klar, dass es wirtschaftlich total interessant. Dann habe ich da ein Praktikum gemacht, bei der Wirtschaftswoche in Peking und danach im Hauptstudium. Als ich wieder zu Hause in Hamburg war, wo ich dann studiert habe, habe ich dann bei der Financial Times Deutschland damals erst gejobbt und dann dann noch nach dem Jobben dann noch das Volontariat gemacht. Das kennst du ja, ist ja so eine Journalistenausbildung. Und seitdem bin ich dann im Finanzjournalismus für die FTD nach Frankfurt und ja, seitdem Geldanlage und Finanzen als Thema.
Lukas: Wie kam es dazu? Du bist nach Amerika gegangen und dann nach China. Das sind ja irgendwie auch so politisch wirtschaftlich verschiedene Ansätze. Wolltest du dir diesen Kontrast einfach mal selber zu Gemüte führen, um möglichst viele unterschiedliche Perspektiven zu bekommen? Oder was war da der Gedanke?
Mark Böschen: Ja, ich war halt in Amerika auch bei einer deutschstämmigen christlichen Familie. Also ich hatte auch angekreuzt, dass ich christlich bin, aber im Gegensatz zu denen bin ich nie Sonntags jeden Sonntag in die Kirche und dann nochmal mittwochs zur Bibelschule. Und ich habe dann gemerkt, es ist ja schon andererseits sehr anders, aber dann natürlich schon über die wahren deutschstämmig. Die kamen aus einer christlichen Kultur. Ich habe gedacht wäre doch toll, mal Asien kennenzulernen, wo die Leute einen ganz anderen Hintergrund haben.
Lukas: Fair enough. Was hast du aus dieser Zeit für dich mitgenommen, das dich vielleicht bis heute auch noch trägt und was nachhaltig bei dir geblieben ist?
Mark Böschen: Ja, große Begeisterung auch für die Menschen in China. Ein tolles Land, tolle Leute allerdings, Die sind jetzt heute sagen wir mal, stärker von Karl Marx geprägt als von ihrer eigenen Kulturgeschichte in manchen Dingen. Also gerade wie das so das alltägliche Leben läuft. Die Partei ist halt allmächtig und es ist schon eben sicherlich nicht immer einfach, in dem System klarzukommen, auch wenn es ja erfreulicherweise wirtschaftlich ganz toll läuft für viele Leute. Ich war so 13 Jahre beim Manager Magazin tätig.
Der Wechsel zu The Market
Lukas: Jetzt bist du bei The Market entsetzt. Wie, Wie kam der Wechsel für dich? Warum hast du dich dafür entschieden?
Mark Böschen: Bei Manager Magazin als ein ganz tolles Blatt. Ich lese es weiterhin. Ich mag die Kollegen, bin auch befreundet. Ich glaube, wenn man da heute wissen will, was jetzt gerade bei großen deutschen Unternehmen los ist Oft ist da manager Magazin ganz weit vorn. Also Hut ab, Kollegen, weiter so! Allerdings es ist nicht immer die Anlegerperspektive, die ich da auch hatte bei manager Magazin. Also in dem Heft, wo es um Investmentideen geht und The Market. Wir machen mit 12 Leuten nur Investmentideen, nichts anderes. Also Orientierung für Anleger und Investmentideen. Also wir wollen dann diejenigen sein, die diese Woche mit Leuten reden, die wirklich wissen, was jetzt am Energiemarkt los ist und wie schlimm das alles wird. Und das ist dann unser Hauptfokus. Und wir schreiben jetzt dann Wir sind da nicht die, die über viele andere Themen schreiben, die jetzt auch gerade in der Presse sind. Wir schreiben über das Wichtigste für die Anleger und über nichts anderes.
Lukas: Viele junge Leute möchten ungern irgendwie Geld ausgeben für Bildung, für News. Jetzt habt ihr aber so ein Abomodell. Wie läuft es für euch? Kommt es gut an?
Mark Böschen: Ja. Also, wir haben zur Hälfte Leser, die Vermögensverwalter sind. Ungefähr. Vielleicht ein bisschen. Aber die andere Hälfte sind dann Privatanleger, die sich sehr dafür interessieren. Und wenn man natürlich jetzt ernsthaft Geld langfristig anlegt, oft ist man dann zugegebenermaßen vielleicht nicht 16, sondern eher schon 40 Jahre alt, dann hat man so gut verdient und kann vielleicht auch mehr Geld ausgeben, mehr Geld anlegen, auch dann, nachdem man erstmal geschaut hat, dass man irgendwo wohnt und Möbel kauft nach dem, nachdem man den Jobeinstieg gemacht hat. Klar. Aber wenn man irgendwann so weit ist und dann so ein Depot hat und dann gewissen Größe, dann sind so dreißig Euro ein und dreißig Euro im Monat für unser Abo jetzt auch nicht so viel. Wenn wir wirklich dann vielleicht dabei helfen, dass man jetzt diese Woche nicht ganz so nervös wird oder vielleicht auch nicht so sorglos ist, was die Lage im Nahen Osten angeht und vielleicht ab und zu mal eine gute Investmentidee bekommt. Also man rechtzeitig Energieaktien gekauft hat. Weil mein Kollege Gregor Matzke das empfohlen hat, schon vor einigen Monaten. Dann hat man jetzt da schon zweistelliges Plus drauf und hat auch was, was auch dann ein ein bisschen Freude macht. Falls jetzt wirklich eine Energiekrise auf die Welt zukommt, was man ja nicht ausschließen kann.
Die blinden Flecken deutscher Privatanleger
Lukas: Du bist auf vielen Anleger und Börsentagen unterwegs, moderierst auch auf Bühnen mit, mit echten Experten, beschäftigt sich jeden Tag damit. Also ich würde sagen, du bist tief drin in dieser Materie. Was sind so typische blinde Flecken, die du beim deutschen Privatanleger siehst? Vielleicht psychologisch, vielleicht im Umgang mit der Geldanlage?
Mark Böschen: Ja, also klar, man muss halt immer ein bisschen länger sich damit beschäftigt, muss man unterscheiden zwischen guten Unternehmen und guten Investments. Also es gibt halt tolle Unternehmen, die dann eine Zeit lang kein gutes Investment sind. Wenn man halt Biontech zu einem zu hohen Kurs gekauft hat, dann ist es halt kein gutes Investment. Jetzt sind auch die Gründer gegangen. Das ist ein anderes Thema oder sind dabei zu gehen. Aber das muss man unterscheiden. Gutes Unternehmen, wo ich die Produkte toll finde, muss nicht ein gutes Investment sein, wenn die Bewertung zu hoch ist. Das ist ein Punkt. Also man muss auch sehen, dass man Risiko streut. Alles auf Novo Nordisk war nicht so die gute Idee, wie wir gesehen haben. Es kann auch bei tollen Unternehmen vieles schiefgehen und deswegen Streuung und ja nicht zu überheblich sein. Demut vor dem Markt. Wir heißen deswegen auch The Market und nicht die Propheten oder das Orakel. Das ist ernst gemeint. Wir wollen schauen, was am Markt passiert, verstehen, was da passiert und daraus ableiten, wie wir damit umgehen als Anleger.
Rüstungsaktien: Rheinmetall und die Moral
Lukas: Ich hatte ja vorhin schon ein paar andere Experten auch vor der Kamera, und die haben ja alle berichtet, die hatten Gespräche mit Privatanlegern und alle haben Angst, weil die sagen Hey, es gibt mehr Kriege und alle fragen Hey, soll ich in Rüstung investieren? Ist das ein Thema, was dich im Investor Alltag beschäftigt? Ist das interessant? Gerade?
Mark Böschen: Klar. Ich meine, ich habe mir jetzt gerade letzte Woche mal die US Rüstungsaktien angeschaut. Werde da nächste Woche darüber schreiben. Ähm ja, ist auch nicht mein Lieblings Investmentthema, wenn ich da sehe. Unternehmen die Marschflugkörper herstellen, wenn die irgendwo einschlagen, ist das nicht schön. Andererseits glaube ich, haben wir alle auch gelernt. Wir müssen nach außen hin zeigen, auch gerade Richtung Russland, dass wir nicht wehrlos sind. Und deswegen können wir natürlich froh sein, dass wir Rheinmetall haben, die uns vielleicht eine Abwehr gegen Drohnen bauen können, die uns Artilleriemunition liefern, damit eben nicht irgendjemand denkt, Deutschland kann man ganz leicht überfallen. Wir hoffen, dass wir die Waffen nie einsetzen müssen. Ja, und jetzt mal aus einer kühlen Marktperspektive Rüstungsaktien wachsen. Rheinmetall wächst unglaublich stark, auch viel stärker als die US Konzerne, die großen Rüstungskonzerne. 30, 40 Prozent im Jahr beim Umsatz. Und gleichzeitig ist so ein Wachstumsunternehmen dann auch eventuell noch positiv bei einem ganz großen Konflikt. Jetzt aktuell nicht. Die sind wieder unter 1.400 Euro gefallen. Kann, glaube ich auch eine Chance sein. Auf ein, zwei Jahre hinausgeschaut sind die nicht günstig. Aber wenn ich glaube, und das tue ich tatsächlich, dass wir noch über 2030 hinaus in Europa, aber auch in anderen Teilen unsere Munitionsdepots auffüllen müssen, um nicht angreifbar zu sein über einen langen Zeitraum also diese starke Nachfrage anhält und das starke Wachstum, dann ist Rheinmetall durchaus interessant und attraktiv.
Wie man verantwortungsvoll über Aktien schreibt
Lukas: Ich finde es immer ganz schwierig, wenn mich jemand fragt Hey, kannst du mir eine Empfehlung geben? Welche Aktie ist gerade heiß? So zu sagen Ich denke, mit solchen Themen hast du dich ja schon seit Jahren beschäftigt und versuchst es ja auf eine bestmögliche Art und Weise dann auch in schriftlicher Form wiederzugeben. Wie kann man seriös und verantwortungsbewusst. Nicht unbedingt eine Aktienempfehlung geben, aber den Markt, die Aktie zu analysieren und das möglichst neutral nach außen zu geben?
Mark Böschen: Ja, also was wir machen, geht schon stark in Richtung Empfehlungen. Wir schreiben über Aktien, die wir gerade attraktiv finden, kannst du natürlich auch sagen. Das ist eine Empfehlung. Wichtig ist, dass man ausführlich sagt, was die Risiken sind, was die Risiken sind, was die Chancen sind und wichtig zum Beispiel auch Was ist die Marktposition? Also warum ist ein Unternehmen geschützt vor Wettbewerb? Man hat ja zum Beispiel gesehen bei Beyond Meat. Tolle Sache. Schön, dass wir jetzt bessere Veggieburger haben. Aber das war halt keine Markteintrittsbarriere dar. Es gab dann 100 andere Firmen, die auch Veggie Buletten gemacht haben und ich glaube zum Beispiel CTS Eventim Ticketplattform ist was anderes. Ja, fand ich auch schon vor zwei Jahren gut. Sind dann wirklich gestiegen von gut 50 auf 106 Euro. Jetzt sind sie aber wieder gefallen. Gerade gestern ein hundert zwanzig Prozent. Und dann ist für mich auch wichtig, dass ich gestern dann eben auch dazu schreibe. Was ist an dem Tag los? Ist jetzt das Geschäftsmodell kaputt? Haben die Riesen operative Probleme? Haben die nicht. Leute kaufen weiterhin gern Konzerttickets und Theatertickets, Sportveranstaltungstickets. Die haben ein bisschen viel investiert in Sportarenen wie in Mailand und haben sehr ungeschickte Finanzkommunikation. Es ist natürlich nicht schön, aber dann stehe ich auch dazu und sage Ich habe es vor zwei Jahren empfohlen, war eine zeitlang sehr gut, jetzt ist es wieder auf das Niveau oder sogar drunter gefallen. Da muss ich auch sagen, was ist da jetzt passiert? Soll man es jetzt verkaufen? Ich würde sagen nein. Finde ich auf dem Niveau sogar sehr interessant. Die Aktie, auch wenn es da einige Dinge gibt, zum Beispiel Küstrin der Ticketverkauf, mache ich das künftig auch bei Claude oder bei ChatGPT? Ja, ich glaube jetzt erstmal nicht. Aber das sind so Sachen, die sind natürlich Sorgen und das belastet den Kurs sowas bei uns. Wir versuchen jetzt nicht über sehr viele Aktien zu schreiben, nur über die, die wir interessant finden. Aber wenn da mal was stand, dass wir die Aktie interessant finden, dann schreiben wir auch drüber, wenn es nicht gut läuft, um die Leute da dann eben auch zu informieren. Hat sich das jetzt komplett geändert oder ist es vielleicht sogar eine Chance, dass diese Aktie günstiger zu haben ist?
Deutschland und der Burggraben von MTU Aero Engines
Lukas: Wie bewertest du als jemand, der im Ausland gelebt hat, in verschiedenen politischen Systemen auch sich täglich mit Börse beschäftigt. Wie bewertest du die Situation in Deutschland? Die wirtschaftliche Situation? In welche Richtung geht es? Und was ist vielleicht in Deutschland ein Ding, wo wir als Privatanleger drauf schauen sollten, was interessant ist?
Mark Böschen: Ja, also in Deutschland würde ich schon sagen, haben wir sehr starke Unternehmen. Wir haben natürlich auch Dinge, die uns alle frustrieren, dass die Bahn nicht so gut funktioniert, dass wir zu wenig in Infrastruktur investiert haben, dass wir zu viele Vorschriften und Regeln haben. Ich denke, wir können das schaffen, das besser zu machen. Und es wird sicherlich auch helfen, dass wir wieder mehr Geld investieren können in so Dinge wie Infrastruktur, Energienetze usw. Ja, kurzfristig ist natürlich schade. Wenn jetzt eine Energiekrise auf uns zukommt, dann wird erstmal der Abschwung wieder abgewürgt. Der Abschwung, der schon gekommen wäre, Dann hätten wir nicht 5 Prozent Wachstum wie in China. Aber es werden schon so mal anderthalb Prozent geworden. Nächstes Jahr dieses Jahr auch schon mehr als ein Prozent. Ist jetzt wieder ein bisschen in Frage gestellt, wenn jetzt der Benzinpreis so hoch ist. Ich glaube trotzdem langfristig. Man kann sich jetzt eine gute Kaufliste machen für so Unternehmen wie MTU Aero Engines, die liefern große Teile von Flugzeugturbinen zu. Da gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die Flugzeugturbinen herstellen können. Es wird auch niemand keine Fluggesellschaft oder keine. Kein Flugzeughersteller nimmt eine günstige Turbine von dem neuen Anbieter. Ja, weil man da ein bisschen Geld spart. Das ist einfach zu wichtig. Bei der Turbine darf nichts schiefgehen. MTU kann das zusammen mit einer Handvoll Firmen. Der letzte neue Wettbewerber, der in den Markt eingetreten ist, war vor 50 Jahren General Electric. So schwierig ist das. So ist die Markteintrittsbarriere. Anders als bei Veggiebuletten. Das hatten wir ja schon, das Thema deswegen. Ich würde mir eine Kaufliste machen. Das haben wir auch. Findet man bei uns auf der Seite mit Titeln wie MTU Aero Engines, die man langfristig halten kann. Wenig Wettbewerb, tolle Margen, hohe Kompetenz. Solche Unternehmen haben wir in Deutschland und da kann man dann, wenn man sieht, das stabilisiert sich ein bisschen, jetzt vielleicht auch bald günstig diese Aktien kaufen. Und das ist dann eine tolle Chance in meinen Augen.
Wo Mark Böschen nicht investiert
Lukas: Link zu The Market findet ihr in der Beschreibung. Gibt es auch was, wo du sagst Hey, da würde ich gar nicht reininvestieren, Das geht für mich gar nicht. Viele sagen ja, Rüstung ist moralisch für mich nicht vertretbar. Gibt es für dich was? Eine Branche, eine Firma, wo du sagst Nö, das möchte ich nicht.
Mark Böschen: Ich persönlich kaufe jetzt keine Tabakaktien. Ich finde, es würde auch lieber was anderes kaufen als Rüstungsaktien. Eine kleine Beimischung finde ich in diesen Zeiten tatsächlich auch nicht unwichtig fürs Depot. Ich bin auch tatsächlich jemand, der den Klimaschutz, die Klimakrise ernst nimmt. Ich glaube aber trotzdem, dass wir jetzt kurzfristig nicht drum herumkommen, auch noch Gas als Brückentechnologie zu nutzen, beispielsweise. Und ich glaube, wir haben ein Riesenrisiko, dass wir jetzt, wenn in den nächsten zwei Wochen nicht wieder die Tanker fahren, durch die Straße von Hormus, dann kommt hier wirklich die Weltwirtschaft zum Stillstand. Ja, dann gibt es wirklich in Australien kein Flugbenzin mehr, dann kann da keine Flugzeuge mehr starten. Dann können auch einige Schiffe in Asien nicht losfahren und vielleicht können in Taiwan dann die Fabriken von TSMC auch keine Chips mehr herstellen, weil dann auch bestimmte Gase dafür fehlen. Helium und. das ist halt was. Da würde ich sagen, man kann jetzt taktisch auch mal Energieaktien kaufen, durchaus auch Öl und Gaskonzerne. Kurzfristig brauchen wir die eh. Und das ist jetzt eine der Sachen, die wirklich das Depot jetzt ein bisschen stabilisieren. Falls das jetzt wirklich schiefgeht und die Iraner sagen, Ihr habt uns so bombardiert, wir machen jetzt mal wirklich Chaos in der Weltwirtschaft für die nächsten zwei Monate, weil dann wird es wirklich eng für die Weltwirtschaft.
10.000 Euro, fünf Jahre nichts tun
Lukas: Unsichere, spannende Zeiten. Deswegen vielleicht meine Abschlussfrage an dich Ich gebe dir jetzt 10.000 Euro. Du musst die anlegen und das fünf Jahre nichts machen. In was investierst du und warum?
Mark Böschen: Vielleicht ja, dann würde ich sagen, ich nehme mal für 7.000 Euro, nämlich so einen ETF auf den MSCI World nach Quality. Dann habe ich halt nur gut 40 Prozent USA und eine gute Aktienauswahl, oder? Oder nach Value Kriterien ist eigentlich ähnlich. Und dann würde ich mal sagen, ich investiere so zehn Prozent in. Wenn sie Gold oder Gold. Und mit dem Rest suche ich mir ein paar interessante Trends. Da würde ich sicherlich als Energieaktien gerade hoch gewichten und ein paar Dinge, die ich selber interessant finde. Also wo ich sage, das sind so Dinge, wo ich besondere Chancen sehe. Das kann zum Beispiel sein, wenn MTU jetzt noch deutlich günstiger wird, kann man da mal kaufen oder auch Rolls-Royce, Safran ähnliche Aktien aus den Triebwerksherstellern oder eine deutsche Börse, die total runtergekommen ist. Ja vom Kurs schon wieder ein bisschen gestiegen, aber die profitieren auch, wenn die Kurse fallen. Dann verdienen die auch.
Lukas: Das war Mark Böschen, Redaktionsleiter von The Market. Mark, vielen Dank für deine Zeit.
Mark Böschen: Es war mir eine Ehre. Vielen Dank. Es war mir eine Freude.
Über die Autoren
Laura Podleska
Co-Founderin und Co-Host, verantwortet SEO, Web und Social Media
Laura hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und verantwortet Webseite, Suchmaschinen-Optimierung und die Social-Media-Kanäle der Marke. Beruflich arbeitet sie als Online-Marketing-Managerin mit Schwerpunkt Suchmaschinen-Optimierung.
Lukas Beißwenger
Co-Founder und Co-Host, führt die Experten-Interviews
Lukas hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und führt die Interviews mit Fachleuten aus der Finanzbranche, unter anderem live auf den Börsen- und Anlegertagen. Er verantwortet Aufnahme und Produktion der Folgen.
Gemeinsam veröffentlichen die beiden seit Juni 2025 über 90 Podcast-Folgen. Ihre Mission: Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären.

