Veröffentlicht am 25. September 2026 · Lesedauer: 5 Minuten
Auf deutschen Girokonten liegen rund 2 Billionen Euro und tun nichts. Genau das haben wir Carsten Puschmann, Startup-Investor und Gründer der Carsten Puschmann & Company GmbH, beim Ludwig-Erhard-Gipfel gefragt. Seine Antwort dreht sich nicht um Sparzinsen, sondern um eine Lücke, die dieses Land Wachstum kostet.
⭐ Das Wichtigste auf einen Blick
1. Venture Capital ist Eigenkapital für junge Unternehmen, das gegen Firmenanteile fließt und nicht zurückgezahlt wird.
2. Das Wagniskapital für junge deutsche Unternehmen schrumpfte 2025 um ein Drittel und lag bei 2,23 Milliarden Euro (BVK).
3. Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland lag zum Jahresende 2025 bei 9.504 Milliarden Euro (Bundesbank).
4. 14,1 Millionen Menschen in Deutschland hielten 2025 Aktien, Fonds oder ETFs und damit so viele wie nie zuvor. In den USA besitzen 62 Prozent der Erwachsenen Aktien.
5. Carsten Puschmann bewertet Frühphasen-Investments nach der Person des Gründers, nicht nach dem Geschäftsmodell.
Was ist Venture Capital?
Venture Capital, auf Deutsch Wagnis- oder Risikokapital, ist Geld, das Investoren jungen Unternehmen gegen Beteiligungen geben. Anders als ein Bankkredit wird es nicht zurückgezahlt. Die Investoren verdienen erst, wenn das Startup verkauft wird oder an die Börse geht. Dafür ist der Totalverlust der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Wer ist Carsten Puschmann?
Puschmann investiert gemeinsam mit Family Offices in Deutschland und den USA in Startups der frühen Phase. Nach eigener Darstellung begleitet er mit einem 30-köpfigen Team junge Unternehmen bis zur Series-A-Finanzierung und versteht sich als Brückenbauer zwischen großen Vermögen und Gründern.
| Name | Rolle | Unternehmen | Website | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Carsten Puschmann | Startup-Investor, Gründer und CEO | Carsten Puschmann & Company GmbH | carstenpuschmann.de | Investiert unter anderem in Anthropic, OpenAI und SpaceX |
Credentials: Carsten Puschmann hat vor seiner Investorentätigkeit selbst mehrfach gegründet und Unternehmen verkauft. Das Magazin Business Punk zählte ihn 2024 zu den 100 innovativsten Köpfen der deutschen Digitalwirtschaft. Seine Einschätzungen veröffentlicht er unter anderem als Autor bei The Pioneer und auf seiner eigenen Website.
Warum in den USA leichter Geld zusammenkommt
Puschmanns Erklärung für den Unterschied ist keine strukturelle, sondern eine psychologische. Die Amerikaner seien schlicht risikobereiter.
„Wenn du mit Investoren in den USA sprichst, die sehen die Chance, der Deutsche sieht eher das Risiko."
— Carsten Puschmann, Startup-Investor (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)
Die Zahlen stützen ihn. In deutsche Start-ups flossen 2025 rund 2,23 Milliarden Euro Venture Capital, ein Drittel weniger als im Jahr davor, so die Beteiligungsmarktstatistik des BVK. Amazon allein gab im selben Jahr 108,5 Milliarden US-Dollar für Technologie und Infrastruktur aus, laut eigenem Geschäftsbericht. Ein einzelner US-Konzern setzt also rund das Fünfundvierzigfache dessen um, was der gesamte deutsche Venture-Capital-Markt an Startup-Kapital bewegt.
Das Geld wäre da. Die privaten Haushalte in Deutschland hielten zum Jahresende 2025 ein Geldvermögen von 9.504 Milliarden Euro, meldet die Deutsche Bundesbank. Allein im vierten Quartal legten sie weitere 63 Milliarden Euro in Bargeld und Sichteinlagen, also auf Girokonten und Tagesgeldkonten. Die 2 Billionen, von denen Puschmann spricht, sind vor diesem Hintergrund keine Übertreibung.
Was Deutschland trotzdem in der Hand hat
Puschmann hält den Standort nicht für verloren, im Gegenteil. Sein Argument ist der Mittelstand: Kein anderes Land habe so tiefes industrielles Wissen und einen so hohen Datenbestand wie Deutschland.
„Dieses tiefe industrielle Wissen, das können wir jetzt eben in KI skalieren und eben auch monetarisieren."
— Carsten Puschmann, Startup-Investor (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)
Die Märkte für Rechenzentren, Chips und große Sprachmodelle seien vergeben, sagt er. Auf der Anwendungsseite aber liege der Vorteil bei dem, der die Industrie kennt. Als Beispiel nennt er vorausschauende Wartung, also Software, die aus Maschinendaten vorhersagt, wann ein Bauteil ausfällt. Dafür braucht es Fabrikdaten, und die hat der deutsche Mittelstand.
Was fehlt, ist für ihn weniger Technik als Haltung. Deutschland sei in ein Mindset geraten, in dem man die eigene Vergangenheit verwalte statt in die Zukunft zu gehen. Bei den Anlegern bewegt sich immerhin etwas: 14,1 Millionen Menschen besaßen 2025 Aktien, Aktienfonds oder ETFs, ein Rekord und knapp 20 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren, zeigen die Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts. In den USA besitzen nach Gallup-Erhebung 62 Prozent der Erwachsenen Aktien. Der Abstand bleibt groß.
Woran Puschmann einen guten Gründer erkennt
Bei Investitionen in der Frühphase entscheidet für ihn nicht das Geschäftsmodell, sondern die Person davor.
„Ein durchschnittlicher Gründer kriegt das beste Geschäftsmodell eben nicht auf die Straße, aber ein super Gründer kann eben ein durchschnittliches Geschäftsmodell exekutieren."
— Carsten Puschmann, Startup-Investor (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)
Geschäftsmodelle kann man nachbessern, Menschen nicht. Seine Prüffrage im Pitch ist deshalb die nach dem Antritt. Baut jemand eine Firma, weil er für die Sache brennt, oder träumt er in der Pre-Seed-Runde schon vom Exit? Puschmann hält das für den Unterschied, der später über Erfolg entscheidet. Wer für seine Sache brenne, Vollgas gebe und sich ein gutes Team aufbaue, bei dem komme der Rest von allein.
„Geld ist für mich halt das Abfallprodukt von Erfolg."
— Carsten Puschmann, Startup-Investor (Quelle: Interview Ludwig-Erhard-Gipfel)
Auf Lukas' Einwand, ob man sich dabei nicht selbst verbrennt, antwortet er nüchtern: Regenerationsphasen habe er, aber als Gründer sei man dauerhaft erreichbar. Selbstständig heiße nun einmal selbst und ständig. Ob das ein Vorbild ist, darf jeder für sich beantworten.
Fazit: Das Geld liegt schon da
Deutschland fehlt es nicht an Kapital, sondern an der Bereitschaft, es arbeiten zu lassen. Billionen liegen auf Konten, während junge Unternehmen ihre Finanzierung in den USA suchen und ihren Exit gleich mitplanen. Puschmanns Rechnung ist simpel: Wer Innovation will, muss Risiko aushalten, und zwar als Volkswirtschaft wie als Privatperson.
Für dich als Anleger heißt das nicht, morgen in Startups zu investieren. Wie das überhaupt geht und unter welchen Bedingungen, haben wir in in Startups investieren aufgeschrieben. Es heißt erst einmal nur, die Frage zu stellen, wie viel von deinem eigenen Geld gerade einfach nur herumliegt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.
Transparenz: Anthropic, OpenAI, SpaceX und Amazon werden in diesem Beitrag genannt, weil sie im Interview oder als Beleg vorkommen. Keine dieser Nennungen ist eine Anlageempfehlung. Zwischen Investier oder Verlier und den genannten Unternehmen besteht keine Werbe-, Provisions- oder Affiliate-Beziehung.
Über die Autoren
Laura Podleska
Co-Founderin und Co-Host, verantwortet Website und Social Media
Laura hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und verantwortet die Website und die Social-Media-Kanäle der Marke. Beruflich arbeitet sie als Online-Marketing-Managerin.
Lukas Beißwenger
Co-Founder und Co-Host, führt die Experten-Interviews
Lukas hat „Investier oder Verlier" im Juni 2025 mitgegründet und führt die Interviews mit Fachleuten aus der Finanzbranche, unter anderem live auf den Börsen- und Anlegertagen. Er verantwortet Aufnahme und Produktion der Folgen.
Gemeinsam veröffentlichen die beiden seit Juni 2025 über 90 Podcast-Folgen. Ihre Mission: Investieren verständlich, ehrlich und auf Augenhöhe erklären.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Venture Capital und Private Equity?+
Venture Capital finanziert junge Unternehmen ohne stabilen Gewinn und trägt dafür ein hohes Ausfallrisiko. Private Equity kauft sich in etablierte Firmen ein, die bereits Erträge erwirtschaften. Beide Formen gehören zum Beteiligungskapital, unterscheiden sich aber in Phase und Risiko deutlich.
Warum holen deutsche Gründer ihr Kapital in den USA?+
Weil dort mehr Geld fürs Fundraising bereitsteht und Investoren früher einsteigen. Puschmann beobachtet, dass Seriengründer ihre Firmen in Europa aufbauen, den Exit aber von Anfang an Richtung USA planen. Wer sein Kapital dort einsammelt, reinvestiert später meist auch dort.
Was sind Seed- und Pre-Seed-Phasen?+
Pre-Seed ist die allererste Finanzierungsrunde, oft noch vor einem fertigen Produkt. In der Seed-Phase steht meist ein Prototyp und erste Kunden. Laut Puschmann sind beide Phasen in Deutschland gut finanzierbar, erst bei größeren Runden wird das Kapital knapp.
Warum investieren Deutsche weniger als Amerikaner?+
Puschmann führt es auf die Risikowahrnehmung zurück: In den USA sehe man die Chance, in Deutschland das Risiko. Strukturell kommt hinzu, dass in den USA mehr Kapital über Pensionsfonds und Kapitalsammelstellen bereitsteht und Börsengänge als Ausstiegsweg üblicher sind.
Können Privatanleger in Venture Capital investieren?+
Nur indirekt und mit hohem Risiko, etwa über Venture-Capital-Fonds, als Business Angel oder über Crowdinvesting-Plattformen. Eine Börsennotierung gibt es bei Startups nicht, das Geld ist über viele Jahre gebunden und ein Totalverlust ist möglich.
Transkript der Folge
„Geld ist für mich halt das Abfallprodukt von Erfolg."
Carsten Puschmann
„Das Innovationsbudget von Amazon ist genauso groß wie der deutsche Venture-Capital-Markt."
Carsten Puschmann
„Also meine These ist ja, dass wir jetzt in der nächsten Tech-Dekade auch global relevante Startups Made in Germany sehen werden."
Carsten Puschmann
Vollständiges Transkript anzeigen
Interview vom Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 in Gmund am Tegernsee. Lukas Beißwenger im Gespräch mit Carsten Puschmann, Startup-Investor und Gründer der Carsten Puschmann & Company GmbH. Das Transkript gibt das Gespräch in gesprochener Sprache wieder, einzelne Versprecher und Halbsätze sind so erhalten.
Anriss zu Beginn der Folge
Carsten Puschmann: 2 Billionen Euro liegen auf deutschen Girokonten rum und die müssen jetzt sozusagen in Startup-Investments gehen. An der Anwendungsseite können wir unser tiefes industrielles Wissen jetzt eben in KI skalieren und monetarisieren. Und dafür brauchen wir halt Geld. Und deswegen müssen wir die Leute, die Geld haben, auch in Investitionen bringen. Ich glaube jetzt, in den nächsten 5 bis 10 Jahren werden wir auch wieder große Tech-Companies à la SAP sehen, die halt eine globale Strahlkraft halt Made in Germany entwickeln werden. Dann ist eben KI jetzt die Dekade, nie war es einfacher und günstiger, Unternehmen zu bauen und zu skalieren.
Einstieg: Warum Gründen in den USA leichter ist
Lukas: Wie kommst du zu der Annahme? Warum Standort Deutschland? Wenn jemand da draußen auch ein Startup gründen will oder gerade in der Phase ist, welchen Skill braucht er, um sich durchzusetzen, um auch erfolgreich zu sein mit dem, was er macht? Stell dir vor, du hast ein Unternehmen, das macht dieselbe Sache und ein Unternehmen macht es in Deutschland, das andere Unternehmen in Amerika und das Unternehmen in Amerika wird 10-mal so hoch bewertet. Das heißt, für Startups ist es viel einfacher, Geld zusammenzusammeln, und darüber sprechen wir heute mit Carsten Puschmann. Carsten, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast für uns.
Carsten Puschmann: Sehr gerne.
Lukas: Warum ist es denn so, dass es viel leichter ist, in Amerika zu gründen?
Carsten Puschmann: Also wir haben historisch einfach mehr Kapital in Amerika, also die Amerikaner sind risikobereit, viel risikobereiter. Das heißt, wenn du auch mit Investoren den USA sprichst, die sehen die Chance, der Deutsche sieht eher das Risiko. Um es mal in Zahlen auszudrücken: Das Innovationsbudget von Amazon ist genauso groß wie der deutsche Venture-Capital-Markt. Also daran kann man sich das eigentlich ganz gut erklären. Und generell haben die Amerikaner halt auch über Kapitalsammelstellen einfach mehr Kapital zur Verfügung, und die sind auch eher bereiter zu investieren. Weil sie eben die Chance sehen und nicht das Risiko. Und von daher siehst du ja auch viele Seriengründer, die eben zum Fundraising nach Amerika gehen. Ich beobachte auf der anderen Seite, dass halt auch super viele frühphasige amerikanische Fonds halt bei mir anrufen und sagen, wir wollen jetzt in deine Startups investieren. Und die Deutschen und die Europäer können sich das auch nicht so ganz vorstellen. Also wir haben Anthropic und OpenAI, SpaceX Investments auch gemacht und dann war einmal so bei 200 Milliarden, ja, aber Carsten, jetzt ist irgendwie die Grenze erreicht. Und Entropic hat ja jetzt auch letzte Woche gemeldet, im Sekundärmarkt eine 1-Trillion-Bewertung. Und auch wenn du heute noch investieren willst, wirst du wahrscheinlich auch noch mal 2x sehen. Das heißt, in USA ist einfach mehr Kapital und du kannst also auch vorne mehr Geld raisen. Ich würde mal sagen, wenn wir auf Deutschland gucken, also frühphasiges Geld kriegst du schon, also so viel Seed-, Pre-Seed-Runden sind in Deutschland gut abbildbar, aber wir haben natürlich auch ein tiefes industrielles Wissen. Das heißt, wir müssen eigentlich jetzt so in Industrial AI Richtung Deep Tech auch denken. Und da brauchen wir halt unbedingt mehr Kapital. Und wir müssen halt sehen, und wir haben es jetzt ja auch im Schwarzwald wieder gesehen, im KI-Umfeld Black Forest Labs Finanzierungsrunde, auch natürlich wieder Amerikaner involviert. Also wir müssen deutsche Family Offices und aber auch Kapitalsammelstellen, weiß nicht, Versicherungskassen, Pensionsfonds, die müssen jetzt in Innovationen Startups investieren.
Zwei Billionen Euro liegen auf deutschen Girokonten
Lukas: Deutschland spart super viel Geld, hat viel Geld auf Konto liegen, so die Deutschen. Warum investieren nicht mehr?
Carsten Puschmann: 2 Billionen Euro liegen auf deutschen Girokonten rum, also, und die müssen jetzt sozusagen in Startup-Investments gehen. Also wir waren ja vielleicht mal Silicon Valley, auch nach dem Zweiten Weltkrieg, und wir haben ehrlicherweise, wenn man die KI jetzt mal einordnet und sagt, okay, wir haben irgendwie Rechenzentren, wir haben Chips, wir haben Large Language Models, die Züge sind irgendwie durch den Tunnel. Aber in der Anwendungsseite können wir unser tiefes industrielles Wissen jetzt eben in KI skalieren und monetarisieren. Und da sind insbesondere auch universitäre Ausgründungen super spannend. Also meine These ist ja, dass wir jetzt in der nächsten Tech-Dekade auch global relevante Startups Made in Germany sehen werden. Und dafür brauchen wir halt Geld. Und deswegen müssen wir die Leute, die Geld haben, auch in Investitionen bringen, was ich ja so ein bisschen mache. Das heißt, ich investiere ja gemeinsam mit großen Family Offices sowohl in Deutschland als eben auch in Amerika. Und ich glaube, vielleicht braucht es auch so Bridgemaker, die einfach sagen, pass auf, ich mache für euch so ein bisschen Dealflow-Research und ihr könnt dann mit uns gemeinsam investieren. Aber auf jeden Fall, also ich glaube jetzt, in den nächsten 5 bis 10 Jahren werden wir auch wieder große Tech-Companies à la SAP sehen, die halt eine globale Strahlkraft halt Made in Germany entwickeln werden.
Was Deutschland trotzdem in der Hand hat
Lukas: Wie kommst du zu der Annahme? Warum Standort Deutschland?
Carsten Puschmann: Naja, es gibt kein Land, was dieses tiefe industrielle Wissen hat wie Deutschland auch einen hohen Datenbestand. Und jetzt Schlagwörter wie jetzt Predictive Maintenance als Beispiel. Also dieses tiefe industrielle Wissen, das können wir jetzt eben in KI skalieren und eben auch monetarisieren. Und das kann kein anderes Land. Und wenn wir uns den deutschen, the German Mittelstand angucken, das haben die Amerikaner gar nicht. Also die Amerikaner sind in vielen Bereichen bold und haben auch dieses Mindset-Problem, was wir in Deutschland hier vielleicht haben, haben die gar nicht so. Also auch wenn ich jetzt unsere Gründer in den USA sehe, die sagen mir, also das Beste, was Amerika je gesehen hat, ist eigentlich das, was jetzt vor uns liegt. Und dann kommst du wieder zurück nach Deutschland und Europa, und da kommen wir eher in so ein Mindset rein, dass wir unsere Vergangenheit verwalten möchten. Und wir müssen in Deutschland jetzt einfach auch den Mut haben, wieder in die Zukunft zu gehen.
Kapitalmarktunion, Exits und Börsengänge
Lukas: Ich sehe schon sehr positiv die Entwicklung der Aktieninvestoren in Deutschland, sind auf dem historischen Rekordhoch mit 22%. Trotzdem sind wir noch ganz weit weg von Amerika mit 60% Investoren am Aktienmarkt. Denkst du, diese Entwicklung in Deutschland ist nachhaltig, auch auf der Privatanlegerseite, und nimmt es weiter Fahrt auf, oder ist es so ein kurzer Hype? Wie ordnest du das ein?
Carsten Puschmann: Wenn wir jetzt sozusagen in den Startup-Kosmos das einbeziehen, also wir müssen so Themen wie Kapitalmarktunion halt denken. Unsere Kapitalmärkte sind in liquide. Also da ist viel mehr Kapital eben in den USA zur Verfügung. Und wir brauchen im Startup-Ökosystem auch wieder Exits. So, wenn wir jetzt Exits beobachten, geht es meistens in Europa an Strategen. Wir arbeiten gerade an einer Lösung, dass wir an der Nasdaq North in Stockholm auch die ersten Startups in diesem Jahr wieder zum Listing oder zum IPO bringen wollen. Und da musst du dir auch überlegen, dass sozusagen Exits Exit-Gelder ja auch im Ökosystem bleiben wollen. Das heißt, was ich sehe, deutsche Seriengründer konzipieren ihre Start-ups in Europa schon Richtung Exit in den USA. Und wenn du als Gründer dann im Prinzip das Geld in den USA holst, ist die Wahrscheinlichkeit dann auch eher höher, dass du da eben auch reinvestierst. Und eigentlich brauchen wir ja einen Kreislauf, zu sagen, du gründest jetzt in Deutschland, du machst einen Exit, und bitte nicht nur an den Strategen, sondern vielleicht auch wieder Richtung Börsengang. Meine Meinung ist ja, dass zu Beginn der Nullerjahre das Thema neuer Markt war ja keine schlechte Idee, nur die Companies hatten halt irgendwie keine Substanz. Und wenn man aber, der Deutsche hängt sozusagen dann auch da wieder an der Vergangenheit und sagt, das haben wir ja schon mal gemacht vor 25 Jahren, das hat ja nicht geklappt. Und da im Prinzip auch in die Logik mal wieder reingehen, auch Startups im Prinzip über ein IPO zu kapitalisieren, löst auf der einen Seite natürlich das Fundraising-Thema und auf der anderen Seite vielleicht auch Exits für die Gründer, die dann auch wieder in Deutschland und Europa reinvestieren können.
Woran Puschmann einen guten Gründer erkennt
Lukas: Du hast jetzt Gründer schon angesprochen. Wie erkennst du einen guten Gründer? Du arbeitest mit vielen Gründern zusammen. Wenn du dich jetzt an einen Tisch hockst mit jemandem, der hat eine gute Idee, was sind so Fragen, die du dem direkt mal um die Ohren haust, um rauszufinden, was ist das für ein Typ?
Carsten Puschmann: Na ja, erstmal musst du dir einen Pitch angucken. Also für mich ist, also wenn wir jetzt über Early-Stage-Investments sprechen, It's all about the people. Also meine These ist, ein durchschnittlicher Gründer kriegt das beste Geschäftsmodell eben nicht auf die Straße, aber ein super Gründer kann eben ein durchschnittliches Geschäftsmodell exekutieren. Und du musst halt einfach sehen, also traust du der Person zu, die Industrie oder das Modell, was er da gerade baut, wirklich zu exekutieren und den Markt zu disrupten? Also hat der diesen Biss, 24/7 irgendwie dafür zu brennen? Wie tritt er eigentlich an? Also tritt er an, um eine Firma aufzubauen, die Gewinne erwirtschaftet, wo er sich ein passives Einkommen drüber aufbaut? Oder ist das ein Gründer, der im Pitch für eine Pre-Seed-Runde schon vom Exit träumt? Also das ist eine Mentalitätsfrage meines Erachtens, und du musst halt einfach einschätzen, hast du dieses Bauchgefühl, dass diese Person einfach dieses Mindset und diesen Willen hat, dieses Geschäftsmodell zu exekutieren. Ich habe ein frühphasiges Startup in Berlin, die Gründerin ist eine ehemalige Leichtathletin, also die kommt eben aus dem Leistungssport, die sagt, du Carsten, Scheitern ist für mich keine Option, also ich boxe das so oder so durch die Q-Kurve, und wenn ich sozusagen am Model mal verfeinern oder anpassen muss, ich bringe das Ding zum Erfolg. Und das ist eigentlich so das Mindset, was wir hier in Deutschland wieder brauchen, und wir haben hier dieses Vergangenheitsverwaltungssystem irgendwie erschaffen, dass die Leute keine Lust mehr haben. Work-Life-Balance, und dann muss ich hier noch mich irgendwie regenerieren und dies und das. Also wenn du gründest, dann ist nichts mit Regenerieren, also da musst du halt 24/7 Gas geben. Und das ist in den USA halt auch ein Thema, auch die frühphasigen Gründer, die ich da treffe, die sagen, also Carsten, du kannst zu uns kommen montags bis sonntags von 8 bis 22 Uhr. Das ist in Europa eben auch kein Standard. Und dann fragst du halt, was macht ihr denn irgendwie? Und die haben auch diese Trennung gar nicht mehr zwischen Arbeit und Privatleben. Die sagen, ja, dann waren wir irgendwie nachmittags noch Pickleball oder Padeltennis spielen und dann sind wir wieder ins Büro gekommen und wir richten uns ja nach dir, wir sind super flexibel. Also dieses Thema auch Büro- und Officezeiten, das haben die da überhaupt gar nicht. Die sagen, also jetzt ist im Prinzip, wenn Social Media die Phase war, nie war es einfacher, und günstiger so viele Menschen von deinem Smartphone zu erreichen, dann ist eben KI jetzt die Dekade. Nie war es einfacher und günstiger, Unternehmen zu bauen und zu skalieren. Und wer das jetzt checkt, der kann in den nächsten Jahren auch in Deutschland hier die geilsten Firmen bauen.
Warum Geld für ihn das Abfallprodukt ist
Lukas: In der Vorrecherche bin ich auf einen Satz von dir gestoßen. Du hast gemeint, Geld ist— wer gründet und ans Geld denkt, geht den falschen Weg. Wie Was steckt dahinter? Also Geld ist ein Abfallprodukt.
Carsten Puschmann: Also du brauchst natürlich Geld, um deine Firma zu bauen, aber wenn du für irgendwas brennst und mit Leidenschaft dein Startup aufbaust, dann wird dieses Startup oder die Company, die du gerade baust, wird erfolgreich sein. Und eine erfolgreiche Company ist dann cashflow-positiv. Und da ist für mich, also der Antritt muss sein, ich will mein Model exekuten, aber nicht, ich schiele irgendwie aufs Geld, weil Geld ist für mich halt das Abfallprodukt von Erfolg.
Lukas: Also es kommt automatisch, wenn du gut dein Business machst?
Carsten Puschmann: Ja, wenn du dafür brennst und Vollgas gibst und dir geile Leute, ein geiles Team aufbaust und richtig dafür brennst und mit Leidenschaft. Also bei den guten Gründern ist meine Beobachtung, dass ich immer so denke, redet der jetzt von sich selber oder redet der gerade irgendwie über seine Company? Und wenn du das Gefühl hast, dass dieses Geschäft, was der betreibt oder betreiben will, und die Person dass das ineinander irgendwie aufgeht oder miteinander verschmilzt, dann hast du halt einen Gründer, der hat eine hohe Identifikation eben mit dem, was er da tut, der wird dann wahrscheinlich auch erfolgreich, also, und dann ist halt Geld das Abfallprodukt.
Dauerverfügbarkeit, Regeneration und Burnout
Lukas: Siehst du da nicht auch ein Risiko, wenn man das so ganz krass vermischt, dass man sich vielleicht die Zeit gar nicht nimmt für sich, um auch mal zu regenerieren? Weil, weißt du, trotzdem, dass man Gas gibt, Anspannung, Entspannung, man muss immer mal kurz innehalten. Empfinde ich zumindest so. Siehst du da nicht das Risiko, dass man mittel- bis langfristig vielleicht ausbrennt als Gründer?
Carsten Puschmann: Also das finde ich eine Typfrage. Olli Samba hat mal gesagt, ich habe für Burnout, habe ich leider keine Zeit. Also das ist auch irgendwie eine Mentalitätsfrage. Ich habe da auch keine Zeit für, aber ich habe natürlich auch meine Regenerationsphasen. Also dann kannst du irgendwie spazieren gehen und du kannst schon irgendwie auch irgendwie Calls machen und dir irgendwie die Natur dabei angucken. Aber du bist als Gründer, insbesondere als First-Time-Founder, bist du natürlich immer available. Also du hast deine Partner, du hast deine Mitarbeiter, du hast vielleicht deine Investoren, du musst super responsiv sein. Ich habe jetzt einen Fintech-Gründer in Berlin, den kann ich immer anschreiben. Ich weiß, der ruft in 5 Minuten zurück. Also der ist halt immer verfügbar, immer da. Der sagt aber auch, du Carsten, ich bin gerade im Stadion, ich rufe dich in einer Stunde zurück. Zurück. Aber selbstständig ist halt selbst und ständig. Also da kannst du schlecht dein Handy irgendwie ausmachen und sagen, ich bin jetzt mal eine Woche offline, sondern da bist du einfach Teil deiner Organisation.
Welche Fähigkeiten Gründer wirklich brauchen
Lukas: Wenn jemand da draußen auch ein Startup gründen will oder gerade in der Phase ist, welchen Skill braucht er, um sich durchzusetzen, um auch erfolgreich zu sein mit dem, was er macht?
Carsten Puschmann: Du brauchst die Ellenbogen und du brauchst die Willenskraft und du brauchst die absolute Überzeugung, dass das, was du tust, genau das Richtige ist. Also wenn du selber an dir zweifelst, dann hast du auch eine Ausstrahlung, dass du nicht zu 100% hinter dem stehst, was du da gerade baust oder was du halt da repräsentierst. Also du musst einfach halt zu 1000% von deinem Business überzeugt sein und du musst zu 1000% von dir selber überzeugt sein, weil das ist ja in jeder Gründung so. Du fängst irgendwie was an und du hast in der ganz frühen Phase immer mehr Leute gegen dich als für dich, weil die dann sagen, die haben alle eine Meinung. Das ist eigentlich wie beim Fußball, dann sind alle die Bundestrainer. Sondern du sagst, ich mache jetzt das und das Thema, dann hast du nur Kritiker oder Leute, die eben skeptisch sind. Und da musst du halt auch resilient sein und einfach repräsentieren, dass das genau das Richtige ist. Und je länger sozusagen dein Business dann läuft und dann man halt erste Erfolge auch wiederum sieht, dass man dann sagt, Mensch, der Lukas hat es ja von Anfang an gesagt. Und dann sozusagen dreht der Wind an der Stelle auch, dass wir sagen, ja, wir waren da skeptisch, aber eigentlich haben wir immer gesagt, der Lukas hat ja eine super Idee, und sieht man ja jetzt auch. Und ich habe auch übrigens immer auch an den Lukas geglaubt. Also muss halt irgendwie Power haben.
Verabschiedung
Lukas: Schönes Schlusswort von dir. Wenn ihr dem Carsten auch so gern zuhört wie ich, dann findet ihr unten in der Beschreibung die Links zu ihm. Carsten, ich danke dir für deine Zeit und wünsche dir ganz viele gute Gespräche hier auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel.
Carsten Puschmann: Ja, danke, danke, hat Spaß gemacht. Danke dir, Lukas.

