Trading lernen als Privatanleger: Was ein ehemaliger Investmentbank-Händler denkt

Trading lernen: Carlos Martins, TradersClub24, erklärt die Swissbox-Strategie

15 Jahre lang. Jeden Morgen um 9 Uhr. Live vor 600 bis 800 Menschen, die zuschauen. Trading lernen klingt in diesem Kontext anders als in den meisten YouTube-Videos, die versprechen, in 30 Tagen reich zu werden. Carlos Martins, Gründer und Geschäftsführer des TradersClub24, sitzt morgens nicht vor einem Bildschirm und hofft. Er handelt – reproduzierbar, mit echtem Geld, mit klaren Regeln. Lukas von Investier oder verlier hat ihn auf dem Börsentag Wien 2026 getroffen und ihn genau das gefragt, was Privatanleger wirklich wissen möchten: Ist Trading wirklich erlernbar? Und was unterscheidet jemanden, der durchhält, von den 90 %, die nach sechs Monaten aufgeben?

 

Vom Investmentbank-Händler zum Trading-Club-Gründer: Wer ist Carlos Martins?

 

15 Jahre täglich live traden – was das über Disziplin aussagt

Carlos Martins hat seine Karriere nicht im Seminarraum gestartet, sondern in einer Wertpapierhandelsbank. Händlerprüfung, Orderaufnahme per Telefon, DAX-Handel mit 100 D-Mark pro Punkt. Wer so einsteigt, lernt schnell: Verluste sind kein Ausnahmefall, sie gehören zum Job. Martins hat in dieser Zeit viel Geld verloren – für die Bank und für sich selbst. Genau das hat ihn geformt.

Heute, mehr als 15 Jahre später, tradet er täglich live vor seiner Community. Nicht für die Show – sondern weil es seinen eigenen Qualitätsstandard erzwingt. „Wenn du nicht ablieferst, gerade im Internet, dann kann ich den TradersClub zumachen.“ Das ist kein bescheidener Understatement, sondern das Kernprinzip des Clubs: Transparenz durch Echtzeit-Performance.

Vor seiner Zeit in der Finanzbranche war Martins Kampfsportler. Er stand 1993 bei der Weltmeisterschaft im Madison Square Garden auf der Matte. Die Verbindung zum Trading ist für ihn offensichtlich: Disziplin, Routine, die Fähigkeit, eine Niederlage zu analysieren statt aufzuhören.

 

Warum er den TradersClub24 als Gegenmodell zur Broker-Industrie gründete

 

Martins beschreibt die Brokerbranche direkt: Ein neuer Trader kommt rein, scheitert nach drei bis sechs Monaten, und das nächste frische Kapital steht schon bereit. Das Geschäftsmodell lebt vom Scheitern der Kunden. Das Gegenmodell, das er vor 16 Jahren aufgebaut hat, funktioniert anders: duplizierbare Strategien, die er selbst jeden Morgen live vorexerziert – mit echtem Geld, vor echter Audience.

Heute zählt der TradersClub24 rund 5.000 Mitglieder, von denen täglich 600 bis 800 Teilnehmer im Live-Raum aktiv handeln. Das monatliche Transaktionsvolumen des Clubs liegt laut Martins bei durchschnittlich 22,2 Milliarden Euro – ein Wert, der den Club nach eigenen Angaben in die Größenordnung relevanter Broker in Deutschland bringt.



Trading lernen oder Glücksspiel? Warum die Psychologie entscheidend ist

Warum 90 % aller Trader in den ersten 3–6 Monaten scheitern

Die Brokerbranche hat ein schönes Problem: Ihre besten Kunden sind die, die schnell scheitern. Laut Martins beträgt die Lebensdauer eines neuen Traders im Durchschnitt drei bis sechs Monate – dann ist das Kapital weg, der Trader frustriert, und ein neuer kommt nach. Das Muster ist kein Zufall, sondern Systemlogik.

Was führt zum schnellen Scheitern? Falsche Erwartungshaltung. Social Media zeigt nur die Heldengeschichten: das Haus, das Auto, den Trade. Die Verluste dahinter bleiben unsichtbar. Wer mit unrealistischen Erwartungen startet, bricht beim ersten langen Drawdown ab – und sucht die nächste Strategie. Dann die übernächste.

Martins vergleicht das mit Roulette: „Wenn wir jeden Tag ins Casino gehen, werden sie Ende des Jahres gewinnen – wegen der Null. Im Roulette ist die Null mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,7 %. Das reicht. Und wir haben mehr als 2,7 % Edge wie das Casino.“ Der Privatmann hört nach dem ersten Verlusttrade auf. Das Casino lächt sich tot.

 

Der Kampfsportler-Ansatz: Disziplin schlägt Emotion

„Trading ist klassisch Handwerk, das kann jeder lernen – aber diesen Gegner, den wir schlagen, denken die immer, das ist der Chart oder der Broker. Nein, das sind die zehn Zentimeter, die wir zwischen unseren beiden Ohren haben.“

— Carlos Martins, Gründer & Geschäftsführer TradersClub24

Martins hat aus dem Kampfsport eine klare Lektion mitgenommen: Wer nach einer Niederlage aufhört, wird nie besser. Im Sport analysierst du, was schiefgelaufen ist, und trainierst weiter. Im Trading ist die Reaktion der meisten genau andersherum – ein Verlust, ein neuer Broker, eine neue Strategie. Der Muskel bleibt untrainiert.

Sein persönliches System ist klar: täglich Sport, kein Alkohol, eine feste Morgenroutine vor dem Live-Trading. Das klingt nach Lifestyletipps – ist aber strukturelle Risikoreduktion. Wer unausgeschlafen oder emotional aufgewiegelt vor dem Chart sitzt, macht schlechtere Entscheidungen. Punkt.

 

Die Swissbox-Strategie erklärt – Long und Short gleichzeitig im DAX

 

Wie funktioniert ein Hedging-Konto? Das Prinzip in einfachen Worten

Die Swissbox-Strategie – auch Box-Trading genannt – ist das Herzstück des Traders Club 24. Das Grundprinzip: Im Markt wird ein bestimmter Preisbereich definiert, die sogenannte Box. Sobald der Kurs in diese Box einläuft und sie verlässt, wird eine Position eröffnet.

Der entscheidende Unterschied zu klassischem Trading: Du brauchst ein spezielles Konto, das Long und Short gleichzeitig ermöglicht – ein sogenanntes Hedging-Konto. Bei einem normalen Broker wären gleichzeitig 100 Aktien long und 100 short einfach flat, also null. Auf einem Hedging-Konto läuft beides als separate Position.

Verlauf einer Swissbox-Sequenz: Der DAX-Kurs verlässt die Box nach oben – du kaufst Long. Der Kurs fällt zurück in die Box und darunter – du eröffnest eine Short-Position mit dreifacher Größe. Netto bist du jetzt übergewichtig Short. Dreht der Kurs erneut, wird wieder angepasst. Das geht so weiter, bis der Trade definitiv in eine Richtung ausbricht.

 

99,7 % Trefferquote – was das wirklich bedeutet (und was nicht)

Der erste Eindruck bei 99,7 % Trefferquote ist: Scam. Das ist auch die richtige Reaktion – bis man das Konzept dahinter versteht. Die hohe Trefferquote bedeutet nicht, dass jede Position profitabel ist. Sie bedeutet, dass die Methode in 99,7 % der Anwendungsfälle einen verwertbaren Ausbruch erzeugt, bevor das Risikomanagement greift.

Die 0,3 % Ausnahme – Szenarien, in denen der Markt in der Box „flimmert“ und nicht ausbricht – zerstören kein Konto. Nach dem fünften oder sechsten Trade in einer solchen Situation stoppt die Software die Sequenz. Der Trader zieht die Box auf ein anderes Level und beginnt neu. Das maximale Risiko pro Trade liegt bei 1 % des eingesetzten Kapitals. Kein anderes Ziel, kein Moonshot.

 

Trefferquote vs. CRV: Was ist für Trading-Einsteiger wirklich wichtiger?

Das CRV-Paradox: Warum 5 Verlusttage in Folge die meisten Anfänger rauswerfen

In Trading-Büchern und Kursen ist das Chancen-Risiko-Verhältnis (CRV) das Nonplusultra: Du riskierst 10 Euro, gewinnst 30 Euro. Klingt gut. Aber was bedeutet ein CRV von 1:3 statistisch? Nur 40 % Trefferquote. Das heißt konkret: Montag Verlust, Dienstag Verlust, Mittwoch Verlust, Donnerstag Verlust, Freitag Verlust. Eine gute Woche folgt. Dann wieder Verluste.

Martins hat das in 16 Jahren Live-Trading mit tausenden Mitgliedern beobachtet: Kein Privatmann hält das psychologisch durch. Du verlierst die Disziplin, bevor der statistische Vorteil sich auszahlen kann. Das ist kein Versagen des Konzepts – es ist menschliche Natur.

Seine Empfehlung für Einsteiger: Zuerst hohe Trefferquote, dann CRV. Erst wenn du gelernt hast, dem Markt positives Feedback abzuringen – kleine Gewinne zu sammeln – fange an, Trades läufen zu lassen. Die Kunst ist, später beides zu kombinieren.

 

0,1 % täglich – wie realistisch ist das Renditeziel des TraderClubs?

 

„Du kannst alles richtig machen, trotzdem geht der Trade ins Minus. Und das verstehen die Leute nicht.“

– Carlos Martins, Gründer & Geschäftsführer TradersClub24

 

Das erklärte Ziel des Clubs ist 0,1 % Rendite pro Handelstag. Das klingt unspektakulär – ist es aber nicht. Mathematisch: 0,1 % täglich mal 5 Handelstage ergibt 0,5 % pro Woche. Mal 4 Wochen sind 2 % pro Monat. Mal 10 Monate sind 20 % Jahresrendite. Nicht durch Glück, sondern durch Compoundierung – in beide Marktrichtungen, unabhängig davon, ob der DAX steigt oder fällt.

Martins betont, dass es Clubmitglieder gibt, die mehr Rendite erzielen. Er selbst kommuniziert jedoch konservativ: 0,1 % täglich als Ziel, dann die Bücher schließen. Kein Overtrading, kein Glücksspielgefühl. Das Money Management entscheidet – nicht der einzelne Trade.

 

Trading-Kapital vs. Vorsorgekapital – wie Carlos Martins selbst investiert

ETF-Sparplan, Bitcoin, Gold, Dividenden – das private Portfolio des Trading-Profis

Das Bild des Trading-Profis, der alles auf Rendite setzt, stimmt nicht – zumindest nicht für Carlos Martins. Er hat für jedes seiner drei Kinder einen ETF-Sparplan eingerichtet. Dazu hält er Bitcoin, Gold und Dividendenstrategien im Portfolio. Das Trading-Kapital ist ein Teil des Gesamtvermögens – nicht das gesamte Vermögen.

Auf eine persönliche Anekdote: Martins hat Bitcoin bei 5.400 Euro gekauft – und später bei 60.000 Euro nochmal nachgelegt. Den Einstand bei 60.000 hat er erlebt, wie der Kurs danach auf 20.000 gefallen ist. Seine Schlussfolgerung: „Was bin ich für ein Börsenexperte?“ Langfrist-Investitionen, so seine Überzeugung, brauchen Zeit – nicht perfektes Timing.

 

Wie viel Kapital darf wirklich ins Trading fließen? Die Faustregel

 

„ETF ist keine Einbahnstraße. Auch ein ETF kann in Richtung Süden. Und wenn man dann Lust aufs Trading hat, würde ich immer nur einen Teil von meinem Kapital nehmen – und nicht all in gehen.“

— Carlos Martins, Gründer & Geschäftsführer TradersClub24

 

Die Faustregel ist klar: Nur ein Teil des Vermögens gehört ins Trading. Wie viel genau, hängt von der persönlichen Situation ab – das ist kein Anlageratschlag. Aber das Grundprinzip ist universell: Vorsorgekapital und Trading-Kapital strikt trennen.

Steuerlich relevant: Gewinne aus dem Handel mit Wertpapieren und Derivaten in Deutschland unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag. Zuständige Aufsichtsbehörde ist die BaFin. Fragen zur steuerlichen Behandlung gehören in die Hände eines Steuerberaters.

 

Wie fange ich an? Carlos Martins’ Ansatz für komplette Einsteiger

Warum Swing Trading der bessere Einstieg ist – nicht Box Trading

Martins ist direkt: Wer am Anfang steht, soll nicht mit der Swissbox-Strategie beginnen. Der richtige Einstieg ist Swing Trading. Warum? Swing Trades haben längere Haltezeiten – oft mehrere Tage. Du triffst drei bis vier Entscheidungen pro Woche statt mehrere pro Stunde. Das gibt dir Zeit, den Trading-Muskel zu trainieren: Wie reagierst du auf Gewinne? Wie auf Verluste? Wie setzt du einen Stop-Loss?

Die Swissbox-Strategie ist – in seinen Worten – die Champions League. Sie setzt voraus, dass du die Grundlagen beherrschst: Chartlesen, Positions-Management, emotionale Neutralität gegenüber kurzfristigen Schwankungen. Wer das überspringt, verliert – schnell.

 

Was eine Trading-Community wirklich bringt: Live-Training vs. Videokurs

 

André Stacke, ein bekannter Trader und Partner des Clubs, bringt es auf den Punkt: Das, was im TradersClub24 passiert, ist „betreutes Klicken“. Der Satz klingt nach Ironie, ist aber ernst gemeint – als höchste Form des Präzisions-Lernens.

Ein Videokurs für 5.000 Euro vermittelt dir die Theorie. Du lernst, wo du theoretisch eingestiegen wärest. Im Live-Trading sitzt du vor einem echter Position, die real ins Minus läuft – und hast jemanden, der direkt antwortet: „Steigen wir jetzt aus? Ja, genau so – hier ist der Grund.“ Dieser Unterschied ist nicht marginal. Er ist alles.

Das Modell funktioniert, weil Martins selbst jeden Morgen liefern muss. Nicht in einem Backtesting-Video, sondern im echten Markt, vor echten Teilnehmern, mit echtem Kapital. Das ist der Qualitätsfilter – und der Grund, warum es kein direktes Copycat-Modell in Deutschland gibt.














Deine Key Takeaways:

  • 99,7 % Trefferquote ≠ Performance-Versprechen. Long & Short laufen gleichzeitig – der Markt entscheidet die Richtung, nicht die Prognose.
  • Trefferquote schlägt CRV für Einsteiger. Ein CRV von 1:3 bedeutet statistisch 40 % Trefferquote – fünf Verlusttage in Folge. Psychologisch kaum auszuhalten.
  • 0,1 % täglich = 20 % Jahresrendite. Kein Moonshot – kalkulierbare Compoundierung in beide Marktrichtungen, unabhängig vom Markttrend.

  • Trading ist keine Altersvorsorge. Carlos Martins selbst hält ETF-Sparpläne, Bitcoin, Gold und Dividendenstrategien. Nur ein Teil des Vermögens fließt ins Trading.
  • Die Lebensdauer eines Traders beträgt 3–6 Monate – wer zu früh aufgibt, verliert den Edge. Der Club wurde als Gegenmodell konzipiert: täglich Live-Trading mit echtem Geld statt Videokurse.

Häufige Fragen

Laut Carlos Martins ist Trading erlernbares Handwerk – kein Talent, keine Gabe. Was Einsteiger unterscheidet, ist nicht Intelligenz, sondern Disziplin und die Bereitschaft, Verluste als Lerneinheit zu behandeln. Der größte Gegner sitzt nicht im Chart, sondern zwischen den eigenen Ohren.

Die Swissbox-Strategie (auch Box-Trading) nutzt definierte Preisbereiche im Chart. Es werden gleichzeitig Long- und Short-Positionen über ein Hedging-Konto platziert – der Markt entscheidet die Richtung. Die Strategie eignet sich für Trader mit Grundkenntnissen, nicht für absolute Einsteiger.

Martins selbst hält ETF-Sparpläne für seine Kinder und nutzt Trading nur für einen Teil seines Vermögens. Seine Empfehlung: Erst Grundlage (ETF, Dividenden), dann schrittweise Trading lernen – niemals das gesamte Kapital ins Trading.

Disclaimer:

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispiele, Einschätzungen und Strategien sind allgemeiner Natur und berücksichtigen nicht deine persönliche Situation.
Investitionen in Wertpapiere, Fonds, ETFs oder andere Anlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Triff deine Entscheidungen eigenverantwortlich und informiere dich bei Bedarf zusätzlich, z. B. bei einer unabhängigen Honorarberatung oder Steuerberatung.

Andere Beiträge